Jahrgang 59
Nr. 6/2005 Dezember
DIE NEUE ORDNUNG

Stefan Hartmann

Das Zweite Vaticanum

Ein kirchengeschichtliches Ereignis in Rückblick und Ausblick

Kirchengeschichtliche Ereignisse sind eingebettet in den allgemeinen Verlauf der Geschichte. Das gilt auch noch in der Neuzeit. Oft geht die Kirchengeschichte in fast prophetischer Weise den säkularen Entwicklungen voraus. Auf die Kirchen-spaltung der Reformation folgte der dreißigjährige Krieg und schließlich die fran-zösische Revolution. Auf die Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit (1870) folgten die autoritären Staatsformen des frühen 20. Jahrhunderts, auf die Betonung von Partizipation und religiöser Freiheit im Zweiten Vatikanum (1962-1965) folgte der antiautoritäre Schub von 1968. Die Wahl eines polnischen Papstes (1978) hatte den Zusammenbruch des kommunistisch-sowjetischen Systems zur Folge (1989-1991). 1986 ging dem in Assisi ein vom Wojtyła-Papst angeregtes „Gebet der Religionen um den Frieden“ voraus, das nicht nur die akute Gefahr eines Atom-krieges abwenden wollte, sondern auch ein von der damaligen kommunistischen Friedenspropaganda unterstütztes Pseudokonzil für „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ erübrigte. Diesen „Sitz im Leben“ gilt es zu beachten, wenn ein geschichtliches Urteil für ein kirchliches Geschehen versucht und ausge-sprochen wird. Selbst wenn sie es wollte (was nie der Fall war), ist die Kirche Christi im Gang der Geschichte niemals „Ghetto“ – so wie auch das Judentum seine dynamische Präsenz trotz aller Verfolgungen beibehalten hat.

Erste Auswirkungen und Reaktionen

Nach vierzig Jahren – am 8. Dezember 1965 wurde das Konzil von Papst Paul VI. feierlich beendet – hält die „Zunft“ der Theologen und Kirchenbeobachter Rück-schau auf jenes Konzil, für das ein Bischof oder Christ des in religiöser Unfreiheit lebenden ehemaligen Ostblocks, in dem die Kulturrevolution der 68er-Bewegung kaum eine Rolle spielte, auch Jahre nach der „Wende“ eine andere Perspektive haben wird als der durch die Säkularisierung und Profanierung von Exegese1, Liturgie2, Katechese3 und Pastoral4 angefochtene Christ westlicher Nationen.

Für den später zum Papst gewählten Kardinal von Krakau Karol Wojtyła (1920- 2005) war die aktive Teilnahme am Konzil ein Lichtblick hinter den eisernen Vor-hang, religiöse Freiheit ein ersehntes Ziel und kein „trojanisches Pferd“ für Libera-lismus und Relativismus. Ökumene, Liturgiereform und die Enzyklika „Humanae Vitae“ (1968), die in Ländern der „sexuellen Revolution“ auf hellen Protest stieß und im deutschsprachigen Bereich von den Bischöfen mehr oder weniger dem Gewissensurteil der Gläubigen anheimgestellt wurde (Königsteiner Erklärung), waren in seiner katholisch gefestigten polnischen Heimat zur damaligen Zeit keine Anfechtungen – zumal auch die Durchführung der Veränderungen behutsamer geschah. In den Ländern des Westens, angefangen mit dem legendären holländi-schen Pastoralkonzil (1966-1970)5, das unter Kardinal Alfrink einen trotz aller Klerikalität die Lehre der Kirche verwässernden berühmten Katechismus hervor-brachte, kam es aber zu einer tiefen und anhaltenden Identitätskrise des Katholi-schen. Der manchmal an Teilhard de Chardins Visionen erinnernde Optimismus der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ war vielen sehr bald verflogen.

Weniger zünftige Theologie, als vielmehr praktisch-kultursoziologische Einord-nungen und „Paradigmenwechsel“ haben Rezeption und Wahrnehmung des Zwei-ten Vaticanum bestimmt. Für den einfachen Gläubigen hierzulande bleibt es mit der Einführung der Volkssprache, der „Drehung“ der Altäre6 und der Handkom-munion verbunden, obwohl dies so direkt in den Konzilstexten nicht gewollt war. Es folgte in breitem Ausmaß unmittelbar nach dem Konzil aber bereits die Verun-sicherung vieler geistlicher Berufungen und moraltheologischen Maßstäbe. Tau-sende Priester und Ordensleute gaben ihren Stand auf. Es kam in westlichen Län-dern nahezu zu einem Totalausfall des Bußsakramentes und einem massiven Rückgang des regelmäßigen Kirchbesuchs. Im 1968er-Stil entstanden Solidaritäts- und Basisgruppen mit ihren dazugehörigen „Resolutionen“.

Schon bald bildete sich gegen eine liturgische Verwahrlosung und einen theologi-schen Progressismus aber auch (manchmal verbitterter) Widerstand in „Una-Voce-Gruppen“ und einer „Bewegung für Papst und Kirche“. Namhafte kirchliche Pub-lizisten wie Dietrich von Hildebrand7, Hans Urs von Balthasar8 und Henri de Lubac9, dann sogar ein Atheist wie Alfred Lorenzer10, formulierten ihre Einsprüche wider den Zeitgeist der Dekonstruktion des Katholischen in Liturgie, Kirchenbau und Theologie. Der damalige Regensburger Bischof Rudolf Graber11 veröffentlich-te 1973 eine sorgenvolle Schrift zum 1600. Todestag des bereits von Joseph Gör-res in deutschen Landen prophetisch bemühten hl. Athanasisus von Alexandrien.

Nicht ohne Einfluß europäischer politischer Theologien (Johann B. Metz; Jürgen Moltmann; Dorothee Sölle) entwickelte sich parallel aus Lateinamerika die „Theo-logie der Befreiung“, die schließlich in den 1980er Jahren ihre lehramtliche Kritik erfuhr. Aufsehen erregte mit seiner Hinterfragung des Unfehlbarkeitsdogma und seinen Bestsellern der Schweizer Konzilsperitus Hans Küng, dem dann 1979 zu Beginn des Pontifikates Papst Johannes Pauls II. die Tübinger katholische Lehrbe-fugnis entzogen wurde. Seither betreibt er das „Projekt Weltethos“12 und bietet sich als „Sachwalter“ des Konzilsanliegens an.13 Mehr als ein zeitbedingter Zwischen-ruf war 1985 im Vorfeld einer Bischofssynode zum Konzilsthema der brisante „Rapporto sulla fede“14 des damaligen Präfekten für die Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger, dem der Versuch einer „Restauration“ vorkonziliarer Zustände unterstellt wurde.

Geschichte, Rezeption und Fundamentalkritik

Da das Zweite Vatikanische Konzil immer noch ein zeitgeschichtliches Ereignis ist, ist auch seine Rezeption durch die kirchengeschichtliche Forschung noch im Gang und teilweise verfrüht. Eine erste sehr kritische Darstellung des Konzilsver-laufs boten der amerikanische Steyler Missionar Ralph M. Wiltgen15 und in einer Gesamtperspektive der Luganeser Philosoph Romano Amerio.16 Erst 1993 erschien die wegen ihrer sachlich-informativen Art und guten Lesbarkeit anerkannte Dar-stellung seiner Geschichte durch den Hamburger Theologen Otto Hermann Pesch17, dem aber doch die positive Befangenheit des Zeitgenossen anzumerken ist. Seit 1995 erschien in Italien (seit 1997 in Deutschland) die umfängliche „Storia del Concilio Vaticano II“ unter der Herausgeberschaft des Bologneser Kirchenhis-torikers Giuseppe Alberigo.18 Diejenigen, die sich mehr akademisch mit der Re-zeption des Konzils befassen, sehen es als „Anfang des Anfangs“ (so der Konzils-theologe Karl Rahner, der auch die Christologie von Chalcedon mit diesem Bild relativierte), als „Glaube im Horizont globaler Modernisierung“19 oder als „Konzil im Prozeß“20, dessen prozessualer Verlauf wichtiger sei als die textlichen Ender-gebnisse.21 Dabei ist dieser Konzilsprozeß entweder „im Sprung gehemmt“ (so der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl) oder das Konzil blieb gar „unerledigt“ (so die Freiburger Herderkorrespondenz in ihrer jüngsten Jubiläumsausgabe) und durch den „Zentralismus“ Papst Johannes Pauls II. in seiner Realisierung blockiert (so Hans Küng und seine Anhänger). Daher bräuchte es nun mehr Liberalisierungen (Zölibat, Frauenpriestertum, Sexualmoral sind die Standardthemen), die den „Re-formstau“ aufheben, und „Freiräume“ für weitergehende Entwicklungen in die als richtig und „geistgewollt“ angenommene Richtung. Dies vertritt die an das öster-reichische „Kirchenvolksbegehren“ von 199522 anknüpfende Gruppierung „Wir sind Kirche“, die immer noch Raum auf Katholikentagen findet. Dies unterstützen aber auch der bereits erwähnte italienische Historiker Alberigo und sein Team mit ihrer „Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils“, in der manche ein Stan-dardwerk der progressiven und den angeblichen „Geist des Konzils“ achtenden Rezeption sehen. Das Zweite Vatikanum wird hier rückblickend in Nostalgie und Verklärung wie ein heideggerisches „Ereignis“ gesehen, in dem sich ein offener Weltepiskopat gegen die „Dunkelmänner“ der Kurie durchgesetzt habe.23

Inzwischen werden die Konzilseuphoriker immer älter und drohen bei ihren Jubi-läumsveranstaltungen – wie die Neue Zürcher Zeitung angesichts des Alberigo-Projekts schrieb – einer „Veteranen-Sentimentalität anheimzufallen“.24 Wenn es trotz dieser verworrenen Tendenzen einen Theologen gibt, in dessen Werk sich inhaltlich und biographisch eine differenzierte Konzilsrezeption aufzeigen läßt, dann ist es zweifelsohne der damalige Peritus des Kölner Kardinals Frings und heutige Papst Benedikt XVI.25, der in Tübingen auch das 68er-Aufbegehren aus eigener Erfahrung miterlebt hat. Wie kein anderer Theologe hat Joseph Ratzinger (auch als Präfekt der Glaubenskongregation) die konziliaren Zentralbegriffe vom „Volk Gottes“ und der eucharistischen „Communio“ erläutert und gegen Mißdeu-tungen geschützt. Neben der (vom Wiener Kardinal und Konzilssekretär Franz König stets kritisierten) Tendenz, aus dem Zweiten Vatikanum eine Art ideologi-sches „Super-Dogma“ zu machen, kam es nun allerdings seit Ende der 1960er Jahre auch zu einer anwachsenden Bewegung prinzipieller Konzilskritik bis hin zur offenen Ablehnung seiner Beschlüsse.

Seit dem Buch „J’accuse le Concile!“ (Martigny 1976) des französischen Erzbi-schofs und Gründers der „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ (FSSPX) Marcel Le-fèbvre26 hat in Kreisen von „Traditionalisten“ sich dieser Widerstand zunehmend organisiert und vor allem gegen die nachkonziliare Liturgiereform mit dem „Novus Ordo Missae“ von 1969, gegen die Lehre von der Kollegialität der Bischöfe, gegen das Dekret über den Ökumenismus („Unitatis redintegratio“) und die Erklärung über die Religionsfreiheit („Dignitatis humanae“), sowie seit dem Besuch Papst Johannes Paul II. in der römischen Synagoge (14. April 1986) und dem Friedens-gebet der Religionen in Assisi (27. Oktober 1986) gegen den interreligiösen Dialog gerichtet. 1976 wurde Erzbischof Lefebvre von Papst Paul VI. „a divinis“ suspen-diert, womit seine künftigen Priesterweihen unerlaubt waren. 1988 wurden er und die vier von ihm ohne päpstliche Erlaubnis am 30. Juni 1988 in Ecône geweihten Bischöfe per Dekret von Papst Johannes Paul II. exkommuniziert und die Weihe-handlung als ein „schismatischer Akt“ bezeichnet. Es bildete sich mit vatikanischer Unterstützung die „Priesterbruderschaft St. Petrus“, die wie Erzbischof Lefebvre das im Konzil etwas vernachlässigte Bild des katholischen Priesters hochhält und die traditionelle („tridentinische“) Liturgie feiert, aber dabei die volle Gemein-schaft mit Rom bewahren will. Wenn es wieder eine Einigung mit der Priesterbru-derschaft St. Pius X.27 und den ihr nahestehenden Konzilskritikern geben sollte, stellt sich die Frage, wieweit es dieser gestattet sein kann, eine fundamentale Kritik an den Beschlüssen des Zweiten Vaticanum beizubehalten, oder ob es nicht eine Art der „Unterwerfung“ geben muß, bis die ausgesprochenen Exkommunikationen aufgehoben werden können. Unser Vorschlag wäre angesichts der großen Kom-plexität der Frage, den Kritikern stilistisch und rhetorisch Grenzen aufzulegen, nicht aber die volle inhaltliche Akzeptanz von teilweise bereits überholten Konzils-texten28 und ihren nachkonziliaren Umsetzungen aufzuerlegen.

Ausblick

Das Zweite Vaticanum ist heute ein „point of reference“ in der zweitausendjähri-gen Geschichte der Kirche und des Glaubens29, aufgrund seiner besonderen zeitge-schichtlichen Situation als „Pastoralkonzil“ trotz seiner Lehrautorität aber keines-wegs immun gegenüber berechtigter Kritik und entsprechender Relativierung. Man wird es mehr als bisher in die Gesamttradition der Kirche integrieren müssen und damit gegen progressistische Fehlinterpretationen schützen. Religionsfreiheit, Ökumenismus und interreligiöser Dialog bedürfen der rechten Ausgestaltung und Gewichtung innerhalb der Glaubenslehre. Sie sind nicht deren Kern oder Kriteri-um, denn das bleibt das missionarische Evangelium von der Offenbarung des drei-einigen Gottes im zur Erlösung der Menschen gekreuzigten und an Ostern aufer-standenen Christus – und seinem Fortleben im Leib der einen, heiligen, katholi-schen und apostolischen Kirche (wie im Hl. Jahr 2000 von der vielfach angefeinde-ten Erklärung „Dominus Jesus“ präzisiert). Das neue Kompendium des „Katechis-mus der Katholischen Kirche“, das anläßlich des Kölner Weltjugendtages 2005 präsentiert werden konnte, kommt ohne besondere Konzilsbezüge aus und könnte die Grundlage für eine Versöhnung und Wiederannäherung der zerstrittenen Lager bilden.

Die Liturgie bedarf der bereits unter Papst Johannes Paul II. mit der Eucharistie-enzyklika (2003) und der Instruktion „Redemptionis sacramentum“ (2004) einge-leiteten Konsolidierung. Wenn es aber noch nicht zu der von Kardinal Ratzinger seinerzeit vorgeschlagenen „Reform der Reform“ kommen kann, sollte in der Tat der Wunsch erfüllt werden, allen Priestern die Wahl zwischen beiden lateinischen Riten (1962 oder 1969) freizustellen. Das übrig gebliebene Volk Gottes hätte dann („participatio actuosa“!) Gelegenheit, selbst „mit den Füßen abzustimmen“, welche Form der Liturgie größere Anziehung und geistlichere Früchte zu vermitteln in der Lage ist. Die scheinbare „Konkurrenz“ würde beiden anerkannten Formen in der Praxis gut tun und die Würde der Liturgie wieder mehr gewährleisten. In Fragen der Ökumene muß es bei dem grundsätzlich ausgesprochenen Willen der Kirche, der Einheit aller Christen höchste Priorität einzuräumen, bleiben. Das meint aber nicht Konsens um jeden Preis und beinhaltet durchaus eine „Ökumene der Profile“ (Wolfgang Huber), die billige Vereinnahmungen und Pressionen in der Amts- und Eucharistiefrage zurückweist.

Dafür könnte und müßte es aber zu größerer ökumenischer Gemeinsamkeit in sozial- und bioethischen Fragen kommen. In den Fragen von Homosexualität, Scheidung, Abtreibung und Euthanasie sollte eine die Botschaft der Bibel achtende Christenheit auf dem Weg zur Einheit „unter allen Umständen mit einer Zunge sprechen“.30 Das neue Pontifikat Benedikts XVI. scheint von der oft ekklesiozentri-schen Fixierung auf sich selbst und der sich gegenseitig exkommunizierenden Polarisierung der letzten Jahrzehnte loskommen zu wollen, um sein Schwerge-wicht wirklich in der unverkürzten Christusverkündigung zu finden.31 Eine ver-nünftige Pluralität in der Einheit desselben Glaubens und einer geordneten Liturgie könnte der Kirche mit all ihren Charismen, Ständen und geistlichen Bewegungen dann ein bleibend junges und anziehendes Gesicht geben. So wird sich die „allge-meine Berufung zur Heiligkeit“ (Kirchenkonstitution „Lumen gentium“, Kap. V) aller Getauften immer neu inkarnieren und vervollkommnen – sowohl einzeln, als auch in Gemeinschaft.

Anmerkungen

1) Vgl. J. Ratzinger (Hg.), Schriftauslegung im Widerstreit (QD 117), Freiburg i. Br. 1989; K. Berger, Sind die Berichte des Neuen Testamentes wahr? Ein Weg zum Verstehen der Bibel, Gütersloh 2002.

2) Vgl. K. Gamber, Zurück zum gemeinsamen Erbe. Kritische Überlegungen zur Situation von Liturgie und Kirche, St. Ottilien 1999; M. Mosebach. Die Häresie der Formlosigkeit. Die römische Liturgie und ihr Feind, Wien 2002. Eine Korrektur und Besinnung bot das Grundlagenwerk von J. Kard. Ratzinger, Der Geist der Liturgie. Eine Einführung, Freiburg i. Br. 2000.

3) Vgl. R. Dörner (Hg.), „Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nicht gehört haben?“ (Röm 10, 14b). Der Kampf um den Religionsunterricht, Gescher 2005; S. Köhler, Religion ohne Unterricht, Dettelbach 2005. Zum Hintergrund: D. Berger, Natur und Gnade in syste-matischer Theologie und Religionspädagogik von der Mitte des 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Regensburg 1998. Eine Wende brachte der „Weltkatechismus“ von 1992. Vgl. J. Ratzinger, Evangelium – Katechese – Katechismus, München 1995.

4) Vgl. G. Muschalek, Von der Seelsorge zur Kooperativen Pastoral. Über eine Ausweitung der Seelsorge, die zu ihrer Zerstörung werden kann, Eitensheim 2005; Weihbischof em. M. Ziegelbauer, Die „alte“ Kirche ist mir lieber. Ein Plädoyer für die Wiederentdeckung des Katholischen, Buttenwiesen ³2003.

5) Zur Entwicklung in Holland vgl. immer noch die Analyse des Jesuiten J. Bots, Kirche in Holland. Der heutige holländische Katholizismus in geschichtlicher Sicht, Privatdruck ohne Ortsangabe 1978 (Kurzfassung 1979 in der französischen und deutschen Internationalen Katholischen Zeitschrift „Communio“ und im Handbuch der Kirchengeschichte VII,2).

6) Dazu nun die Untersuchung von U. M. Lang, Conversi ad Dominum. Zu Geschichte und Theologie der christlichen Gebetsrichtung. Mit einem Geleitwort von Joseph Cardinal Rat-zinger, Freiburg i. Br. ²2003.

7) D. v. Hildebrand, Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes, Regensburg 1969 (Neuaufla-ge St. Ottilien 1992); Ders., Der verwüstete Weinberg, Regensburg 1973.

8) H. U. v. Balthasar, Cordula oder der Ernstfall, Einsiedeln 1966; Ders., Der antirömische Affekt, Freiburg i. Br. 1974. Vgl. auch die markante Bemerkung in Ders., Spiritus Creator. Skizzen zur Theologie III, Einsiedeln 1967, 76: „Es bleibt die nicht aufzuhebende Tragik des letzten Konzils, daß es ein Unternehmen des Aggiornamento und nicht der Reform war.“

9) H. de Lubac, Krise zum Heil? Spannungen in der Kirche nach dem Konzil, Berlin 1970 (2. überarb. Aufl. mit einer Hinführung von R. Voderholzer, Berlin 2002). Vgl. auch Ders., Zwanzig Jahre danach. Ein Gespräch über Buchstabe und Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils, München 1985.

10) A. Lorenzer, Das Konzil der Buchhalter. Die Zerstörung der Sinnlichkeit. Eine Religi-onskritik, Frankfurt a. M. 1981.

11) Bischof Dr. R. Graber, Athanasius und die Kirche unserer Zeit. Zu seinem 1600. Todes-tag, 15. Aufl. Abensberg 2000.

12) Vgl. R. Spaemann, Weltethos als „Projekt“, in: Ders., Grenzen. Zur ethischen Dimensi-on des Handelns, Stuttgart 2001, 525-538.

13) Vgl. N. Greinacher, H. Küng (Hg.), Katholische Kirche – wohin? Wider den Verrat am Konzil, München 1986; H. Küng, Erkämpfte Freiheit. Erinnerungen, München 2002. Diese „Erinnerungen“ werfen in ihrer Selbstgerechtigkeit ein ähnliches Zwielicht auf die Konzils-beratungen wie der agitatorische Briefwechsel K. Rahners mit H. Vorgrimler (vgl. H. Vor-grimler, Karl Rahner verstehen. Eine Einführung in sein Leben und Denken, Freiburg i. Br 1985, 171-220). Am 24. September 2005 empfing Papst Benedikt XVI. in Castel Gandolfo überraschend den Kirchen- und Papstkritiker zu einem „freundschaftlichen Gespräch“, in dem die theologischen Differenzen jedoch nicht thematisiert wurden.

14) Deutsche Ausgabe: J. Kard. Ratzinger, Zur Lage des Glaubens. Ein Gespräch mit Vitto-rio Messori, München 1985.

15) R. M. Wiltgen, Der Rhein fließt in den Tiber, Feldkirch ²1988.

16) R. Amiero, Iota Unum. Eine Studie über die Veränderungen in der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert, Ruppichteroth 2000 (italienische Ausgabe 1985).

17) O. H. Pesch, Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965). Vorgeschichte – Verlauf – Ergebnisse – Nachgeschichte, Würzburg 1993.

18) G. Alberigo, K. Wittstadt (Hg.), Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1959-1965). 5 Bde., Mainz / Löwen 1997-2004.

19) P. Hünermann (Hg.), Das II. Vatikanum. Christlicher Glaube im Horizont globaler Modernisierung, Paderborn 1998.

20) Vgl. K. Kard. Lehmann, Hermeneutik für einen künftigen Umgang mit dem Konzil, in: G. Wassilowsky (Hg.), Zweites Vatikanum – vergessene Anstöße, gegenwärtige Fortschrei-bungen (QD 207), Freiburg i. Br. 2004, 71-89.

21) Immer noch beherrscht das „Kleine Konzilskompendium“ von Rahner/Vorgrimler mit teilweise affektgeladenen Einleitungen den Buchmarkt. Seit 2004 sind die Dokumente Lateinisch-deutsch im ersten Band des fünfbändigen HThK Vat. II (Herders Theologischer Kommentar zum Zweiten Vatikanischen Konzil, hg. v. P. Hünermann u. B. J. Hilberath) neu ediert. Empfehlenswert ist die Textzusammenstellung von W. Schmid (Hg.), Das ver-schwiegene Konzil. Was das Zweite Vatikanische Konzil wirklich gelehrt hat, Kleinhain 1999.

22) Vgl. A. Laun, Kirche Jesu oder Kirche der Basis? Zum Kirchenvolksbegehren, Köln 1996.

23) Einem ähnlichen zeithistorischen Manichäismus erlag der Philosoph M. Heidegger (1889-1976) mit vielen „Deutschen Christen“ bekanntlich 1933. Abstruse Anti-Konzils-Verschwörungstheorien (wie sie etwa von J. Rothkranz verbreitet werden) sind allerdings genauso abzulehnen.

24) Vgl. den wichtigen, das Alberigo-Projekt hinterfragenden Artikel „Wider die Veteranen-Sentimentalität. Zur Frage der Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils“ des Kölner thomistischen Theologen David Berger, in: Die Neue Ordnung 58 (2004), 108-120.

25) Vgl. T. Weiler, Volk Gottes – Leib Christi. Die Ekklesiologie Joseph Ratzingers und ihr Einfluß auf das Zweite Vatikanische Konzil, Mainz 1997; M. H. Heim, Joseph Ratzinger – Kirchliche Existenz und existentielle Theologie. Ekklesiologische Grundlinien unter dem Anspruch von Lumen gentium. Mit einem Geleitwort von Joseph Kardinal Ratzinger (Bam-berger Theologische Studien Bd. 22), 2. korrigierte und ergänzte Auflage Frankfurt a. M. 2005 (vgl. unsere Rez. in dieser Zeitschrift Nr. 3/2005, 209-211).

26) Vgl zu ihm und seinem Umfeld die Arbeit von A. Schifferle, Marcel Lefebvre – Ärger-nis und Besinnung. Fragen an das Traditionsverständnis der Kirche. Geleitwort Mario von Galli, Kevelaer 1983.

27) Deren Kritik am II. Vatikanum und theologische Position wurde jüngst in zwei harten und einseitigen, aber um eine gewisse Sachlichkeit bemühten Stellungnahmen zusammenge-faßt: Das Problem der Liturgiereform. Die Messe des II. Vaticanums und Pauls VI. Eine theologische und liturgische Studie, Stuttgart 2001; Vom Ökumenismus zur lautlosen A-postasie. 25 Jahre Pontifikat, Stuttgart 2004. Am 29. August 2005 gewährte Papst Benedikt XVI. der Leitung der FSSPX in Castel Gandolfo eine Audienz.

28) Vgl. in Bezug auf die Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“: H. U. v. Balthasar, Theo-dramatik III. Die Handlung, Einsiedeln 1980, 446-449. Schon 1971 meinte der Basler Theo-loge in einem Vortrag an der Münchener Katholischen Akademie: „Die Verworrenheit der nachkonziliaren Lage kommt zu einem großen Teil daher, daß das letzte Konzil die primären Fragen – die ‚Dogmen’ der Trinität und der Christologie, sowie der aus der Christologie innerlich erfließenden Ekklesiologie – meinte auf sich beruhen zu lassen und sogleich mit den abgeleiteten ‚pastoralen’ Fragen einsetzen zu können. So etwas mag in vielen weltlichen Bereichen möglich sein, im christlichen ist es das nicht; denn hier ist der Fluß von der Quel-le unablösbar. Und alles Beta kann nur im Licht des Alpha geklärt werden“ (Ders./ J. Rat-zinger, Zwei Plädoyers, München 1971, 15).

29) Immer noch Orientierung bieten kann L. Scheffczyk, Aspekte der Kirche in der Krise. Um die Entscheidung für das authentische Konzil, Siegburg 1993. Vgl. auch A..G. v. Bran-denstein-Zeppelin, A. v. Stockhausen (Hg.), Die Kirche als Corpus Christi mysticum. Zur Geschichte der Kirche im Hinblick auf Wissenschaft, Staat und Gesellschaft (FS Joseph Kardinal Ratzinger zum 75. Geburtstag), Weilheim-Bierbronnen 2002.

30) So der Heidelberger Exeget Klaus Berger, Unterwerfung tut wohl. Fünf Lehrstunden und ein Traum: Papst Benedikts Ökumene (F.A.Z. vom 13. Juli 2005). Vgl. auch Ders., Widerworte. Wieviel Modernisierung verträgt der Glaube?, Frankfurt a. M. 2005.

31) Benedikt XVI. – J. Ratzinger, Unterwegs zu Jesus Christus, Augsburg ³2005. Vgl. dazu die Arbeit von P. G. Sottopietra, Wissen aus der taufe. Die Aporien der neuzeitlichen Ver-nunft und der christliche weg im Werk von Joseph Ratzinger (Eichstätter Studien NF 51), Regensburg 2003.

Lic. theol. Stefan Hartmann wirkt als Pfarrer und Publizist in Oberhaid.

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