Jahrgang 59
Nr. 3/2005 Juni
DIE NEUE ORDNUNG

Karl-Heinz Gorges

Georg Ratzinger (1844-99) als Sozialreformer

Mit der Wahl von Joseph Cardinal Ratzinger zum Papst Benedikt XVI. hat das wissenschaftliche Hauptwerk seines Großonkels Georg Ratzinger (geb. am 3.4.1844, gestorben am 3.12.1899) eine besondere Aktualität erhalten. Dieses Werk widmet sich - wie kein anderes Werk eines Priesters, Publizisten und Poli-tikers seiner Zeit im 19. Jahrhundert - einer Kapitalismuskritik, die gleicherma-ßen auch eine Sozialismuskritik ist und sein will, und dies explizit in Auseinan-dersetzung mit dem Hauptwerk von Karl Marx (1818-1883) „Das Kapital“.1

Die Aktualität erfährt eine zusätzliche Gewichtung, da gleichzeitig im Heimat-land des neuen Papstes sozialdemokratische Politiker eine erneute Debatte zur ‘Kapitalismus-Kritik’ vom Zaun gebrochen haben und hochspielen. Ein Tag nach der Amtseinführung von Papst Benedikt XVI. sieht Nikolaus Piper in sei-nem Artikel in der Süddeutschen Zeitung über „Hundert Jahre deutsche Kritik am Kapitalismus“ zu Recht „das Beunruhigende an der gegenwärtigen Kapita-lismus-Kritik“ darin, daß sie sich heute erneut „der alten, antiliberalen Stereoty-pen bedient“.2

In der Tat „beweist das, wie wenig die Deutschen wissen, was Liberalismus ist“. Hierzulande – so Rainer Hank in der FAZ - werden „alle in polemischer Absicht als ‘Neoliberale’ geächtet ..., die für eine behutsame Befreiung des Sozialstaates aus seiner Erstarrung plädieren“.3 Die seit Adam Smith und David Hume bewußt gewordene Kreativität des Liberalismus hat es bis heute schwer, sich in Deutsch-land durchzusetzen. Grund dafür ist das Vertrauen zum Staat und das Mißtrauen gegenüber der menschlichen Freiheit. Der Tenor in den Pressestimmen heute läßt den Schluß zu, daß wir in Deutschland dem Sozialismus, einem sich stillschwei-gend planwirtschaftlich programmierenden Staats-Sozialismus näher sind als einer ‘freien’ und nur dann auch ‘sozialen’ Marktwirtschaft.

Papst Johannes Paul II. anerkennt das System der ‘Marktwirtschaft’, wenn er in der Enzyklika Centesimus Annus betont: „Sowohl auf nationaler Ebene der ein-zelnen Nationen wie auch auf jener der internationalen Beziehungen scheint der freie Markt das wirksamste Instrument für die Anlage der Ressourcen und für die beste Befriedigung der Bedürfnisse zu sein.“4 Dies gilt dann auch für den ‘Kapi-talismus’, wie Johannes Paul II. formuliert: „Wird mit ‘Kapitalismus’ ein Wirt-schaftssystem bezeichnet, das die grundlegende und positive Rolle des Unter-nehmens, des Marktes, des Privateigentums und der daraus folgenden Verant-wortung für die Produktionsmittel, der freien Kreativität des Menschen im Be-reich der Wirtschaft anerkennt, ist die Antwort positiv. Vielleicht wäre es pas-sender, von ‘Unternehmenswirtschaft’ oder ‘Marktwirtschaft’ oder einfach ‘frei-er Wirtschaft’ zu sprechen.“ Die wirtschaftliche Freiheit eines so verstandenen Kapitalismus muß nach Ansicht des Papstes „in eine feste Rechtsordnung einge-bunden“ sein, „die sie in den Dienst der vollen menschlichen Freiheit stellt“, einer Freiheitsdimension „mit ihrem ethischen und religiösen Mittelpunkt“5 In der Tat benötigt eine freie Marktwirtschaft, die erst durch einen funktionierenden Wettbewerb ermöglicht wird, den Raum und den Rahmen einer festen Rechts-ordnung zu ihrer Wirkmächtigkeit für soziale Gerechtigkeit und Gemeinwohl.

Eine der ersten kritisch differenzierenden Bewertungen von Kapitalismus und Sozialismus – aus christlicher Sicht - präsentierte Georg Ratzinger in seinem Hauptwerk „Die Volkswirtschaft in ihren sittlichen Grundlagen“ von 1881/ 2. Aufl. 1895. Für diese Analyse grundlegend ist die funktionale Bedeutung des Privateigentums für den Menschen und die Entfaltung seiner Persönlichkeit. Ratzinger stellt fest: „Von der Persönlichkeit ist der Begriff des Eigentums un-zertrennlich“6 In Abwehr der Argumentation speziell der französischen Sozialis-ten, die sich seit Lamennais „gerne auf die Kirchenväter berufen um ihre Angrif-fe auf das Eigentum mit Väterstellen zu schmücken“ entgegnet er: „Allein die Väter haben nicht das Eigentum als solches angegriffen, sondern nur den schlechten Gebrauch desselben“.7 „Die christliche Lehre vom Eigentum“ besagt nach Georg Ratzinger, daß „das Recht des Individuums und die Pflicht der Soli-darität gar keine Gegensätze bilden, sondern daß die Einseitigkeiten und Über-treibungen des Liberalismus und Communismus sie dazu gestempelt haben“. Und Augustinus8 zitierend kommt er zu dem Schluß: „Die individuelle Freiheit und die solidarische Gebundenheit finden in der Gottes- und Nächstenliebe, welche das Grundgesetz der harmonischen Entwicklung der Gesellschaft ist, ihre Einheit.“9 „Das Recht“, so Georg Ratzinger in seiner Wirtschaftsethik, „grenzt den Pflichtenkreis gegen den Nächsten, gegen die Gesellschaft ab, ertheilt aber auch dem Einzelnen einen Umfang von Befugnissen, in welche niemand verlet-zend hineingreifen darf.“10

Wahrheit und Freiheit

Das Bekenntnis des neuen Papstes zu ‘Wahrheit und Freiheit’, ausgesprochen bei seiner Amtseinführung,11 könnte auch als die bewegende Kraft im Leben von Georg Ratzinger bezeichnet werden: in den 55 Jahren seines kurzen Lebens als Priester und Wissenschaftler, als Publizist und Journalist, als Politiker und Sozi-alreformer. Wie später sein Großneffe, der sich als Bischof das Motto „Mitarbei-ter der Wahrheit“ gewählt hatte, berief sich Georg Ratzinger in seiner theologi-schen Argumentation gern auf die Kirchenväter, besonders auf Augustinus und Ambrosius. Die historische Schule der Nationalökonomie seiner Zeit ließ kaum eine Ahnung von den Kirchenvätern erkennen; dabei seien diese für ihre Zeit die Schrittmacher in eine „neue soziale und wirtschaftliche Zukunft“ gewesen.12 Der systematische Rückgriff auf die Kirchenväter empfahl sich auch zur Abwehr falscher Interpretationen von seiten der französischen Sozialisten im 19. Jahr-hundert.13

Wie Augustinus zu den großen Vorbildern von Benedikt XVI. zählt, so gilt dies auch generell für seinen Großonkel, der die Kirchenväter auch in der politisch-parlamentarischen Auseinandersetzung im Bayerischen Landtag für seine Argu-mentation mit Vorliebe zitiert hat. Gewiß wird auch Thomas von Aquin gerne für Begriffsdefinitionen, wie etwa hinsichtlich der Gerechtigkeit14, von Georg Rat-zinger herangezogen, wenngleich er ansonsten Ambrosius als dem Moralisten unter den lateinischen Vätern gerne den Vorzug gibt. Nach dem Porträt über Joseph Cardinal Ratzinger in der Zeitschrift Focus15 gehört Thomas von Aquin „überraschenderweise nicht zu Ratzingers Favoriten“: auch hier eine kaum über-raschende Parallele zu Georg Ratzinger.

Mit der Namensgebung ‘Georg’ für den älteren, heute in Regensburg lebenden Bruder des Papstes, durch die Eltern Maria und Joseph Ratzinger kann eine besondere und bewußte Würdigung ihres früh verstorbenen Onkels, eine der herausragenden Politiker- und Priester-Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts in Bayern, gesehen werden. Darum soll zunächst versucht werden, die Lebensleis-tung jenes Vorfahren zu umschreiben, um dann bestimmte signifikante Grund-sätze aus seiner Wirtschaftsethik herauszustellen, die damals Ausgangspunkt seines Handelns in Politik und Gesellschaft waren – und die auch heute noch von großer Bedeutung sind.

Leben und Werk Georg Ratzingers

Als Sohn einfacher Bauersleute wurde Georg Ratzinger im niederbayerischen Rickering (Diözese Passau) bei Deggendorf am 3. April 1844 geboren, besuchte das Gymnasium in Passau, studierte von 1863 bis 1867 an der Universität Mün-chen katholische Theologie und wurde am 9. September 1867 zum Priester ge-weiht.16 Bereits im August 1868 promovierte er an der Universität in München zum Dr. theol. auf Grund einer von ihm gelösten Preisfrage über die „Geschichte der kirchlichen Armenpflege“, eine Dissertation, die noch im selben Jahr veröf-fentlicht wurde und zu seinen wichtigen Schriften zählen sollte. Das behandelte Grundproblem seiner Dissertation, die Überwindung der Armut, findet in seinem Hauptwerk „Die Volkswirtschaft in ihren sittlichen Grundlagen“ in einem Kapi-tel über „Armut und Reichtum“ eine ethisch wie volkswirtschaftlich weiterfüh-rende Analyse.

Georg Ratzinger wurde für kurze Zeit Assistent bei seinem Lehrer Ignaz von Döllinger in der Zeit unmittelbar vor dessen folgenschweren Stellungnahmen gegen die Beschlüsse des I.Vatikanischen Konzils. Ratzinger freundete sich aber nicht mit den Reformideen Döllingers an, denn künftig sollten ihn „dogmatische, überhaupt kirchlich religiöse Streitfragen blutwenig beschäftigen“.17

Seelsorgerisch wirkte er 1869 als Kooperator in Berchtesgaden, 1872-1874 als Kaplan in Landshut, 1883 als Hofkaplan des Herzogs Karl Theodor in Bayern zu Tegernsee und 1884-1888 als Pfarrer in Günzelhofen bei Naunhofen. Eine politi-sche Laufbahn öffnete sich für den jungen Geistlichen mit 31 Jahren durch seine Wahl zum Mitglied der Abgeordnetenkammer des Bayerischen Landtages von1875 bis 1878 für den Wahlkreis Bad Tölz und erneut ab 1893 und Wieder-wahl 1899 für den Wahlkreis Regen, sowie als Mitglied des Reichstags in Berlin von 1877bis 1878 für Rosenheim und 1898 bis 1899 für seinen Heimatwahlkreis Deggendorf.18

Kennzeichnend ist für Georg Ratzinger, daß seine Tätigkeit in der praktischen Seelsorge an Bedeutung weit hinter seinem Engagement als Publizist und Politi-ker zurückblieb. Wiederholt wechselte er zwischen priesterlicher und publizisti-scher Tätigkeit, wobei er ab 1888, also vierundvierzigjährig, „frei resigniert“ und fortan zunächst in Wien, um sich wirtschaftwissenschaftlich weiterzubilden, und später zumeist in München sich der freien Schriftstellerei speziell auf volkswirt-schaftlichem Gebiet widmete.

Zwischenzeitlich entfaltete er eine umfangreiche journalistische Tätigkeit, bereits 1870-1871 als Redakteur des „Fränkischen Volksblatts“ in Würzburg, 1874-1876 als Redakteur des „Volksfreunds“ in München. 26 Jahre lang, mit zeitwei-liger Unterbrechung, war er Münchener bzw. bayerischer Berichterstatter der Bonner klerikal-großdeutschen „Reichszeitung“. Obwohl er an Dr. Sigls „Baye-risches Vaterland“ eifrig mitarbeitete, schrieb er gleichzeitig auch in führenden Zentrumsblättern wie etwa in der „Germania“, Berlin, der „Donauzeitung“, Pas-sau, und der „Augsburger Postzeitung“.19

Sein Schaffen als Publizist und Buchautor ist von besonderem Interesse. Bereits seit 1869 zählte er zu den ständigen Mitarbeitern der Görres’schen „Historisch-politischen-Blätter“20, der führenden katholischen Zeitschrift seiner Zeit. Seine Beiträge widmen sich dort historischen, sozialpolitischen und rein volkswirt-schaftlichen Fragestellungen, thematisch analog gleichfalls seine dort recht zahl-reichen Buchbesprechungen. Mit seiner Dissertation21 ist Ratzinger als Buchau-tor frühzeitig hervorgetreten. In seiner Publikation über „Die Erhaltung des Bau-ernstandes“ (1885)22 erweist er sich als Experte in Agrarfragen,23 wissenschaft-lich wie pragmatisch, auch global betrachtet. Zeitlebens setzte er sich vehement für die Interessen der Landwirtschaft bzw. der Bauern ein; verständlicherweise als Sohn eines Bauern, dies auch als Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Weitere Schriften u.a.: „Die Bierbrauerei in Bayern“ (1885) und die „Forschun-gen zur bayerischen Geschichte“ (1898)24.

Politisches Engagement

Als Anhänger und Vorkämpfer der Patriotenpartei, d.h. des Bayerischen Zent-rums wurde Ratzinger 1875 ursprünglich in den Landtag gewählt. Er erkannte frühzeitig, daß das Zentrum nur als katholische Volkspartei ‘in Bayern’ existie-ren konnte. Infolge dessen nahm seine partikularistische Neigung zu. Bereits 1877 erklärte er seinen Austritt aus dem Zentrum. Anfänglich trat Ratzinger für eine aus dem Zentrum hervorzugehende eigenständige „Bayerische katholische Volkspartei“ ein.

Mit Blick auf die Reichstags- und Landtagswahlen 1893 kam es schließlich in Frontstellung gegen das Zentrum zur Gründung des „Niederbayerischen Bauern-bundes“, dem er nicht direkt als Gründungsmitglied angehört, aber dann auch förmlich beitrat, nachdem er mit großer Mehrheit als deren Kandidat ein Land-tagsmandat erringen konnte. Die neue Satzung des Bauernbundes von 1895 ver-pflichtete die Mandatsträger im Landtag in §3, „jederzeit und in allen Fragen im Einverständnis mit dem Bundesausschuß und Bundesvorstand“ zu handeln. Der schriftliche Hinweis seitens der Vorsitzenden des Bayerischen Bauernbundes auf Einhaltung des §3 der Satzung gegenüber Ratzinger als Mandatsträger hatte dessen schnellen Austritt aus der Partei zur Folge, seine Gewissensentscheidung hatte Vorrang, darum könne er sich einer derartigen Diktatur nicht fügen.25 Den-noch blieb Ratzinger, von der ersten Landtagsfraktion des „Bayerischen Bauern-bundes“ zum Wortführer im Landtag gewählt, deren Fraktionsvorsitzender und Mitglied des Finanz-Ausschusses und später auch des Justiz-Ausschusses.26 Sein politischer Standort blieb zwischen Zentrum und Bund, und dennoch war er „der tüchtigste vom Bauernbund gewählte Abgeordnete für die parlamentarische Arbeit des Bundes unentbehrlich“.27 Nach seinem frühen Tod fiel in der Nach-wahl das Mandat an die Zentrumspartei.

Sein umfangreiches parlamentarisches Programm stimmte nicht immer mit dem des Bundes überein. Ohne auf Einzelheiten eingehen zu können, ist festzuhalten, was auch für seine Kapitalismus-Kritik nicht unwesentlich ist, daß er im Be-wußtsein der wirklichen Notlage der Landwirtschaft durch ein starkes Protektio-nismus-Denken motiviert wurde. Nur als Kind und Theologiestudent hatte er jene Periode des Freihandels in Deutschland erlebt, in der auch die deutsche Landwirtschaft einen glänzenden Aufschwung verzeichnete, obwohl sich gerade in dieser Zeit für Deutschland der Wechsel von einem Agrar- zu einem Industrie-staat vollzog.

Als politisch Agierender begann er in einer Zeit, in der gerade die Spekulations-konjunktur in die tiefe und harte Depression, in die Gründerkrise von l873 um-schlug, als 1876 der liberale Freihändler Delbrück, der bis dahin über Jahrzehnte hinweg die preußische und später die gesamtdeutsche Handelspolitik bestimmte, zurücktrat, und als Bismarck 1879 zum Schutze der deutschen Wirtschaft vor der Weltkonkurrenz sich zur Anwendung des Instrumentes einer Schutzzollpolitik durchrang. Es war die Zeit des Übergangs von einer freihändlerischen Politik, vom Liberalismus hin zum Protektionismus. Ratzinger selbst war wie sein Freund aus dem Bauernbund Freiherr von Thünen ein frühzeitiger Vertreter der Zollidee.28

Dennoch war Ratzinger gegen eine einseitige Schutzzollpolitik, er trat vielmehr ein für eine internationale Regelung im Gesamtinteresse der Menschheit. Für ihn hatte der Schutzzoll primär sozialen Charakter.29 Seine Vorbehalte gegenüber einem Liberalismus, wie er ihn verstand, verdeutlichen seine Ausführungen von 1881, wenn er jene falsche Freiheit anprangert, die z.B. den Boden zur „freien Ware“ erklärt und damit zu einem Spekulationsobjekt werden ließ. Gegenüber einer von ihm statistisch nachgewiesenen, weiter wachsenden, übergroßen Ver-schuldung des Grundbesitzes in Frankreich, Österreich und Bayern könne der Staat nicht in Gleichgültigkeit verharren.30

Wie sehr sich Georg Ratzinger seiner persönlichen Überzeugung und damit seinem Gewissen verpflichtet fühlte, zeigt demnach sein politisch sehr wand-lungsfähiges Auftreten; so konnte er sich durchaus einmal mit ultra-reaktionären, ein andermal mit sozialistischen Vorschlägen befreunden.31 Bezeichnend ist sein sehr wechselvolles Verhältnis zu politischen Parteien, denn er war ein Mann, der sich nicht in den engen Bahnen einer Partei zwingen ließ.32 War er als Publizist wie als Politiker mehr ein Einzelgänger, so wird seine „außerordentlich starke Persönlichkeit mit einem ebenso starken Unabhängigkeitsdrang“ hervorgehoben. Seine politische Agitationsfähigkeit und Eloquenz mußte beeindruckend gewe-sen sein. Sein früher Tod war die Folge einer acht Jahre andauernden schweren Krankheit.

Auf dem Katholikentag 1876 in München

Der 32jährige Kleriker und bayerischer Landtagsabgeordneter war Hauptredner zum Thema „Die soziale Frage“ auf dem Katholikentag in München von 187633, wohl der erste Katholikentagsredner nach 1871, der sich systematisch mit der sozialen Frage befaßte.34 Mehr als jedes andere Zeitproblem habe die soziale Frage die öffentliche Meinung bereits über 15 Jahre beschäftigt, dennoch seien die gegenwärtigen sozialen Verhältnisse erschreckend und die zukünftigen Lö-sungen nicht minder traurig.. In scharfer Polemik wandte der junge Ratzinger sich gegen den Staat und den „Mammonismus“ des Großkapitals, attackierte heftig die freie Konkurrenz und den Liberalismus, alles Themen, die ihn nicht losließen und die er später in seiner Analyse zu den sittlichen Grundlagen in der Volkswirtschaft differenziert analysieren sollte. Konkret und programmatisch waren seine Anträge „die soziale allgemeine und Arbeiterlage betreffend“, die heftig in der Vollversammlung diskutiert, aber mehrfach in die Sozialausschüsse zurückverwiesen, dann aber schließlich von den Delegierten angenommen wur-den.

Die auf Ratzinger zurückgehenden Grundsatzresolutionen setzten Verhaltens-maßstäbe für Arbeiter, Arbeitgeber, Klerus und Staat. Die arbeitende Klasse forderte man auf, den Weg der Selbsthilfe mittels einträchtigen Zusammenge-hens mit Berufsgenossen zu beschreiten. Die Arbeitgeber warnte man vor aus-beuterischem Eigennutz und ermahnte sie, nach Gerechtigkeit und Billigkeit, durch echtes Wohlwollen und tatkräftige Hilfe der arbeitenden Klasse beizuste-hen. Für den Klerus wurde die Pflicht herausgestellt, die soziale Frage zu studie-ren, jedwede Hilfe der arbeitenden Klasse zu gewähren und auf die Eintracht unter den verschiedenen Gesellschaftsklassen hinzuwirken. Vom Staat forderten die von der Versammlung bestätigten Anträge Ratzingers35 flankierende Maß-nahmen, die auf eine Verbesserung der Arbeiterverhältnisse abzielen, sei es durch Aufhebung neuerer sozialschädlicher Gesetze, oder sei es durch Maßnah-men wie etwa Gewährung von gesetzlichem Rechtsschutz, staatlicher Finanzhil-fe, um die Not der Arbeiterschaft zu lindern, wie es Aufgabe der christlichen Nächstenliebe sei. Die staatliche Gewalt müsse die gesellschaftlichen Verhältnis-se so gestalten, daß Selbsthilfe als die eigentliche Aufgabe in der Gesellschaft Erfolg haben könne. Was Ratzinger verlangte war, „durch Sozialreform den gesetzlich abgesicherten Raum für subsidiäres Wirken aus solidarischem Geist zu schaffen“36. Es zeigt sich, daß Ratzinger aus seiner christlichen Verantwor-tung heraus schon frühzeitig die außerordentliche Bedeutung der sozialen Frage bzw. Arbeiterfrage nicht nur erkannte, sondern auch Lösungsvorschläge unter-breitete, die mehrheitsfähig waren.

Mitarbeiter der „Haider Thesen“ von 1883

Georg Ratzinger war gefragt und mit integriert in den Kreis der Vordenker in der katholisch-sozialen Bewegung in Deutschland, die eine Sozialreform als not-wendig erkannten und die zu einer offensiven Sozialpolitik überleiteten, in die der praktischen Politik wie auch in die der sozialen und schließlich volkswirt-schaftlichen Theoriefindung. Diese „dialektische Bewegung des katholisch sozi-alen Denkens von der Sozialreform zur Sozialpolitik“ vollzog sich in den achtzi-ger Jahren des 19. Jh.,37 vorangebracht durch die ‘freie Vereinigung katholischer Sozialpolitiker’38 und deren ‘sozialpolitischen Komitees’, deren Mitglied auch Ratzinger war.

Als ein sehr wichtiges Ergebnis der Arbeiten des sozialpolitischen Komitees von 1882 sind die sozialpolitischen „Haider Thesen“, genannt nach dem Tagungsort Schloß Haid des Fürsten Karl zu Löwenstein, über die Handwerker-, Arbeiter- und Agrarfrage39 zu werten. Diese Thesen formuliert im Jahrzehnt vor dem Er-scheinen der ersten Sozialenzyklika durch Papst Leo XXIII. erhielten so ihre aktuelle Gewichtung, auch und zugleich weil es ähnliche katholische sozialre-formerische Bewegungen in den verschiedenen europäischen Sprachregionen gab. So in der Schweiz unter Führung von Kardinal Mermillod, in Frankreich von Graf de Mun40, in Italien von Graf Franz Kuefstein und im Zusammengehen der deutschen mit den österreichischen Sozialreformern von Karl von Vogelsang, Wien. Die „Union de Fribourg“ in der Schweiz, die „ins internationale getragene Fortsetzung“ der genannten nationalen Studienrunden unter Leitung von Kardi-nal Mermillod und dem Ehrenpräsidenten Löwenstein, „bereiteten materiell, teils auch ideell“ den Weg zur Abfassung der Enzyklika Leos XIII. ‘Rerum Nova-rum’.41 Diese hier nur angedeutete Vorgeschichte zu ‘Rerum Novarum’ zeigt, wie sehr diese Enzyklika in ihrer theoretischen Formulierung und in ihren für die soziale Praxis Orientierung gebenden Handlungsvorgaben letztlich auch das Ergebnis einer europaweit bestehenden sozialen Bewegung und sozialen Praxis war, die der Theorie, nun im Rahmen einer Enzyklika als für verbindlich erklärt, vorausging.

Georg Ratzinger war also mit eingebunden in diesen historischen Prozeß. Sein Hauptwerk „Die Volkswirtschaft in ihren sittlichen Grundlagen“ erschien in erster Auflage bereit 1881, also zehn Jahre vor Rerum Novarum, er konnte also viel mit einbringen, und die zweite Auflage von 1895 zeigt, wie sehr er selbster-kannte Theoriedefizite anging und neue Erkenntnisse aufnahm, um der christli-chen Wahrheit und Orientierung den Weg zu weisen.

Wesentliche Grundaussagen im Hauptwerk

Ratzingers Werk ist ein wichtiger Beitrag zur Überwindung des Theoriedefizits im Sozialkatholizismus des l9. Jahrhunderts. Ähnlich äußert sich Grupp in einer zeitnahen Buchbesprechung 1896 nach Erscheinen der 2. Auflage, wenn er fest-stellt, daß die Katholiken in der praktischen Sozialpolitik „ohne Zweifel allen Parteien und Konfessionen voran sind“, daß aber „die theoretisch-wissenschaftliche Behandlung der Volkswirtschaft und der sozialen Frage“ nicht gleichen Schritt gehalten habe42 Er weist darauf hin, daß etwa auch Ketteler, Jörg, Vogelsang, Hertling und Hitze die soziale Frage wissenschaftlich angingen und die Verbindung von Theorie und Praxis erkannt hätten, dennoch gäbe es aber im katholischen Bereich nur dieses eine Lehrbuch für Volkswirtschaft; wenn es auch nicht als Lehrbuch im strengen Sinne zu werten sei. Zitiert wird Ratzingers ‘Volkswirtschaft’ später besonders zur Eigentumstheorie, zum Zins-nehmen, zu den Grundlagen einer Sozialpolitik vom katholischen Standpunkt aus, so in der Moralphilosophie von Cathrein wie auch sehr oft im „Lehrbuch der Nationalökonomie“ von Heinrich Pesch.43

Der Vorteil des Werkes von Ratzinger, vielleicht auch das Neue, liegt darin, daß er sich nicht primär mit der wissenschaftlichen Literatur aus dem Katholischen Bereich seiner Zeit auseinandersetzt. Zwar listet er diese im Anhang auf und zitiert öfters Hertling, Weiß und Périn. Aber Ratzinger wagt in seiner volkswirt-schaftlichen Begründung eine kritische Auseinandersetzung mit den Wirtschafts-theoretikern seiner Zeit: mit der historischen Schule der Nationalökonomie, mit dem Finanzwissenschaftler Adolph Wagner, dem Agrarwissenschaftler Rodber-tus, mit der Wiener Grenznutzen-Schule Karl Mengers, mit Gustav Schmoller von der sog. Jüngeren Historischen Schule der Nationalökonomie,44 mit den Klassikern der Volkswirtschaft wie Smith, Ricardo und J. St. Mill, mit Neoklas-sikern wie Böhm-Bawerk, Pigou und Wieser sowie den Sozialisten bzw. Kom-munisten Karl Marx und Lassalle, Autoren, die er zitiert und kritisch untersucht.

Ratzinger macht sich die Kritik K. Mengers45 an der neueren historischen Schule (G.Schmollers) zu eigen, für die „der Blick für das Große und Ganze verloren“ gehe; sie „häuft Spezialstudien und verliert sich in Detailmalereien“. Auch die ältere historische Schule wird von Ratzinger kritisiert, weil sie „einfach das be-reits fertige englisch-französische System in die Geschichte hineintrug“, und er fordert eine „umfassendere Kenntnis der geschichtlichen Entwicklung“. Denn für Ratzinger gilt: „Der Historiker muß das Große und Ganze überblicken“, Zusam-menhänge erklären, den Gründen für den Wandel und das Beständige darstellen. Darüber hinaus sollte der Historiker „die geistigen Ursachen und die wirkenden sittlichen Kräfte schildern und deren Einfluß auf die materielle Gestaltung klar-legen“. Maßgebend für Ratzinger, für seine „ historisch-genetische Vorgehens-weise“ ist, „das Werden, die allmähliche Veränderung und Ausgestaltung einzel-ner Institutionen zu verfolgen und jede Zeit in ihrem geistigen, sittlichen und wirtschaftlichen Leben verstehen zu lernen“. Mit der seinem Denken naheste-henden historischen Schule teilt Ratzinger die Kritik an der „klassischen Natio-nalökonomie“ seiner Zeit; deren Vertreter und die ihr folgenden Politiker mach-ten den Fehler, daß sie den „Zusammenhang der wirtschaftlichen Entwicklung mit den religiös-sittlichen Grundlagen des Volkslebens“ außer Betracht ließen.

Was die inhaltliche Systematisierung betrifft, weisen die sieben Kapitelüber-schriften in ihrer problemorientierten Formulierung auf eine Gesamtbehandlung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Erscheinungen hin, wobei zugleich das Ziel der Abhandlung ersichtlich ist, nämlich die Volkswirtschafts- und Gesell-schaftslehre in ihrem sittlichen Kontext zur Darstellung zu bringen. Das erste Kapitel mit dem Titel „Wirtschaft und Sittlichkeit“, neu in der 2. Auflage, klärt vorweg jene Grundprinzipien, insofern sie für die weitere Beurteilung der volkswirtschaftlichen, gesellschaftspolitischen und sozialethischen Aussagen von Gewicht sind und arbeiten neue wissenschaftliche Erkenntnisse, speziell die wirtschaftswissenschaftlicher Autoren, mit ein.

Die restlichen sechs Kapitel sind auf speziellere Fragestellungen orientiert. So werden in dem zweiten Kapitel unter dem Titel „Armut und Reichtum“ bestimm-te Zielfunktionen der Wirtschaftspolitik angesprochen, wie z.B. allgemeiner Wohlstand, soziale Gerechtigkeit, Ausgleich zwischen arm und reich. Die Kapi-tel drei und vier, „Eigentum und Kommunismus“ und „Arbeit und Kapital“ bil-den insofern eine Einheit, als sie von den drei Produktionsfaktoren Natur, Arbeit und Kapital handeln. Im dritten Kapitel wird eingehend zur Frage des Privatei-gentums an Grund und Boden Stellung bezogen. Der liberalen und sozialisti-schen Theorie wird eine differenzierende christliche Auffassung gegenüberge-stellt. Neben der malthusianischen Populationstheorie wird eingehend die klassi-sche Theorie vom Wert und vom Arbeitsertrag behandelt. Das vierte Kapitel schildert zunächst die verschiedenen historischen Formen von Arbeitsverhältnis-sen, ausgehend von der Antike über das Mittelalter bis hin zum neunzehnten Jahrhundert. Dabei wird eine Wertung der Arbeit aus christlicher Sicht gegeben. Eingehend wird das Verhältnis zwischen dem Arbeiter und dem Kapitalisten analysiert. Einerseits steht die Frage im Mittelpunkt, wie die Arbeit vor Ausbeu-tung zu schützen sei, andererseits wird die kapitalistische Produktionsweise, wie insbesondere das Profitstreben des Kapitalisten, kritisch erörtert. Das „eherne Lohngesetz“ und das System der freien Konkurrenz erfahren vor dem Hinter-grund der tatsächlichen Verhältnisse in Wirtschaft und Gesellschaft, also im Zeichen des ‘Industrialismus’, eine eigenständige kritische Interpretation. Mit dem Ziel, die Mängel des kapitalistischen Systems zu überwinden, wird insbe-sondere über die Genossenschaftsidee gehandelt.

Das fünfte Kapitel „Wucher und Zins“ könnte man auch moderner mit ‘Geld und Kredit’ überschreiben, insofern als hier ein volkswirtschaftliches Instrument der Ordnungspolitik behandelt wird. Dennoch werden Zins, Darlehen und Kredit nicht wertneutral als Mechanismen einer Geld- und Kapitalwirtschaft gesehen, sondern kritisch in ihrer Beziehung zu einem „christlichen Erwerbssystem“. Beginnend mit Ausführungen über den Begriff des Wuchers wird in diesem Kapitel in breiter Darstellung entwicklungsgeschichtlich zur Berechtigung des Zinsnehmens Stellung genommen. Ferner wird u.a. eingegangen auf die Mehr-wertproblematik analog zu Karl Marx und die Frage einer gerechten Verteilung des Arbeitsgewinnes, wie auch auf die Problematik von Spekulationsgeschäften und Konjunkturkrisen.

Die beiden letzten Kapitel sechs und sieben „Theorie und Praxis“ und „Cultur und Civilisation“, die zusammen an Umfang weit über ein Drittel des Buches ausmachen, behandeln eine sehr umfangreiche Palette von Problemstellungen. Es seien hier nur einige Themen, zum Teil in vorausgehenden Kapiteln schon angesprochen, wegen ihrer Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit aufgezählt. So wird im sechsten Kapitel eingegangen auf das Verhältnis von politischer Öko-nomie und christlicher Lehre, Stellung bezogen zum Sozialismus und Kommu-nismus und zur liberalen Wirtschaftstheorie. Die Agrarfrage steht über weite Passagen des Kapitels im Mittelpunkt der Erörterung. Ferner wird gehandelt über die Währungsfrage und Mittelstandspolitik, über die Reform der Aktiengesell-schaft, über den Militarismus, über die Börsenproblematik aktuell und generell, über die Handwerker- und Bildungsfrage, über die Frage, ob eine Staatswirt-schaft vorzuziehen sei, über die Ausgestaltung des Unternehmungswesens, des Versicherungswesens bis hin zu Fragen einer christlichen Sozialpolitik. Quasi in einem Exkurs wird speziell die Armenpflege und die Frauenfrage am Ende des Kapitels behandelt. Das siebte Kapitel soll entsprechend der Absicht des Verfas-sers „die volle, umfassende christliche Weltanschauung und einheitliche Lebens-auffassung“ dem Leser bieten. Hier geht es um die Frage: Was ist Fortschritt, was sind Naturgesetze, was Sittengesetze, was die Ursachen der Irreligiosität? Eingehend wird die Auseinandersetzung mit dem Darwinismus und der malthu-sianischen Bevölkerungstheorie geführt. Schließlich werden Aussagen gemacht zur Individualität des Menschen und zur Solidarität des Menschengeschlechts, zum Klassenkampf, zur Humanität und zur christlichen Nächstenliebe.

Schlußbemerkung

Diese große Palette von Themen umschreibt nicht nur die Inhalte einer Wirt-schaftsethik im heutigen Sinne, sondern mündet ein in eine Gesellschaftslehre aus christlicher Sicht. Auf der Suche nach Wahrheit und Erkenntnis hat Ratzin-ger gegenüber der 1. Auflage erkennen müssen, daß eine christliche Gesell-schaftslehre zu ihrem besseren Verständnis der Offenlegung wirtschaftstheoreti-scher Zusammenhänge und Axiome bedarf, um menschliches Handeln in die richtige Richtung, die dem Menschen als Christen gerecht wird, zu lenken. Des-halb formuliert er eingangs in der 2. Auflage ein neues Kapitel über „Wirtschaft und Sittlichkeit“, um deren innere Kohärenz besser orten zu können. Gewiß ist die Argumentation Ratzingers in seiner Volkswirtschaftslehre oft sehr zeitge-bunden und die ‘historisch-genetische’ Methode nicht immer die geeignete, aber seine Antworten sind, volkswirtschaftlich und sozialethisch kontrovers formu-liert, richtungweisend, nicht bloß interessant; sie fordern heraus, den eigenen Standpunkt zu überdenken. Insofern hat eine derartige Retrospektive an Aktuali-tät nichts eingebüßt, und dies erst recht in der gegenwärtigen, oft polemisch und populistisch vorgetragen Kritik am Kapitalismus.

Abschließend sei im Anklang an Georg Ratzingers Wirtschaftsethik eine bemer-kenswerte Äußerung seines Großneffen Joseph Cardinal Ratzinger zitiert, der in einem Vortrag zum Thema „Marktwirtschaft und Ethik“ bei einem Symposium im Vatikan 1985 ausführte: „Eine Moral, die ... die Sachkenntnis der Wirt-schaftsgesetze überspringen zu können meint, ist nicht Moral, sondern Moralis-mus, also das Gegenteil von Moral. Eine Sachlichkeit, die ohne das Ethos auszu-kommen meint, ist Verkennung der Wirklichkeit des Menschen und damit Un-sachlichkeit. Wir brauchen heute ein Höchstmaß an wirtschaftlichem Sachvers-tand, aber auch ein Höchstmaß an Ethos, damit der wirtschaftliche Sachverstand in den Dienst der richtigen Ziele tritt und seine Erkenntnis politisch vollziehbar und sozial tragbar wird.“46

Anmerkungen

1) Anzumerken ist, daß der Verf. bereits eine wissenschaftliche Analyse zum Thema „Christliche Kritik am ‚Kapitalismus’ nach Georg Ratzingers Hauptwerk ‚Die Volkswirt-schaft in ihren sittlichen Grundlagen’“ erarbeitet hat. Sie liegt als Diplomarbeit im Fach-bereich Theologie der Universität München vor (Referent: Prof. Dr. Joachim Giers, Ordi-narius für Christliche Soziallehre und Religionssoziologie). Eine Dissertationsarbeit zum Thema „Christliche Kritik an Kapitalismus und Sozialismus im Hauptwerk Georg Ratzin-gers“ ist in fortgeschrittener Bearbeitung.

2) vgl. Nikolaus Piper: Unter Heuschrecken. Hundert Jahre deutsche Kritik am Kapitalis-mus. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 94/15, 25.04. 2005.

3) Rainer Hank: Märkte lernen besser als Staaten. In: Frankfurter Allgemeinen Zeitung Nr. 8/13, 10.01.2004.

4) Centesimus Annus (CA) Nr.34.1.

5) CA Nr. 42.2.

6) G. Ratzinger: Die Volkswirtschaft in ihren sittlichen Grundlagen, Freiburg 21895, 94.

7) ebd. 91, indem er die Kirchenväter Salvian, Ambrosius und Chrysostomus zitiert, verweist Ratzinger darauf, man müsse sich „in die wirtschaftliche Lage denken, in wel-cher die Kirchenväter wirkten“.

8) ebd. 80, Augustinus Zitat in der Anmerkung: Enarratio in Ps. 98 (Migne IV,1261): Quia lege quadam civitas continetur, lex ipsa eorum caritas est.

9) ebd. 80.

10) ebd. 5 f.

11) Papst Benedikt XVI in: L’Osservatore Romano (dt.) vom 29.04.2005, Nr.17,3.

12) vgl. Georg Ratzinger a.a.O., Vorrede X.

13) vgl. ebd. 89, 92.

14) vgl. ebd. 8.

15) vgl. Peter Seewald: Weise, weiser geht’s nicht. Der Journalist Peter Seewald berichtet für Focus, wie die Begegnung mit Kardinal Ratzinger sein Leben veränderte, in Focus Nr.17,32-34, 33 (April 2005).

16)vgl. Schematismus der Geistlichkeit des Erzbistums München und Freising, 1872.

17) vgl. Ludwig Fränkel: Georg Ratzinger, in: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog, Hrsg. Anton Bettleheim, Berlin 1900, IV (1899) 246 f.

18) vgl. ebd. 246; vgl. Karl Bosl, Hrsg.: Bosls Bayerische Biographie, 1000 Persönlich-keiten aus 15 Jahrhunderten, Regensburg 1988.

19) vgl. Fränkel, a.a.O. 247.

20) vgl. etwa Georg Ratzinger: Zur älteren Kirchengeschichte Bayerns. In: Historisch-politische Blätter (HPBl) für das katholische Deutschland, Hrsg. Edmund Jörg und Franz Binder, 109. Band, München 1892, 565-675.

21) Georg Ratzinger: Geschichte der kirchlichen Armenpflege, Freiburg 1869, 2. umgear-beitete Auflage 1884.

22) Georg Ratzinger: Die Erhaltung des Bauernstandes. Ein Reformprogramm des Hoch-seligen Grafen Ludwig von Arco-Zinneberg, Freiburg 1885.

23) vgl. Rudolf Greß: Ratzinger. In: StL (5) IV (l93l) 554.

24) vgl. Fränkel, a. a. O. 247, Sammlung seiner historischen und geschichtlich-ökonomischen Untersuchungen von Albertus Bohemus, Kleriker und Geschichtsschrei-ber, Passau, zusammengestellt.

25) vgl. A. Hundhammer: Geschichte des Bayerischen Bauernbundes, München 1924, 33, 43-46.

26) vgl. Archiv BayL. Repertorium 1893-1894, I. Session des XXXII Landtags München 1895, Bd. 33, Ratzinger, 367-370.

27) vgl. Hundhammer a.a.O. 63, 88.

28) vgl. ebd. 3

29) vgl. G. Ratzinger: Volkswirtschaft, a. a. O. 387.

30) vgl. ebd. 328 ff.

31) vgl. Fränkel a. a. O. 247.

32) vgl. Greß a. a. O. 552.

33) vgl. Verhandlungen der XXIV. katholischen. Generalversammlung Deutschlands zu München l876, 306-3l9.

34) vgl. Baldur H. A. Hermans: Das Problem der Sozialpolitik und Sozialreform auf den Deutschen Katholikentagen von 1848 bis 1891. Ein Beitrag zur Geschichte der katho-lisch-sozialen Bewegung, Bonn 1972, 392 f.

35) vgl. Ephrem Filthaut: Deutsche Katholikentage 1848-1958 und Soziale Frage, Essen l960, 67 ff.

36) vgl. Hermans a. a. O. 392.

37) vgl. August M Knoll: Der soziale Gedanke im modernen Katholizismus, I. Bd. Von der Romantik bis Rerum novarum, Wien-Leipzig 1932, 76; vgl. Karl-Heinz Gorges: Der christlich geführte Industriebetrieb im 19. Jahrhundert und das Modell Villeroy & Boch, Stuttgart 1989, 17.

38) vgl. Knoll a. a. O. 112: die ‘freie Vereinigung’ war „geistig vorbereitet von P. Albert Maria Weiß O.P., grundsätzlich getragen von Karl von Vogelsang, und präsidiert und organisiert von Karl Fürst zu Löwenstein“; Löwenstein war auch mit der Bildung des ‘sozialpolitischem Komitees’, beauftragt, gemäß Beschluß der Generalversammlung der deutschen Katholiken von 1882 in Frankfurt.

39) vgl. Hermans a. a. o. 493.

40) vgl. Gorges a. a. O. 218.

41) vgl. Knoll a. a. O. 114 f.; besonders Helmut Sorgenfrei: Die geistesgeschichtlichen Hintergründe der Sozialenzyklika „Rerum novarum“, Heidelberg, Löwen 1970.

42) vgl. G. Grupp: Theorie der Volkswirtschaft. In: HPBl München 117 (l896) 87l.

43) Victor Cathrein zitiert Ratzingers Werk mehrfach in seiner zweibändigen „Moralphi-losophie“ (Freiburg 1899); noch zahlreicher sind die Zitate bei Heinrich Pesch in seinem fünfbändigen „Lehrbuch der Nationalökonomie“ (Freiburg 1904).

44) vgl. Wolfgang Zorn: Staatliche Wirtschaft- und Sozialpolitik u. öffentliche Finanzen, 1800-1970, in: Handbuch der Deutschen Wirtschafts- und Sozialgeschichte (HdbdtWSG), Stuttgart 1976, 2,154.

45) vgl. Georg Ratzinger: Volkswirtschaft, a. a. O. IX.

46) Joseph Kardinal Ratzinger: Einführungsvortrag zum Symposion „Kirche und Wirt-schaft in Verantwortung für die Zukunft der Weltwirtschaft“, Vatikanstadt/Rom, 21.-24. Nov. 1985.

Dr. Karl-Heinz Gorges, diplomierter Volkswirt und Theologe, arbeitet in Trier.

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