Jahrgang 59
Nr. 6/2005 Dezember
DIE NEUE ORDNUNG

Georg Arnold

Johanna Etienne (1805-1881),

Ordensgründerin

An die Stelle der alten reformbedürftigen Pflegekongregationen traten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts junge weibliche Ordensgemeinschaften, die sich unter strengen Regeln einem Leben der Nachfolge Christi in tätiger Nächs-tenliebe verschrieben hatten. Die Tatsache, daß im Zuge der Frühindustrialisie-rung viele Städte in Massenarmut und Elend versanken, war ausschlaggebend für die Suche nach Lösungen zur Linderung der unübersehbaren sozialen Not. Die Gründerzeit dieser neuen Gemeinschaften fiel in eine Epoche großer wirtschaft-licher, gesellschaftlicher und sozialer Umwälzungen, Entwicklungen und Ereig-nisse.

Die Ordengründerinnen haben ihr Charisma darin gesehen, eine Gemeinschaft zu stiften, die auf die Nöte der jeweiligen Zeit eine angemessene Antwort geben sollte. Diese Antwort kam jeweils aus der persönlichen Beziehung zu Gott. Im Rheinland entstanden die neuen Ordensgemeinschaften aus dem Zusam-menschluß einiger weniger Frauen, die die häusliche Geborgenheit ihrer Familie hinter sich ließen mit der Absicht, Armen und Kranken zu dienen. Die Kongre-gationen sind ausnahmslos aus kleinen Gemeinschaften hervorgegangen, die in notdürftigen Wohnungen lebten. Pflegerische Ausbildung oder Erfahrung be-stand zunächst meistens nicht oder nur im geringen Umfang. Entscheidend für die Schwestern war nur das Vertrauen, den Platz auszufüllen, an den sie sich von Gott berufen fühlten. Die Ordensgründerinnen bewiesen nicht nur Mut, aus dem Nichts zu beginnen, sondern haben ihre Zielsetzung so überzeugend vorgelebt, daß die jungen Kongregationen einen ungewöhnlichen Aufschwung nahmen.1 So nehmen diese Frauenorden eine entscheidende Position ein in der Entwicklung von der staatlichen Armenpflegeaufsicht bis zur Freiheit der kirchlichen Caritas-arbeit.

Die Namen der Ordensgründerinnen sind vielen Katholiken vertraut. Dazu gehö-ren unter anderem Franziska Schervier (1819-1876) aus Aachen, die Gründerin der „Armen Schwestern vom heiligen Franziskus“, Pauline von Malinckrodt (1817-1881), die Gründerin der „Schwestern der christlichen Liebe“, Katharina Kasper (1820-1898) oder die Gründerin der „Dernbacher Schwestern“. Auch Mutter Johanna, geb. Maria Magdalene Etienne, war eine dieser mutigen und tatkräftigen Frauen jener Zeit. Mit einem starken Vertrauen folgte sie ihrer Beru-fung gegen alle Widerstände hindurch.

Zeit der Umbrüche

Am 1. April 1805 wurde Maria Magdalena als eheliche Tochter des Mathias Etienne und seiner Frau Anna Maria geb. Linnarz, in Grimlinghausen, einem Vorort der Stadt Neuss geboren. Getauft wurde sie am 2. April in der Pfarrkirche St. Cyriakus in Grimlinghausen.2

Über Einzelheiten ihrer Kindheit, frühen Jugend und der familiären Bedingungen ist zum heutigen Zeitpunkt noch nichts näheres bekannt. Die Zeit, in die sie hin-eingeboren wurde und in der sie aufwuchs, war aber eine sehr bewegte Zeit und sie wird auf das junge Mädchen gewirkt haben.

Die katholische Kirche befand sich in einer Krise. Die Landesherren folgten dem Prinzip des Absolutismus und hatten ihre Machtansprüche auf die Kirche ausge-dehnt. Der bürgerliche Liberalismus und der wirtschaftliche Materialismus rüt-telten an den Fundamenten des religiösen Lebens. Der Glauben wurde als unver-nünftig und unwissenschaftlich angesehen. Begünstigt wurden solche Anschau-ungen durch die in einem Teil der katholischen Geistlichkeit und Bevölkerung herrschenden wirtschaftlichen, religiösen und moralischen Mißstände.3

Die entscheidenden Veränderungen führte die französische Revolution herbei. Napoleon gliederte das linke Rheinufer an Frankreich an, der sogenannte Reichsdeputationshauptschluß von 1802/03 setzte die Enteignung kirchlichen Territoriums durch, und es wurde die Aufhebung nahezu sämtlicher Klöster und Stifte im linksrheinischen Gebiet verfügt. Als nach der Niederlage Napoleons das Rheinland an den preußischen Staat angegliedert wurde, verbesserte sich die Situation der katholischen Kirche.4 Allerdings schränkte auch der preußische Staat die Befugnisse ein, und diese Politik wurde von vielen Katholiken als Be-einträchtigung der persönlichen und religiösen Freiheit empfunden.5

Weg in die Gemeinschaft

In dieser Zeit eines moralischen wie auch wirtschaftspolitischen Niedergangs trat Maria Magdalena Etienne am 27. Februar 1822 mit 16 Jahren dem Elisabeth-Kloster der Düsseldorfer Cellitinnen bei und empfing als Schwester Johanna am 27. Februar 1827 das Ordenskleid.6

Die Cellitinnen in Düsseldorf waren wegen ihrer Pflegetätigkeit der Säkularisati-on entgangen. Sie waren aus dem Beginentum entstanden. Im 15. Jahrhundert hatten viele Gemeinschaften die Ordensregel des heiligen Augustinus und das Cellitinnen-Statut angenommen. Mit Gottvertrauen und Idealismus trat Johanna Etienne dieser Gemeinschaft bei. Sie wollte mit Hilfe des heiligen Geistes das verwirklichen, was die Regel des Ordensvaters sagt, um ihre Seele mehr und mehr mit Gott zu verbinden und in der Liebe zu ihm die Leidenden zu pflegen. Bewußt entschied sie sich damit gegen die Strömung ihrer Zeit.

Während die beiden staatlichen Krankenhäuser in Düsseldorf unzureichende Pflege boten, war das den Cellitinnen anvertraute Haus das einzig wirklich funk-tionsfähige und von der Bevölkerung angenommene Krankenhaus. Anteil daran hatte auch Schwester Johanna. Sie prägte durch ihren Einsatz und ihre Begabun-gen die Entwicklung des Konventes schon bald entscheidend mit. Nachdem sie am 20. Februar 1830 das ewige Gelübde abgelegt hatte, wurde sie von ihrer Oberin Adelheid Loosen mit organisatorischen Aufgaben betraut, bis die Stadt Neuss die Düsseldorfer Augustinerinnen um Hilfe bat.

In Neuss waren die Orden aufgehoben worden. Nur einige Alexianerbrüder durf-ten in der Stadt bleiben. Das städtische Hospital hatte 60 Plätze, und durch die Industrialisierung und das Bevölkerungswachstum war man den Aufgaben nicht mehr gewachsen. Die Stadt Neuss wollte daher ihre Krankenpflege einer klöster-lichen Leitung unterstellen.7 Als man die Cellitinnen in Düsseldorf bat, zwei Schwestern zu entsenden, traten am 27. Januar 1844 Schwester Johanna Etienne und Schwester Franziska Gilgens mit vier Aspirantinnen ihren Dienst in der Leitung des Hauswesens und der Krankenpflege an.

Da die Arbeit der Schwestern sich rasch als äußerst fruchtbar erwies, bat die Hospizverwaltung das Düsseldorfer Elisabeth-Kloster um die Überlassung der beiden Schwestern für die Neugründung einer klösterlichen Gemeinschaft. Trotz eigenen Schwesternmangels entschied das Mutterhaus, dem Antrag stattzugeben, verlangte jedoch von den Schwestern einen förmlichen Verzicht auf jeden Rechtsanspruch.

Am 29. Januar 1846 ging Schwester Johanna auf alle Bedingungen ein, die ihr hinsichtlich der Neugründung einer Gemeinschaft gestellt wurden. Sie wurde Gründerin der „Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern nach der Regel des heiligen Augustinus“. Sie löste hiermit die Bindung an ihr Mutterhaus. Dies war ein mutiger Schritt, denn es standen schwierige Verhandlungen mit den preußischen Behörden bevor. Um ein Mutterhaus schaffen zu können, brauchte man einen sogenannten Anstellungsvertrag und ein Statut. Die preußische Büro-kratie wollte die Grundsätze des Staatskirchentums angewandt wissen, Schwes-ter Johanna erstrebte ein möglichst hohes Maß an Eigenständigkeit, und es war unklar, wie diese Verhandlungen ausgehen würden. Diese Unsicherheiten hin-derte Johannas Mitschwester daran, den Verzicht zu leisten. Sie kehrte nach Düsseldorf zurück.

Erneuerung und Entwicklung

Der Katholizismus erfuhr in jener Zeit eine Erneuerung, die u. a. vom Kölner Erzbischof Clemens August Droste zu Vischering eingeleitet wurde.8 In Deutsch-land konnte man eine rasche Entwicklung von Andachtsformen beobachten. Auch die Revolution von 1848 wirkte sich positiv aus. Die in der Frankfurter Paulskirche beschlossenen Grundrechte sicherten jedem Deutschen Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie das Recht auf öffentliche Religionsausübung zu.9

Die neuen Freiheiten halfen auch der jungen Gemeinschaft in Neuss. Mutter Johanna hatte eine Novizin aufgenommen. Auch einige Aspirantinnen arbeiteten im Kloster, und am 9. Mai 1848 durften, mit Zustimmung des Oberpräsidenten, die ersten Postulantinnen eingekleidet werden. Erfolgreich erwies sich Mutter Johanna bei den Verhandlungen mit den Behörden und dem Erzbischof von Geißel.10 Sie versuchte, zwischen den Parteien zu vermitteln und verlor nie ihr Ziel aus den Augen. 1852 erhielt die Genossenschaft schließlich die staatliche Anerkennung.

Den aufreibenden Verhandlungen enthoben, versuchte Mutter Johanna, sich nunmehr verstärkt dem inneren Ausbau der Gemeinschaft widmen. Sie wollte das gemeinschaftliche Leben pflegen und den kleinen Kreis durch neue Mitglie-der erweitern. Hinsichtlich der Kandidaten mußte sie eine Auswahl treffen, und manche Kandidatinnen wurden abgewiesen, weil sie ungeeignet waren. Sie legte besonderen Wert auf das Gelübde der Armut und trug Sorge dafür, daß Arbeit und Gebet täglich als eine Einheit eingeübt wurden. Sie achtete auch darauf, daß die Schwestern nicht als billige Arbeitskräfte angesehen wurden. Außergewöhn-lich war die Selbstverständlichkeit, mit der regelmäßige Exerzitien durchgeführt wurden. Auch die fachliche Ausbildung war ihr sehr wichtig. Ihre Anregungen und Neuerungen waren notwendig, denn bei vielen anderen Gemeinschaften konnte man eine „geistige Verödung“ und fachliche Unzulänglichkeit beobach-ten, die schließlich, wie bei ihrem einstmaligen Mutterhaus in Düsseldorfer, zum Untergang führten.

Als schwerwiegenden Mangel in der Pflege hatte Mutter Johanna das Fehlen von Fachabteilungen erkannt. Durch einen Förderer konnten neue Grundstücke erworben werden. Eine Kapelle wurde eingerichtet, die schließlich, zusammen mit der Anstalt, dem heiligen Joseph geweiht wurde. Mutter Johanna gründete eine Pflegeanstalt für Geistes- und Gemütskranke weiblichen Geschlechts und errichtete eine Filiale in der Nachbarstadt Viersen. Von staatlicher Seite wurde die gute Führung der Einrichtungen einstimmig gelobt.

Kämpfe

Im Jahre 1866 kam es zum Krieg zwischen Österreich und Preußen. Der Sieg Preußens veränderte nicht nur die territoriale und politische Ordnung, er verän-derte auch das konfessionelle Klima. Die Katholiken waren mehrheitlich gegen einen Krieg, während die preußischen Liberalen die preußische Vorherrschaft wollten. Während des Krieges kam es in einigen Fällen zu handfesten Auseinan-dersetzungen zwischen Katholiken und Anhängern einer kleindeutsch-preußischen Lösung.11

Wenn auch viele Katholiken die neue Lage nicht begrüßten, waren sowohl die katholischen preußischen Laien wie auch die katholische Geistlichkeit den An-ordnungen des preußischen Königs gefolgt. Auch Mutter Johanna sandte sechs Schwestern für die Pflege der Verwundeten und Kranken an die Front nach Böh-men.

Nach dem Krieg wurden zwei Schwestern in Berlin von der preußischen Königin Augusta in einer Sonderaudienz empfangen, und König Wilhelm I. verlieh den Schwestern eine Urkunde und ein Erinnerungskreuz für ihre Arbeit in den Laza-retten. Die Königin war von der Arbeit der Schwestern beeindruckt und förderte sie, in Neuss sollten sie das alte Militärlazarett übernehmen. Aus diesem ersten Treffen zwischen Augusta und den Schwestern entwickelte sich eine persönliche Beziehung, und da Mutter Johanna sich durch die Gründung des Hospitals in Viersen in Geldnot gebracht hatte, wandte sie sich an die Königin. Augusta er-öffnete persönlich die Spendenliste. König Wilhelm I., Prinzen und Prinzessin-nen, Fürsten und Diplomaten folgten dem Beispiel der Königin. 1867 reiste Au-gusta nach Neuss und ließ sich gemeinsam mit Erzbischof Melchers durch die Krankensäle führen, sichtlich beeindruckt von der gut geführten Einrichtung.

Mutter Johanna stand auf der Höhe ihres Schaffens. Nach außen war ein ansehn-licher Wirkungskreis gewachsen, und das geistliche Leben war geordnet. Die Gemeinschaft zählte 54 Mitglieder. Auf dem Höhepunkt ihres Schaffens verzich-tete sie schließlich auf ihr Amt als Oberin. Das Testament hatte sie bereits 1862 gemacht und das Klostervermögen so einem staatlichen Zugriff entzogen. Die Genossenschaft konnte ihren Klosterbesitz allein und selbständig verwalten.

Als 1870/71 Bismarck mit dem deutsch-französischen Krieg die Gründung des Deutschen Reiches vollendete, sandte die Gemeinschaft wieder Schwestern an die Front. Aber das politische und gesellschaftliche Klima im neuen Deutschen Reich verschlechterte sich. Mit fast krankhaftem Mißtrauen glaubte Bismarck, daß die katholische Kirche und die Katholiken die Zerstörung Preußens betrei-ben wollten. In den folgenden Jahren regierte er mit den Nationalliberalen, die den Katholizismus als Aberglauben ansahen. Es war der Arzt und Abgeordnete der Fortschrittspartei Rudolf Virchow, der den Kampf gegen die katholische Kirche als Kulturkampf bezeichnete. Schritt für Schritt wurde der Einfluß der Kirchen zurückgedrängt, und das Klima in Deutschland wurde durch diese Aus-einandersetzung vergiftet. Bischöfe und Priester wurden verhaftet, Klöster wur-den geschlossen und enteignet.

Auch in Neuss merkte man die Auswirkungen dieses Kampfes. Die Ablegung der Gelübde war nun von der staatlichen Erlaubnis abhängig, ein Wechsel der Schwestern zwischen Mutterhaus und Niederlassung wurde verboten. Es durften keine Aspirantinnen mehr aufgenommen werden. Als 1873 die Patres der Laza-risten ausgewiesen wurden und die Stadt Neuss im alten Klostergemäuer ein Invalidenheim einrichtete, baten die Honoratioren der Stadt Mutter Johanna, dort als Oberin zu wirken. Die Klosterchronik schweigt über die Ereignisse während des Kulturkampfes wohl aus berechtigter Vorsicht. Es ist wahrscheinlich, daß Kaiserin Augusta den Schwestern half. Augusta galt als Förderin der katholi-schen Kirche, und Bismarck selbst klagte darüber, daß die protestantische Kaiserin seine Politik gegenüber der katholischen Kirche untergrabe.

Abschied, Gegenwart, Ausblick

Als sich Ende der 70er Jahren die Auseinandersetzung zwischen Staat und Kir-che etwas entspannte, war Mutter Johanna fast 75 Jahre alt. 1880 feierte sie ihr goldenes Ordensjubiläum. Die Bürger dankten ihr durch Spenden und ein großes Fest. Dies war auch ein sichtbares Zeichen nach außen, daß, trotz des Kultur-kampfes, der Glaube ungebrochen war. Als am 28. März 1881 ihr Leben endete, begleitete ein unübersehbarer Trauerzug den Leichnam der Stifterin. Für die Stadt Neuss war sie eine Wegbereiterin der karitativen und sozialen Dienste, besonders in der Kranken- und Altenpflege.

Mutter Johanna bewies den Mut, aus dem Nichts zu beginnen. Sie hatte durch ihre Arbeit und ihr Gottvertrauen die Gemeinschaft auf solide Füße gestellt. In der Blütezeit des Ordens standen rund 900 Schwestern in über 60 karitativen Einrichtungen den Schwachen und Beladenen bei. Ihre freie Liebestätigkeit wurde so aus bescheidenen Anfängen zu eine der Grundlagen des Krankenhaus-wesens im heutigen Sinne und zu jenen karitativen Einrichtungen, die heute längst zum Gesamtbild sozialer Leistung zählen. Wie groß die Achtung vor Jo-hanna Etienne in Neuss und Umgebung ist, wurde anläßlich der Feier zu ihrem 200. Geburtstag am 1. April 2005 noch einmal deutlich.12 Fast 300 Gäste fanden sich im Kloster der Neusser Augustinerinnen ein. Eröffnet wurde der Abend durch ein Pontifikalamt mit Joachim Kardinal Meisner. In seiner Predigt würdig-te Kardinal Meisner das Wirken der Ordensgründerin. An Menschen wie Mutter Johanna gelte es sich zu orientieren, gerade in einer Zeit, in der es vielen Men-schen an Orientierung fehle.

Im Jahre 2004 gründeten die Neusser Augustinerinnen die Stiftung „Cor Unum - Bewahrung des Erbes“, die dem Geiste Augustinus unverbrüchlich verbunden ist und das Erbe weiterträgt. Die Stiftung war notwendig geworden, da viele Schwe-stern mittlerweile zu alt für die beschwerliche Arbeit in den Einrichtungen ge-worden waren. Dem Autor, der kein Theologe, sondern Historiker ist, sei an dieser Stelle ein kurzer Ausblick erlaubt. In einer Zeit der Individualisierung sehen viele Menschen besorgt in die Zukunft. Menschen im Glauben und Men-schen, die sich der Nächstenliebe verpflichtet fühlen, scheinen seltener zu wer-den. Vergleicht man dies aber mit der Zeit der jungen Johanna, so scheint auch eine solche Phase notwendig zu sein, um wieder eine Erneuerung hervorzubrin-gen. Eine Erneuerung, wie sie Mutter Johanna vorgelebt hat, und die Mut ma-chen sollte.

Anmerkungen

1) Vgl. Irmgard Wolf, Schwester Emilie Schneider. Ihr Leben – ihr Wirken – ihre Düssel-dorfer Zeit. Aktualisierter Neudruck der Veröffentlichung von Irmgard Wolf, Caritas und Mystik. Schwester Emilie Schneider F.C., Oberin in Düsseldorf. Annalen des Histori-schen Vereins für den Niederrhein, Bd. 196, 103-157, S, 11.

2) Vgl. Tauf- und Sterbebücher des Pfarrarchivs St. Cyriakus in Grimmlinghausen/Neuss. Die Familie Etienne muß ca. 8 Personen umfaßt haben. Näheres läßt sich aus den Pfarrak-ten nicht ersehen, da die Familie wahrscheinlich schon mit Kindern aus Düsseldorf zuge-zogen war. Der Name Etienne findet sich von diesem Zeitpunkt aus häufig in den Unter-lagen des Archivs.

3) Vgl. Markus Hänsel-Hohenhausen, Clemens August Freiherr Droste zu Vischering, Erzbischof von Köln, 1779-1845. Die moderne Kirchenfreiheit in Konflikt mit dem Nati-onalstaat, 2. Bde., Egelsbach bei Frankfurt a.M. 1991, Bd. 2, S. 858.

4) Vgl. Erwin Gatz, Kirche und Krankenpflege im 19. Jahrhundert. Katholische Bewe-gung und karitativer Aufbruch in den preussischen Provinzen Rheinland und Westfalen, München/Paderborn/Wien 1971, S. 29ff.

5) Vgl. Heinz Hürten, Kurze Geschichte des deutschen Katholizismus 1800-1960, Mainz 1986, S. 62.

6) Für die überwiegenden Teile der persönlichen Aussagen Johanna Eitiennes wurde die Klosterchronik der Neusser Augustinerinnen aus dem Mutterhaus genutzt, die an dieser Stelle nicht mehr gesondert aufgeführt wird.

7) Vgl. Karl Kreiner, Geschichte der Neusser Augustinerinnen. Festschrift zur Hundert-jahrfeier des St. Josef Krankenhauses in Neuss, Neuss 1958, S. 7.

8) Hürten, a. a. O., S. 74.

9) Vgl. Andreas Holzem, Kirchenreform und Sektenstiftung. Deutschkatholiken, Reform-katholiken und Ultramontane am Oberrhein 1844-1866 (Veröffentlichungen der Kommis-sion für Zeitgeschichte, Reihe B: Forschungen, Bd. 65), Paderborn/München/Wien/Zürich 1994, S. 13f. Vgl. auch Jürgen Herres, Städtische Gesellschaft und katholische Vereine im Rheinland 1840-1945, Essen 1996, S. 199ff. Vgl. auch Karl-Egon Lönne, Politischer Katholizismus im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt a.M. 1986, S. 106.

10) Briefe Mutter Johannas an den Erzbischof finden sich im historischen Archiv des Erzbistums Köln unter der Signatur Akten Neuss Allgemein.

11) Vgl. Die Katholikenhetze in Preußen während des deutschen Krieges, 1866; in: Der Kulturkampf, hrsg. und erl. von Rudolf Lill unter Mitarb. von Wolfgang Altgeld und Alexia K. Haus (Beiträge zur Katholizismusforschung, Reihe A, Quellentexte zur Ge-schichte des Katholizismus, Bd. 10), Paderborn/München/Wien/Zürich 1997, S. 39ff.

12) Eine ausführlichere Biografie, die anläßlich der Feier gedruckt wurde, kann gegen eine geringe Schutzgebühr in Neuss bezogen werden. Johanna Etienne – Ordensgründerin – Frau an der Seite der Armen, 56 Seiten. Kontakt: Kloster Immaculata, Augustinusstr. 46, 41464 Neuss, Tel: 02131 / 91 68 – 0, Mail: mutterhaus@neusser-augustinerinnen.de.

Mag. phil. Georg Arnold, Historiker, arbeitet in Mönchengladbach im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und promoviert über ein Thema des politischen Katholizis-mus im 19. Jhd.

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