Jahrgang 58
Nr. 3/2004 Juni
DIE NEUE ORDNUNG

Ansgar Lange

Eugen Kogon als christlicher Publizist

Am 2. Februar 2003 wäre Eugen Kogon einhundert Jahre alt geworden. Ohne Zweifel gehört Kogon zu den bedeutendsten christlichen Publizisten des 20. Jahr-hunderts. Zu Lebzeiten, insbesondere während der 40er bis weit in die 70er Jahre, war er eine öffentliche Figur, die sich über mangelnde Bekanntheit nicht beklagen konnte. Heute ist das anders. Selbst Studenten der Politikwissenschaft kennen diesen „Gründungsvater“ der Politischen Wissenschaft in der Bundesrepublik – wenn überhaupt – nur noch als Autor des Standardwerkes „Der SS-Staat“.

Vielleicht ist unserer Zeit ganz einfach der Maßstab dafür abhanden gekommen, was einen bedeutenden Publizisten wie Kogon von den vielen medial aufgeblase-nen „Superstars“ unserer Tage unterscheidet, um die der Großteil einer offensicht-lich um den gesunden Menschenverstand gebrachten Öffentlichkeit den Tanz um das Goldene Kalb veranstaltet. Kogon hatte viele Funktionen: Er war ein umtriebi-ger wie von der Sorge um die Humanität umgetriebener Mahner und Warner in Funk und Fernsehen, er galt nach dem Zweiten Weltkrieg als einer der wichtigsten Protagonisten der europäischen Bewegung, er schuf gemeinsam mit Walter Dirks eine erstklassige Zeitschrift für „Kultur und Politik“ (die „Frankfurter Hefte“), die in der frühen Bundesrepublik Maßstäbe setzte, und er lehrte als engagierter Profes-sor an der Technischen Hochschule in Darmstadt Politische Wissenschaften. Bei der Vielzahl dieser Ämter und Funktionen, bei all seinen menschlichen Schwächen und politischen Irrtümern, auch angesichts der manchmal zu Tage getretenen Atemlosigkeit seines Engagements blieb Eugen Kogon vor allem eines: Von früher Kindheit bis ins hohe Alter war er ein glaubenstreuer und engagierter Christ. Man könnte Kogon als Publizisten, als Professor, als Europafunktionär oder auch als Parteimitbegründer in Hessen porträtieren: Dieser Aufsatz beschränkt sich darauf, das unzweifelbare christliche Engagement Kogons in den Vordergrund zu stellen. Eine Grundsympathie des Verfassers für diese fast ausgestorbene Spezies des christlichen Publizisten ist gegeben. Das heißt nicht, daß Kogons Leben wie eine Heiligenlegende zu erzählen sei. Die Aufgabe des Biographen, auch wenn es sich nur um eine biographische Skizze handelt, kann aber nicht das Moralisieren sein. In diesem Aufsatz geht es darum, vor allem auf Grundlage des vierten Bandes der Gesammelten Schriften Eugen Kogons, die gleichsam sein christliches Vermächt-nis enthalten, zu beschreiben und zu erklären, was ihn im Innersten angetrieben hat.1

I. Kindheit und Jugend

Wenige Jahre vor seinem Tod hat sich Eugen Kogon an die Anfänge der „Frank-furter Hefte“ folgendermaßen erinnert: „Die alten kirchlichen Ordnungsgefüge mit ihren Anordnungs- und Gehorsamsverhältnissen alsbald wiederherzustellen, darauf war das offizielle Bemühen gerichtet. Eine aufschlußreiche Anekdote dazu: Walter Dirks, Clemens Münster und ich hatten die Monatsschrift für Kultur und Politik ‚Frankfurter Hefte’ gegründet, die außerordentlichen Einfluß gewann. Ein Reform-‚Brief über die Kirche’, von Ida Görres geschrieben, wurde nachweislich von gut einer Million Katholiken gelesen. Wir wurden vom Ordinariat in Limburg gebeten, uns doch zu einer Besprechung einzufinden. ‚Die Herren wollen gewiß Zensu-reinfluß auf uns nehmen’, sagte ich zu den Mitherausgebern. Wir sind gemeinsam nach Limburg gefahren, und prompt wurde, in liebenswürdiger Form, vom Gene-ralvikar das Ansinnen an uns gestellt. Man könne und solle doch, zur Vermeidung heikler Situationen, regelmäßigen Kontakt halten .... ‚Meine Herren’, erwiderte Clemens Münster, ‚bedenken Sie bitte, wir sind so etwas wie seinerzeit die Frei-beuter Ihrer Majestät der Königin Elisabeth von England: allein auf hoher See, ohne Möglichkeit, uns da Weisungen einzuholen. Wir kommen aber gelegentlich in die Häfen, um dort zu löschen, dann fahren wir wieder hinaus und sind selbst für den Kurs, der zu nehmen ist, verantwortlich.’ Dabei ist es dann geblieben.“ (GS 4, S. 254)

„Freibeuter“ im oben geschilderten Sinn sind die Herausgeber Walter Dirks und Eugen Kogon – Clemens Münster sollte das „Schiff“ schon bald verlassen – zwi-schen 1946 und 1984 geblieben, das heißt sie steuerten mit ihren „Frankfurter Heften“ immer einen unabhängigen Kurs.2 Dies war nicht unbedingt selbstver-ständlich, da Eugen Kogon streng katholisch erzogen worden ist. So hat er sich im späteren Leben von mancher verengten Sichtweise der ersten Jahre getrennt. Un-verkennbar ist aber das christliche Erbe der ersten 20 Lebensjahre, das ihn bis zum Tode am Heiligen Abend 1987 prägen sollte. Von dieser Kindheit und Jugend, also von der eigentlichen Sozialisation Eugen Kogons, soll eingangs berichtet werden.

Eugen Michael Kogon, am 2. Februar 1903 in München geboren, wuchs in klein-bürgerlichen Verhältnissen auf. Seine eigentliche Prägung erhielt er aber nicht im Elternhaus – Kogon war ursprünglich jüdischer Herkunft und war in eine Pflege-familie aufgenommen worden –, sondern in katholischen Internaten. Mit elfeinhalb Jahren kam er ins niederbayerische Benediktinerinternat Schweiklberg nahe Vils-hofen. In der Rückschau hat Kogon seine Zeit in Schweiklberg in eher düsteren Farben gezeichnet: „In diesem Internat wurde ich mit anderen zusammen erzogen, sehr streng, mit ganz harten Bedingungen, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen – wie in Kadettenanstalten oder wie es Charles Dickens in ‚Oliver Twist’ beschreibt. Zum Beispiel gab es ein Punktesystem. Jeder kleine Fehler brachte einen Punkt ein. Hatte man drei oder vier, mußte man in der einstündigen Mittagspause nach dem Essen, wenn die anderen zum Spielen ins Freie durften, in den riesigen Kellern des Klosters Kartoffeln schälen und dabei Rosenkranz beten. Die Frömmigkeit wurde auf diese Weise nicht sehr gefördert.“3 Doch Kogon war auch in der Retrospektive nicht blind für die positiven Seiten der in Schweiklberg genossenen Internatserziehung. So empfand er es als positiv, daß man bei den Benediktinern ein Handwerk gelernt habe. Als Professor für Politikwissenschaft an der Technischen Hochschule in Darmstadt sollte er von 1951 bis 1968 zukünftige Gewerbelehrer und Wirtschaftsingenieure unter seinen Studenten haben. Vielleicht war es auch eine Frucht der Schweiklberger Jahre, daß der politikwissenschaftliche Lehrer nicht nur geisteswissenschaftliche Eliten, sondern vor allem auch die „tech-nologische Intelligenz“ mit politischem Wissen vertraut machen wollte.

Die Wende zum Besseren kam im Februar 1920, als sich der siebzehnjährige Schü-ler im Dominikanerinternat Vechta in Oldenburg anmeldete, um dort das Gymna-sium zu beenden und in den Orden einzutreten. Noch am Ende seines Lebens ge-dachte Kogon dieser Zeit und damit seiner dominikanischen Erziehung voller Dankbarkeit und Liebe: „Es war ein absoluter Glückstreffer meines Lebens, denn ich habe großartige Lehrer gehabt. Ich bin meinen dominikanischen Lehrern un-endlich dankbar. ... Bei den Dominikanern war ein viel weiterer Horizont (als bei den Benediktinern; A. L.) bestimmend, auch wissenschaftlich. Nicht nur an Wis-sen, an klassischem Wissen, sondern auch an Methoden: die großen Künste des Mittelalters, zum Beispiel Dialektik und auch die thomistischen Methoden, also Rhetorik, die heute kein Mensch mehr lernt.“ (GS 4, S. 42) Insbesondere dem damaligen Rektor, Pater Laurentius Siemer, galt der ganze Dank Kogons. Dieser habe seine schriftstellerische und rhetorische Begabung – von denen er später im wahrsten Sinne des Wortes leben sollte – systematisch gefördert. Pater Laurentius Siemer4 scheint aber auch die menschlichen Schwächen Kogons gekannt zu haben: „Einmal spielte ich (gemeint ist Eugen Kogon; A. L.) nach dem Essen im Rekrea-tionsraum mit einem Klassenkameraden Schach und rauchte dazu eine Zigarette. Da stand der Pater Laurentius in seinem weißen Habit daneben und sah zu. Auf einmal sagte er: ‚Eugen, was übrigens die Jugendbewegung betrifft: das brächtest du ja wohl nicht fertig, nicht zu rauchen und nicht zu trinken.’ Ich war ohnehin gerade dabei, zu verlieren. Da habe ich mit der Faust auf den Tisch gehauen und gesagt: ‚Das werden wir sehen.’... Ich habe fünf Jahre lang während meiner Stu-dentenzeit keinen Alkohol zu mir genommen und geraucht – was mir sehr genützt hat.“ (GS 4, S. 44) Vom Laster des Rauchens konnte der ehemalige Internatszög-ling später nicht lassen. Und einen guten Tropfen Wein wußte er sowieso zu schät-zen. Dem Verfasser berichtete Kogons erster Assistent in Darmstadt, Robert H. Schmidt, daß er immer für die Weinauswahl zuständig war, wenn der „Ordinarius“ Kogon mit seinen Mitarbeitern (zu seinen Schülern zählen immerhin renommierte Namen wie Gottfried Erb, Ernst-Otto Czempiel und Peter Graf Kielmansegg) buchstäblich über „Gott und die Welt“ reden wollte.

Auf den Einfluß Siemers war es nach Eugen Kogons späterer Schilderung zurück-zuführen, daß er von seinem ursprünglichen Wunsch, Missionar zu werden, ab-rückte. Und trotzdem hat er das weltliche Dasein eines „Missionars“ geführt, da er – um es mit einem auf Thomas Mann gemünzten Wort zu sagen – zu einem „Wan-derprediger der Demokratie“ und der Humanität geworden ist, dessen christlicher Ansporn immer deutlich war, auch wenn er seine christlichen Überzeugungen nie wie eine Monstranz vor sich hertrug. Siemer habe ihm damals nahegelegt, daß ihm insbesondere die Askese schwer fallen würde. Kogons rebellischer Geist würde sich – so die Befürchtung des Dominikaners – nicht mit den drei Ordensgelübden Gehorsam, Keuschheit und Besitzverzicht vertragen. Hier darf natürlich nicht der Eindruck entstehen, Eugen Kogon sei ein maßloser oder ausschweifender Mensch gewesen. In einem Artikel für den „Industriekurier“ vom 12. Februar 1970 sprach er sogar von der „Notwendigkeit des Verzichts“ (GS 4, S. 276) und machte dies unter anderem am Zölibat fest (den er zwar für Priester favorisierte, aber nicht zur Verpflichtung machen wollte): „So hat der Streit um den Zölibat über ihn hinaus seine Bedeutung. Aktive Minderheiten, die sich den Sinn für den Wert des Außer-ordentlichen, des Ungewöhnlichen, allenfalls des Heroischen bewahren und ihn üben, sind auch für die Gesellschaft der Chancengleichheit ein notwendiges Ele-ment der Entwicklung.“ (GS 4, S. 277) Eugen Kogons „Laster“ oder persönliche Ausschweifung ist allenfalls in einer ungeheuren Arbeitslust und -besessenheit zu suchen, ohne die er nicht leben konnte. Schreiben, um zu wirken: Solange er nach dieser Devise leben konnte, war sein Leben erfüllt und noch von den Depressionen der letzten Jahre frei.

II. Frühe Publizistik

Kogon absolvierte nach seinem 1922 ablegten Abitur zügig ein Studium der Sozio-logie und Nationalökonomie. Er ging als Sekretär eines Schriftstellers nach Florenz und lernte dort den italienischen Faschismus aus nächster Nähe kennen. Seine von dem Ständestaatstheoretiker Othmar Spann betreute Dissertation war denn auch dem Thema „Faschismus und Korporativstaat“ (1927) gewidmet. Während er zeitweise durchaus Sympathien für den Faschismus erkennen ließ, lehnte Kogon, selbst jüdischer Abstammung und Pazifist, den rassistischen und gewaltbereiten Charakter des Nationalsozialismus von vornherein ab. Auch wenn Kogon bis zur Herrschaft der Nazis ein überzeugter Konservativer war, fallen bestimmte Eigen-schaften auf, die nicht unbedingt konservativ zu nennen sind. Er war unter dem Einfluß von Laurentius Siemer zum Pazifisten geworden und suchte von Anfang an ein besonderes Verhältnis zur Arbeiterschaft und zu den Gewerkschaften (in der Bundesrepublik sollte er die Funktion der Gewerkschaften bisweilen zugleich überschätzen und idealisieren). Eine starke Neigung zum katholisch Sozialen und ein antikapitalistischer Grundzug traten schon in den ersten drei Lebensjahrzehnten Kogons zutage: „Unter den katholischen Ständestaatlern jener Jahre gab es zwei Richtungen unterschiedlicher Radikalität. Die Solidaristen wollten den Kapitalis-mus sozialpolitisch reformieren, die Universalisten ihn sozialreformerisch beseiti-gen. Eugen Kogon gehörte der zweiten Richtung an.“5

Wo veröffentlichte Eugen Kogon in den 20er Jahren und zu Beginn der 30er Jahre? Vor allem arbeitete er für die Wiener Wochenschrift „Schönere Zukunft“, in deren Redaktion er im Jahr 1928 eingetreten war und wo er bis zum Herbst 1932 die Funktion eines Stellvertreters des Hauptschriftleiters versah. Hans-Otto Kleinmann schreibt über diese Zeit: „Kogon zeichnete hauptverantwortlich für die ‚Allgemei-ne Weltrundschau’ mit Kommentaren zur Innen- und Sozialpolitik des Auslands. Darüber hinaus stammten aus seiner Feder an die hundert Hauptartikel, in denen er sich mit sozialen und wirtschaftlichen Themen auf der Linie der Sozialtheorien von Andreas Frühwirth, Karl von Vogelsang und vor allem Spann befaßte.“6 Aber der bereits in jungen Jahren überaus fleißige Journalist (dieser unbestreitbare Fleiß hat allerdings den Nachteil, daß es in der Publizistik Kogons zu manchen Redundan-zen und Standardformulierungen kommt) steuerte außerdem Artikel und Aufsätze bei für das „Abendland“, „Der Fels“, „Neue Ordnung“, „Hochland“, „Die Neue Zeitung“ etc. Unter den Periodika, für die Kogon damals schrieb, findet sich auch ein heute ziemlich kurios klingender Titel wie „Das heilige Feuer. Monatsschrift für naturgemäße, deutschvölkische und christliche Kultur und Volkspflege“.

Michael Kogon und Gottfried Erb gebührt das Verdienst, daß sie das Schrifttum ihres Vaters bzw. akademischen Lehrers aus den Jahren 1921 bis 1940 wieder zugänglich gemacht haben. Darunter befinden sich nicht nur offiziell veröffentlich-te Texte, sondern auch bisher unveröffentlichte Manuskripte, die Eugen Kogon in der Wiener Gefängnishaft und im Konzentrationslager Buchenwald Anfang der 40er Jahre erstellt hat. Für die Dominikaner dürfte insbesondere die „Chronika des hochlöblichen St. Josephs-Collegs, Ordens- und Missionsschule der Dominikaner zu Vechta im Oldenburger Münsterland“ (1. März bis 18. September 1921) von Interesse sein, deren Abfassung Laurentius Siemer veranlaßt hatte.7

Die damaligen Ansichten Kogons sollen hier nicht en détail referiert werden. Der „Spiegel“ insinuierte in den 60er Jahren, Kogon sei Anfang der 30er Jahre ein „Rechtskatholik“ gewesen. Der konservative Publizist Emil Franzel hat 1952 in der „Deutschen Tagespost“ Kogon ebenfalls mit seiner Vergangenheit konfrontiert und ihm gleichsam unterstellt, dieser wolle mit der eigenen Vergangenheit nicht mehr konfrontiert werden und gebe nun den „Linkskatholiken“. Mit Verlaub ge-sagt: Dies ist alles ziemlicher Unsinn. Zum einen waren Eugen Kogons katholisch-konservative Meinungen gerade in seiner österreichischen Phase Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre mit Sicherheit keine Minderheitenmeinung und schon gar kein politischer Extremismus. Die von seinem späteren Redaktionskollegen Walter Dirks bei den „Frankfurter Heften“ vertretenen Auffassungen in der „Rhein-Mainischen-Volkszeitung“ waren da schon eher (linke und republikfreund-liche) Minderheitenmeinungen. Selbstverständlich dürfen die Schwächen der Pub-lizistik Kogons in dieser Zeit nicht verschwiegen werden: Er gab sich der Illusion von einer Art Revitalisierung des mittelalterlichen christlichen Ständestaates hin, er verkannte den wahren Charakter des italienischen Faschismus, er unterschätzte zunächst die Gefahr des aufkommenden Nationalsozialismus und ihm unterliefen – dies muß „zur Schande“ des späteren Trägers der Buber-Rosenzweig-Medaille gesagt werden – zuweilen antisemitische Passagen. Und auch seinen Antikapita-lismus würde der Verfasser in die Reihe der Fehler einordnen. Andererseits: Eugen Kogon hat für seine antinazistische Grundhaltung schließlich mehrere Jahre in Gefängnissen und im Konzentrationslager verbringen müssen, derweil seine Ehe-frau die drei Kinder unter schwierigsten Bedingungen – spätestens seit 1927 mußte Kogon übrigens klar gewesen sein, daß er jüdischer Abstammung war – „durch-bringen“ mußte.

Nach 1945 hat sich Eugen Kogon jedoch unzweifelhaft für unser bundesrepublika-nisches Gemeinwesen eingesetzt, auch wenn er die Bundesrepublik dann – nun aus einer eher „linken“ Position – bisweilen überscharf kritisiert hat. Man sollte sich vor den hochmoralischen Urteilen der Nachgeborenen hüten, die sich unter den Bedingungen einer freiheitlichen Demokratie heute oft genug feige wegducken, wenn es um die eigene Karriere und das eigene Fortkommen geht. Eugen Kogons politische Wandlungen vor und nach dem „Dritten Reich“ kann man in einen schönen Satz von Karl Korn kleiden: „Es kann wohl nicht anders sein, als daß ein Leben in diesem Jahrhundert mehrere Wahrheiten enthält.“8

Und bei allen Diskontinuitäten gibt es auch eine wesentliche Kontinuität im Leben und Schaffen Kogons. Während die „Frankfurter Hefte“ – nicht immer überzeu-gend – Christentum und Sozialismus in Verbindung bringen wollten, die sich nach den Worten August Bebels „wie Feuer und Wasser“ gegenüberstehen –, bekannte sich Kogon später dazu, er sei zwar auch in seiner frühen Phase niemals Marxist, jedoch „freiheitlicher Sozialist“ gewesen: „So, wie ich erzogen war, konnte ich unmöglich Marxist sein, das wäre mir damals nicht in den Sinn gekommen. Ich habe die großen Autoren des Sozialismus studiert und von den Marxisten eine ganze Reihe von Einsichten in die geschichtlichen Verläufe übernommen. Ich bin aber nicht der Meinung, daß der Klassenkampf, um ein wesentliches Stück heraus-zugreifen, das allein und bestimmend treibende Element der Geschichte sei. Was sich in mir entwickelt hat, war die Idee eines freiheitlichen Sozialismus.“ (GS 4, S. 47)

III. Christentum und Sozialismus

Kogons Denken in den 20er und 30er Jahren hatte sich „gegenüber autoritären Ideologemen als in hohem Maße anfällig“9 erwiesen. Der sogenannte „Röhm-Putsch“ vom 30. Juni 1934 öffnete ihm allerdings die Augen für die Brutalität und Mediokrität des NS-Regimes. Seit 1934 kaum noch publizistisch tätig, war er als Vermögensverwalter des Prinzen Philipp Josias von Sachsen-Coburg-Gotha tätig und half u. a. deutschen Emigranten in Österreich, der Tschechoslowakei und der Schweiz. Als deutsche Truppen am 11./12. März 1938 in Österreich einmarschier-ten, versuchte er zu fliehen. Kurz vor Überschreiten der Grenze zur Tschechoslo-wakei wurde Kogon gefaßt. Nun begann eine lange Leidenszeit, die ihn schließlich am 22. September 1939 in das Konzentrationslager Buchenwald führen sollte. In Buchenwald schloß Kogon Bekanntschaft mit politisch Andersdenkenden. Kom-munistischen Mitgliedern der Lagerselbstverwaltung verdankte er beispielsweise, daß er einem Abtransport ins Vernichtungslager Auschwitz entgehen konnte. Letztlich gelang es ihm, bis zu seiner Flucht am 8. April 1945 trotz mehrfacher Bedrohung mit dem Tode als Schreiber des SS-Sturmbannführers Dr. med. Erwin Ding-Schuler zu überleben.

Woraus schöpfte Eugen Kogon den Mut, sechseinhalb Jahre Lagerhaft in Buchen-wald durchzuhalten, wo er doch scheinbar „von Gott und den Menschen verlassen“ war? Der Pfarrer Ferdinand Eckert, der seit 1976 die Pfarrei Falkenstein im Tau-nus (Kogons Wohnort) betreut hat, ist nach der Beerdigung Eugen Kogons von dessen Tochter mit der Bibel ihres verstorbenen Vaters beschenkt worden. Eckert findet bewegende Worte darüber, welche Bedeutung die Bibel für Eugen Kogon gehabt hat: „Ich habe diese Bibel sehr oft in den Händen. Sie ist ziemlich eng ge-druckt und bietet nicht viel Platz für schriftliche Anmerkungen, aber trotzdem hat er, vor allem im letzten Teil, eine ganze Reihe von Hinweisen angebracht und manche Stelle unterstrichen. Es steht da auch eine Bemerkung: ‚Zum erstenmal die Bibel ganz durchgelesen.’ Wie ich ihn kenne, hat ihm die Bibel sehr, sehr viel bedeutet. Denn daß sie gelesen ist, spürt man, wenn man sie zur Hand nimmt. Sie ist nicht gelesen, sie ist förmlich zerlesen, sie ist nicht nur gebraucht, sondern förmlich verbraucht. Sie ist ein Zeugnis für einen Menschen, der mit diesem Buch Not, Gefängnis und schreckliche Haft im Konzentrationslager durchgestanden hat“. (GS 4, S. 38)

Eugen Kogon ist durch die KZ-Haft zwar nach eigenen Worten „ein anderer ge-worden“, gebrochen hat sie ihn nicht. Sogleich fand er zu alter Aktivität zurück und legte schon im Jahr 1946 den „SS-Staat“ vor, seinen nüchtern-sachlichen Be-richt über das System der deutschen Konzentrationslager, der auch heute „keines-wegs ‚überholt’ oder gar durch bessere Arbeiten zu diesem – begrenzten Thema – entbehrlich geworden“10 ist.

Eugen Kogons – im Verbund mit Walter Dirks, Karlheinz Knappstein, Werner Hilpert und anderen – Beitrag zur „Bildung einer überkonfessionellen Partei mit sozialistisch-christlicher Orientierung“11 war nicht von Erfolg gesegnet. Übrigens fehlte Kogon generell ein ausgeprägtes organisatorisches Talent. Dies sollte sich auch später zeigen, als er Anfang der 50er Jahre von allen Ämtern in der europäi-schen Bewegung zurücktreten mußte. Ihm fehlte die Gabe, seine Multifunktionen als Präsident der Europa-Union und als Chef seines Verlagswesens („Frankfurter Hefte“, „Europäische Infozentrale“, „Büro für politische Studien“, „Europa-Film GmbH“) zu erfüllen. Er war eben ein Intellektueller, dem – wie Konrad Adenauer richtig erkannt hatte – die „Elefantenhaut“ fehlte, um im politischen Bereich zu reüssieren.12

Ein größerer und langanhaltender Erfolg war die Gründung der „Frankfurter Hef-te“ im Jahr 1946. Eugen Kogon und Walter Dirks gelang das Kunststück, diese Zeitschrift bis 1984 am Leben zu halten. Seit 1985 sind die „Frankfurter Hefte“ mit der SPD-nahen „Neuen Gesellschaft“ fusioniert. Eugen Kogon hat im Jahr 1983, also kurz vor Einstellung der „Frankfurter Hefte“ in der traditionellen Form, her-ausgestellt, daß die Botschaft Jesu für die Gründer und Mitarbeiter der Zeitschrift von zentraler Bedeutung gewesen ist: „Wir haben uns nicht als katholische Zeit-schrift empfunden. Wir betrachteten uns – das ist ein großer Unterschied zu früher – vom Start an als christlich motivierte Politiker und Kulturpolitiker und Sozialpo-litiker. Jetzt muß ich es ein wenig pathetisch sagen: Die Botschaft Jesu, das Evan-gelium war für uns die innerste Antriebskraft. ... Das war unsere Kernmotivation. Wir wollten dazu ‚beitragen’, so wie andere in anderen Kreisen, eine paradigmati-sche Gesellschaft zustandezubringen. Wir waren eine von Katholiken gemachte, aber keine katholische Zeitschrift.“ (GS 4, S. 52)

Nun waren die „Frankfurter Hefte“ selbstverständlich keine rein religiös ausgerich-tete Zeitschrift, auch wenn das Inhaltsverzeichnis des ersten Jahrganges an erster Stelle die Sparte „Religion und Kirche“ nannte und mit so bekannten Autoren wie Ida F. Görres, Adolf Arndt, Josef Pieper, Clemens Münster, Eugen Kogon, Fran-ziskus Stratmann oder auch Reinhold Schneider aufwarten konnte. Im Gegensatz zu dem zurückhaltenderen, seinen persönlichen Glauben etwas dezenter und deut-lich weniger selbstgerecht präsentierenden Kogon traf der in diesen Dingen we-sentlich weniger scheue Walter Dirks bereits im zweiten Heft den Ton, den er in den folgenden Jahren und Jahrzehnten beibehalten sollte. Unter der Überschrift „Die geistige Aufgabe des deutschen Katholizismus“13 schrieb der ehemalige Re-dakteur der „Rhein-Mainischen-Volkszeitung“ und der „Frankfurter Zeitung“ dem deutschen Klerus selbstbewußt ins Stammbuch: „Es wäre ferner darauf aufmerk-sam zu machen, daß der deutsche Klerus, nachdem er vom Nationalsozialismus aus der Öffentlichkeit zurückgedrängt worden war, zwar nun wieder zur Verkün-digung in die Welt hinein aufgerufen ist, aber aus der Zeit der heilbringenden Ver-innerlichung den einen großen Gewinn festhalten und nicht mehr preisgeben sollte: die Distanz von der Politik, vor allem auch von den Parteien. (Es gibt bereits An-zeichen für das Gegenteil.)“14. In den Anfangsjahren scheute jedoch Eugen Kogon ebenfalls nicht einen religiös-pathetischen Ton, der sich in einer „weltlichen“ Zeit-schrift unserer Tage seltsam fremd ausnehmen würde. Vielleicht ist aber auch das Bekenntnis zum eigenen Glauben heute zu einem Tabu geworden, während das Herausstellen der eigenen sexuellen Präferenz mittlerweile zum „guten Ton“ ge-hört: „Wir sind Mystiker. Wir, – damit meine ich uns: die von den ‚Frankfurter Heften’, welche doch , wie viele feststellen, einen so aktivistischen Zug haben. Er sollte niemanden täuschen. Diese actio hat ihre Wurzeln hoffentlich in der con-templatio. Wir glauben mehr an die Kraft des Gebetes als an die des Wortes, des Opfers mehr als des Handelns, an Gott, nicht an uns.“ (GS 4, S. 67)

Christentum und Sozialismus: Diese beiden Begriffe haben für die frühe Pro-grammatik der Unionsparteien sowie für „Die Neue Ordnung“ als auch für die „Frankfurter Hefte“ eine große Rolle gespielt. Eberhard Welty, der sein Denksys-tem sowohl gegenüber dem „Universalismus“ à la Othmar Spann als auch gegen-über dem – das Individuum angeblich überbetonenden – „Solidarismus“ à la Hein-rich Pesch abgrenzte15, steuerte für die beiden ersten Hefte der „Neuen Ordnung“ zwei ca. 30-seitige Aufsätze über den „Christlichen Sozialismus“ bei16 und „schür-te damit eine der bedeutendsten, über alle Lager hinweg geführten Nachkriegsdis-kussionen“17. Wolfgang Ockenfels spricht zutreffend von der „mißverständlichen Bezeichnung ‚christlicher Sozialismus’“ und stellt klar: „Welty wollte keineswegs Anleihen beim marxistisch geprägten Sozialismus machen oder diesen mit dem Christentum versöhnen. Sein christlicher ‚Sozialismus’ war streng antimarxistisch und sollte lediglich als anziehendes Etikett zur Bezeichnung seiner thomistischen Soziallehre dienen. ... Der Versuch, einen alternativen Sozialismusbegriff einzu-führen, um dadurch die Attraktivität der katholischen Soziallehre zu erhöhen und die Arbeiterschaft stärker an die Kirche heranzubringen, mißlang jedoch.“18 Zu-mindest in der Gründungsphase der Union („Kölner Leitsätze“ vom 1. Juli 1945) waren die Überlegungen der Dominikanerpatres um Eberhard Welty und Laurenti-us Siemer nicht ohne Wirkung, wenn auch bald das „neoliberale“ wirtschaftspoliti-sche Denken Ludwig Erhards stilbildend wirken sollte.

Der Einfluß des Kreises um die „Frankfurter Hefte“, die für einen „Sozialismus aus christlicher Verantwortung“19 plädierten, schlug sich in den „linken“ „Frankfurter Leitsätzen“ vom September 1945 nieder. Das ist heute nur noch von Interesse für Parteienforscher. Auf jeden Fall verbindet man den „Sozialismus aus christlicher Verantwortung“ eher mit dem Namen Walter Dirks, der sich eindeutig auf den frühen Marx berief und apodiktisch befand: „Das Abendland wird sozialistisch sein, oder es wird nicht sein.“20 Eugen Kogon war Marx gegenüber wesentlich kritischer eingestellt. Anders als Dirks liebte er auch nicht theoretische Betrach-tungen im luftleeren intellektuellen Raum. Auch wenn sich Kogon selbst als „frei-heitlichen Sozialisten“ bezeichnet hat, wirkt diese Eigenbeschreibung ein wenig seltsam bei einem Mann, der selbst nach 1945 über viele konservative Charakteris-tika gebot. In dem Aufsatz „Der Weg zu einem Sozialismus der Freiheit in Deutschland“ vom September 1947 unternahm Kogon den Versuch, seine Defini-tion des freiheitlichen Sozialismus zu liefern. Er wollte den Sozialismus in Deutschland nicht „staatlich-zentralistisch“, sondern „freiheitlich“21 organisiert sehen und plädierte für ein Mischsystem namens „Markt-Planwirtschaft des freien Sozialismus“22, in dem die Verstaatlichung nach Kräften eingeschränkt werden müsse. Es sollte zukünftig Gemeineigentum, Privateigentum und Staatseigentum geben.

Einen deutlichen Trennstrich zog Kogon zwischen „sozialistische(r) Wirtschaft“, die er favorisierte, und dem „Staatssozialismus“23 östlicher Provenienz. Die etwas akrobatischen intellektuellen Verrenkungen, Christentum und Sozialismus (mit marxistischen Anleihen) irgendwie in Verbindung zu bringen, gehen jedenfalls in erster Linie auf das Konto von Walter Dirks. Letztlich war der Begriff „Sozialis-mus“ unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ein verführerischer Begriff, ein Wieselwort, das fast beliebig verwendet werden konnte. Mit dem „real existieren-den Sozialismus“ des Ostblocks hat Eugen Kogon zu keinem Zeitpunkt sympathi-siert. Und auch wenn die politische und gesellschaftliche Entwicklung, welche die Bundesrepublik ab 1949 nahm, oftmals auf seinen entschiedenen Widerstand traf, hat er die DDR oder die Sowjetunion nicht als vorbildliche Systeme verstanden. Dabei verstand er sich jedoch stets als einen Weltveränderer, der auf Evolution setzt: „Gewaltlos ist die Welt so zu verwandeln, daß es der Zweifelhaftigkeit der Revolutionen nicht bedarf, die Bedingungen wahren Menschseins zustandezubrin-gen und sicherzustellen.“ (GS 4, S. 81)

IV. Der Weg zum skeptischen „Linkskatholiken“

Heute ist mit dem Terminus „Sozialismus“ nicht mehr viel Staat zu machen. Der letztlich vernünftige und um Maß und Mitte bemühte Kogon hat diese Vokabel in seinen Schriften denn auch nicht allzu häufig strapaziert. Trotzdem verstand er sich selbst als „Linkskatholik“. Caspar von Schrenck-Notzing hat spöttisch von den „linkskatholischen Recken Walter Dirks und Eugen Kogon“24 gesprochen. Und obwohl Geringschätzung in dieser Formulierung liegt, wird doch erkennbar, daß Dirks und Kogon namhafte Vorläufer einer Bewegung waren, die heutzutage in der Bundesrepublik mit Sicherheit nicht mehr unter Artenschutz gestellt werden muß.

Eugen Kogon jedenfalls hat sich „mit Vergnügen dazu“ bekannt, ein „Linkskatho-lik“ zu sein: „Ein Linkskatholik ist ein Katholik, der den Fortschritt der Menschen, also die Veränderung der Gesellschaft auf bessere Menschlichkeit, auf die Entfal-tung der Humanität hin anstrebt, und zwar aus christlicher Fraternitätsgesinnung. Wir sind alle gottesebenbildlich und mit dem Auftrag zur Solidarität der Nächsten-liebe geschaffen ... Der Linkskatholik ergänzt daher das traditionell paternale Ele-ment im christlichen Weltverhalten bewußt und betont durch das fraternelle frei-heitlichen Fortschritts, mit anderen Worten durch das Streben nach Entfaltung personaler, verantwortlicher Selbstbestimmung. Der Rechtskatholik hingegen beläßt lieber die Zustände, wie sie sind, er handelt nach dem Grundsatz, daß ohne exzeptionelle Gründe nichts Bestehendes verändert werden soll ... Von den Mög-lichkeiten des Menschen hält der Rechtskatholik nicht allzu viel. Das Dogma von der Erbsünde ist sein Lieblingsglaubenssatz. Er ist für autoritäre Führung und Betreuung. Ihm zufolge muß man durch ‚Ordnungen’, die er für im wesentlichen ewig hält, das ‚richtige’ Leben der Menschen bestimmen. Der konservative Katho-lik preist daher – romantisch – das Mittelalter unserer europäischen Zivilisation und hält, im Grunde, die moderne Entwicklung für einen Abfall vom bleibend Angebrachten. Nicht so der Linkskatholik: er schreibt niemandem zwingend vor, was er zu tun und zu lassen habe, sondern versucht es plausibel zu machen, er argumentiert – auf eine Weise, die verstanden werden kann –, und er arbeitet an der Verbesserung der ‚Bedingungen des Möglichen’ (so hat Immanuel Kant die Freiheit definiert), das heißt an den gesellschaftlich-geistigen Voraussetzungen, die es dem Menschen erleichtern sollen, sich richtig zu entscheiden.“ (GS 4, S. 160)

Diese Formulierung bleibt letztlich holzschnittartig und undifferenziert, ja sie wirkt fast ein wenig selbstgerecht, ist aber insofern aufschlußreich, als Eugen Kogon mit diesen Sätzen – eventuell unbewußt – sein Denken vor und nach 1945 beschrieben hat. Wie schlug sich der Anspruch, ein „Linkskatholik“ zu sein, in Eugen Kogons publizistischem Schaffen nieder? Es sei hierbei nicht verschwiegen, daß der Ver-fasser manche Äußerungen und Einlassungen Kogons in diesem Zusammenhang für problematisch hält. Ein paar Beispiele: Fragwürdig bleibt Eugen Kogons Ver-such, Politik und Religion in einen engeren Zusammenhang zu rücken. So spricht er beispielsweise von der „tiefe(n) Verwandtschaft von christlicher Botschaft und moderner Demokratie!“. (GS 4, S. 177) Der Christ müsse zu der Erkenntnis kom-men, daß „die Demokratie eben die vollkommenste und der menschlichen Be-stimmung angemessenste irdische Herrschaftsform“ (GS 4, S. 178) sei. Man muß ja nicht gleich dem tiefen Pessimismus des einerseits brillanten, andererseits etwas überspannten Winfried Martini zuneigen, der – skandalöserweise im Jahr 1960! – auf die Frage, ob er Demokrat sei, geantwortet hat: „Ich weiß es nicht. Ich weiß allerdings, daß ich weit davon entfernt bin, die innerweltlich-eschatologische Vor-stellung der meisten Demokraten zu teilen, die Demokratie sei der Endzustand der universalen Verfassungsgeschichte.“25

Eugen Kogon ist zuzustimmen, wenn er die Kirche dazu aufforderte, sich innerhalb der demokratischen Gesellschaft zu engagieren und auch zu politischen Fragen Stellung zu beziehen. Ähnlich wie Walter Dirks – aber ohne Dirks’ gegenüber Unionspolitikern bisweilen aufblitzende verletzende Schärfe – warnte er die Kirche allerdings davor, sich allzu stark mit christlichen Parteien einzulassen. Zusammen-arbeit zwischen Kirchen und bestimmten politischen Parteien müßten vom Einzel-fall abhängig gemacht werden: „Man kann sich kirchlicherseits besonders auf die christlichen Politiker stützen, um christliche Interessen in Schul- und Erziehungs-fragen durchzusetzen. Man könnte aber dabei außer acht lassen, daß dieselbe Gruppe christlicher Politiker eine Wirtschaftspolitik betreibt, die für das Volk unter Umständen existenzgefährdend sein kann.“ (GS 4, S. 181) Zweifelhaft erscheint jedoch Kogons Forderung, die Kirche solle sich stets und ständig für gesellschaftli-che Reformen einsetzen: „Die Kirche, nun nicht mehr als ein Autoritätssystem gesehen, sondern als Gemeinschaft der Gläubigen, die einzelnen Christen also werden aus der Kraft dieser Gemeinschaft an der Front des gesellschaftlichen Re-formierens stehen müssen.“ (GS 4, S. 183) Der Begriff „Reform“ ist nämlich auch ein Wieselwort, unter dem alles mögliche verstanden werden kann.

Insgesamt fallen Kogons Äußerungen zum Themenfeld „Kirche und Politik“ eher skeptisch aus. Er vertrat die Überzeugung, daß „die Prinzipien der modernen De-mokratie ... nicht dem Christentum“ (GS 4, S. 170) entstammten, sich die Kirche und die Christen aber sehr wohl auf die modernen Entwicklungen einlassen müß-ten. Im Jahr 1968 wandte er sich gegen das Gerede von „der zur Zeit modischen Demokratisierung von allem und jedem, folglich der Demokratisierung auch der Kirche“ (GS 4, S. 271), warnte jedoch zugleich davor, die Kirchen könnten den Anschluß an die moderne Zeit verpassen und zu „lamaistischen Einrichtungen“ werden: „Ich fürchte, daß sich unsere Kirchen, wenn sie sich außerstande erweisen, suchende Partner in den neuzeitlichen Entwicklungen zu werden – Entwicklungen, von denen alles Leben erfaßt ist –, zu einer Art lamaistischen Einrichtungen wer-den, die zwar weiterbestehen, deren Gemäuer aber, immer dünner besetzt, bestän-dig abbröckeln.“ (GS 4, S. 256)

Einen völlig anderen Weg als Kogon wies übrigens der konservative Publizist Rüdiger Altmann – ohne Zweifel ein Stilist von hohen Graden, aber manchmal ohne die rechte intellektuelle Bodenhaftung –, der den Kirchen in einigen seiner ätzend-scharfen Essays empfahl, sich von der Gesellschaft zu entfremden und das Heil in der Wiederherstellung des Kultus zu sehen: „Der Abschied der Kirchen von der Gesellschaft ist unvermeidlich. Die Reformer werden ihn ebenso vollziehen wie die Taktiker der Verteidigung, vielleicht ungewollt, aber sie werden ihn voll-ziehen. Die Kirche wird keine Kirche der Arbeiter sein, wie Emmanuel Mounier gehofft hat, aber auch keine Teilhaberin öffentlicher Macht bleiben, auch nicht als potestas indirecta.“26

Wie bereits erwähnt, ist Eugen Kogon „sehr kirchlich-katholisch aufgewachsen, einem missionarischen Ziel verpflichtet“ (GS 4, S. 95). Die Hinwendung zu einem „kritischen Katholizismus“ ist nicht über Nacht erfolgt. Genauso wie Walter Dirks setzte er seine Hoffnungen auf das Zweite Vatikanische Konzil und auf den Hoff-nungsträger Johannes XXIII.: „Er, ein Mensch bäuerlicher Art, verstand die mo-dernen Industrieverhältnisse, und er besaß den Mut, die kirchliche Anpassung an sie zu verkündigen. Von da an rührte sich Reformwille auch im deutschen Be-reich.“ (GS 4, S. 232) Enttäuscht zeigte er sich von Papst Paul VI. und dessen Enzyklika „Humanae vitae“. Dabei führte ihm nie Häme die Feder, sondern Kogon war ehrlich besorgt, daß nun auch auf kirchlicher Ebene ein Zeitalter der „Restau-ration“ eingetreten sei. Mit diesem Schlagwort hatten Dirks und Kogon bereits in großen Aufsätzen Anfang der 50er Jahre bemerkt, daß die westdeutsche Politik und Gesellschaft eine Richtung einschlugen, die den Herausgebern der „Frankfur-ter Hefte“ nicht paßten. Anders als von Johannes XXIII. erwartete er von dessen Nachfolger kein Signal zum Aufbruch. Kein „aggiornamento“ weit und breit: „Paul VI., der zu der Zeit, als er noch Montini hieß und Erzbischof von Mailand war, als einer der reformoffensten, reformbereitesten Männer der Kirche galt, ist im Lauf der Jahre und besonders, seitdem er die Bürde der obersten Leitung der Katholischen Kirche trägt, ein kummergequälter, angsterfüllter, anscheinend in endzeitlichen Vorstellungen gebannter Mann geworden.“ (GS 4, S. 238)

V. Der persönliche Glaube

In seiner Einleitung zum vierten Band der Gesammelten Schriften von Eugen Kogon betont sein Sohn Michael die geistige Verwandtschaft seines Vaters zu Theologen und Kirchenmännern wie Leonardo Boff, Hans Küng, Eugen Drewer-mann, Jacques Gaillot, Edward Schillebeeckx und Johann Baptist Metz. Ob dies zutrifft, mögen Theologen entscheiden. Michael Kogon betont auf jeden Fall zu-recht, daß Eugen Kogon „bis in seine abschließende Lebensphase genereller Re-signation hinein“ (GS 4, S. 12) gläubig gewesen ist. Laut Heinz Zahrnt, über viele Jahre theologischer Chefredakteur des „Deutschen Allgemeinen Sonntagsblattes“, kreisten seine Gespräche mit Eugen Kogon oft um das sogenannte „Theodi-zeeproblem“. Bei allem persönlichen Glauben sei in den letzten Jahren das Zutrauen in die Kirche geschwunden: „Von der Kirche erwartete er schließlich kaum noch etwas; ihre Erneuerung sah er nicht vor sich.“ (GS 4, S. 27) Und Eduard Kroker, ebenfalls ein Weggefährte Kogons, betonte, daß es diesem vor allem um Trost im Glauben gegangen sei, was vor dem Hintergrund von sechs-einhalb in furchtbarer KZ-Haft verbrachten Jahren auch nicht verwundern dürfte: „Eugen Kogon wollte keine Lehrbuchdogmatik. Er wollte Trost, Tröstung sage ich.“ (GS 4, S. 28) Kogon wandte sich energisch gegen eine sogenannte „Mystik des Leidens“ (GS 4, S. 92), was wiederum mit der Erfahrung von persönlichem Leid zu tun hatte, das der ehemalige Todeskandidat für Auschwitz erfahren hatte: „Als das mörderische System überstanden war, hatte sich mein Verhältnis zum Leben geändert. Es ist mir zwar, da ich Christ geblieben bin, nach wie vor Durchgang und nicht Erfüllung in sich allein, aber jetzt unter Verhältnissen, die es beständig verbessern. Ich habe mich, wohl, wie ich meine, wissend um die Grenzen der menschlichen Emanzipation, von der ‚Jammertal’-Ideologie gelöst und mich der Beteiligung an dem ebenso mühsamen wie edlen Geschäft des gesellschaftlichen Fortschritts voll zugewandt - eines Fortschritts, der jedem Individuum im Einklang damit die Chance optimaler eigener Erfüllung schafft.“ (GS 4, S. 95/96) Im großen und ganzen war Eugen Kogon ein katholischer Christ, der sich der Organisationsform katholische Kirche im Laufe seines Lebens immer mehr entfremdete, sich aber nie ganz von ihr gelöst hat. Er fuhr in seinen letzten Jahren fast jeden Sonntag mit seinem kleinen VW von Falkenstein nach Königstein und nahm um 9.30 Uhr an der Hl. Messe teil. Er sah in Gott mehr den barmherzigen und gütigen Vater als den strengen und zornigen Richter. Er plädierte für Askese und sah im Zölibat eine sinnvolle (freilich freiwillig einzugehende) Einrichtung.

Im Jahr 1973 hat der Publizist Eugen Kogon unseren schludrigen Umgang mit religiösen Bräuchen kritisiert. Und bei aller Ironie erkennt man in folgenden Wor-ten doch das konservative Naturell Eugen Kogons: „Die Samstagabend-Messe ist gleichfalls eine Konzession. Wer sie besucht, erfüllt die katholische Sonntags-pflicht – vierzig Minuten Voraus-Heiligung, sofern man auf den Anfang des Wo-chenend-Fernsehprogrammes verzichtet. Später, nach Bekanntgabe der Lottozah-len, kommt das ‚Wort zum Sonntag’, da schalten die meisten ab oder eine Pause ein. Wie viele nächstentags vor dem 12-Uhr-‚Frühschoppen’ am Fernsehschirm zuschauenderweise einem übertragenen Gottesdienst beiwohnen, weiß ich nicht. Der ‚Siebente Tag’ ist zum Kernstück eines möglichst langen, möglichst am Be-ginn schon verlängerten Wochenendes geworden – bezahlte Freizeit. Da faulenzt man, man vergnügt sich, wäscht das Auto, geht auf den Fußballplatz oder, je nach Klassenzugehörigkeit, zum Tennis. Oder man langweilt sich.“ (GS 4, S. 75)

Diese ironischen Töne sind ungewohnt für den ansonsten eher „ernst“ schreiben-den Eugen Kogon, und daher sei ein Satz zitiert, den er 1982 formuliert hat, und der sein Selbstverständnis besser trifft: „Die Moral ist unser Antrieb, um die Ge-sellschaft bis in die Fundamente hinein zu verändern, denn das ist die Revolution, die der Christ eigentlich meinen sollte.“ (GS 4, S. 292)

Anmerkungen

1) Michael Kogon / Gottfried Erb (Hrsg.), Eugen Kogon: Liebe und tu, was du willst. Reflexionen eines Christen. Band 4 der Gesammelten Schriften, Weinheim-Berlin 1996. Im Text wird wie folgt zitiert: (GS 4, S. XY).

2) Eugen Kogon hat seinen Weggefährten Walter Dirks stets als religiösen Ansprechpartner und theologischen Ratgeber geschätzt. Dirks hat jedoch viel früher und auch wesentlich forcierter kirchenkritische Positionen als sein Mitherausgeber bezogen.

3) M. Kogon / G. Erb (Hrsg.), „Dieses merkwürdige, wichtige Leben.“ Begegnungen. Band 6 der Gesammelten Schriften, Weinheim-Berlin 1997, S. 29. Künftig zitiert: GS 6.

4) Über das unkonventionelle Auftreten des Vechtaer Rektors, das ganz nach Kogons Geschmack gewesen sein muß, berichtet Wolfgang Ockenfels in seiner biographischen Skizze von Laurentius Siemer: Wolfgang Ockenfels, Laurentius Siemer (1888-1956), in: Jürgen Aretz u. a. (Hrsg.), Zeitgeschichte in Lebensbildern. Band 5: Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Mainz 1982, S. 147-160, S. 150.

5) Michael Kogon, Die frühen Schriften Eugen Kogons, in: Ders. / G. Erb (Hrsg.), Eugen Kogon: Die Idee des christlichen Ständestaates. Frühe Schriften 1921-1940. Band 8 der Gesammelten Schriften, Berlin 1999, S. 9-60, S. 24.

6) Hans-Otto Kleinmann, Eugen Kogon (1903-1987), in: Jürgen Aretz u. a. (Hrsg.), Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem politischen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts. Band 9, Münster 1999, S. 223-242, S. 226. Zur Biographie Kogons siehe ferner: Ansgar Lange, Eugen Kogon. Linkskatholik mit konservativen Wurzeln, in: MUT. Forum für Kultur, Politik und Geschichte. Nr. 432, August 2003, S. 62-70.

7) Vgl. Endnote 5.

8) Karl Korn, Lange Lehrzeit. Ein deutsches Leben, F. a. M. 1975, S. 8.

9) Kleinmann, Eugen Kogon, S. 226.

10) Iring Fetscher, In keiner Weise überholt: „Der SS-Staat“, in: Die Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 1 u. 2 (2003), S. 73-76, S. 73. Vgl. hierzu auch: Michael Kogon, Eugen Kogons „Der SS-Staat“ ist ein halbes Jahrhundert alt, in: Aus dem Antiquariat 12 (1996), S. A 497-A 507.

11) Hans-Otto Kleinmann, Geschichte der CDU 1945-1982. Herausgegeben von Günter Buchstab, Stuttgart 1993, S. 39.

12) Der in den 50er Jahren recht einflußreiche Paul Wilhelm Wenger trat im „Rheinischen Merkur“ dann noch einmal nach und verfaßte einen Abgesang auf Kogons europapolitisches Engagement: Paul Wilhelm Wenger, Der Speseneuropäer a. D., in: Rheinischer Merkur vom 18. Dezember 1953. Hier ist wohl aber auch eine gehörige Portion Neid im Spiel gewesen. Der gern repräsentativ auftretende Wenger wäre wohl gern Adenauers „Spitzeneuropäer“ geworden. In den 60er Jahren traf Wengers Neidgefühl einen pronon-cierten „Rechten“ wie Armin Mohler, dem der erste „Konrad-Adenauer-Preis für Publi-zistik“ zuerkannt wurde, und gegen den Wenger eine Pressekampagne entfesselte. Mohler schreibt darüber in seinem – ansonsten nicht unproblematischen – Werk „Der Nasenring“: „Adenauers Leibjournalist, Paul Willhelm Wenger, war tief beleidigt: ‚Wenn einer einen Adenauer-Preis für Publizistik verdient hat, dann ich – ich habe mein Herzblut für Ade-nauer gegeben. Mohler hat nichts für ihn getarnt.“ Siehe Armin Mohler, Der Nasenring. Die Vergangenheitsbewältigung vor und nach dem Fall der Mauer, München 1991 (zuerst erschienen unter dem Titel „Der Nasenring. Im Dickicht der Vergangenheitsbewältigung, Essen 1989), S. 128.

13) Heutzutage würde jeder Autor vor dem Ziel zurückstecken, ein so weit gefaßtes Thema in einem 15-seitigen Essay zu behandeln. Es macht aber gerade den Reiz der ersten „Frankfurter Hefte“ aus, daß sie sich bemühten, ihre nach geistiger Nahrung dürstenden Leser mit solch fundamentalen Fragen zu konfrontieren. Als man sich im langsam gedeihenden „Wirtschaftswunderland“ etwas eingerichtet hatte, ließ der Hunger nach Fundamentaldiskussionen dieser Art nach. Der Appetit nach den materiellen Verlockungen wurde alsbald – verständlich nach Jahren des Krieges und der Entbehrung – um so größer. Dirks und Kogon haben diesen Sinneswandel nie ganz verwinden beziehungsweise verstehen können.

14) Walter Dirks, Die geistige Aufgabe des deutschen Katholizismus, in: Frankfurter Hefte 2(1946), S. 38-52, S. 43.

15) Vgl. Wolfgang Ockenfels, Eberhard Welty (1902-1965), in: Jürgen Aretz u. a. (Hrsg.), Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts. Band 4, Mainz 1980, S. 240-249, S. 244.

16) Eberhard Welty, Christlicher Sozialismus (1. Teil), in: NO 1(1946), S. 39-70 und Ders., Christlicher Sozialismus, in: NO 2(1946), S. 132-157.

17) Doris von der Brelie-Lewien, Katholische Zeitschriften in den Westzonen 1945-1949. Ein Beitrag zu politischen Kultur der Nachkriegszeit, Göttingen-Zürich 1986 (Göttinger Bausteine zur Geschichtswissenschaft, Band 53), S. 93.

18) Ockenfels, Eberhard Welty, S. 245.

19) Walter Dirks, Das Wort Sozialismus, in: FH 7(1946), S. 628-643, S. 639.

20) Walter Dirks, Das Abendland und der Sozialismus, in: FH 3(1946), S. 67-76, S. 76.

21) Eugen Kogon, Der Weg zu einem Sozialismus der Freiheit in Deutschland, in: FH 9(1947), S. 877-896, S. 881.

22) Ebd., S. 894.

23) Ebd., S. 889.

24) Caspar Schrenck-Notzing, Zukunftsmacher. Die neue Linke in Deutschland und ihre Herkunft, Stuttgart-Degerloch 1968, S. 121.

25) Winfried Martini, Freiheit auf Abruf. Die Lebenserwartung der Bundesrepublik, Köln-Berlin 1960, S. 12. Im Umfeld der amerikanischen Bush-Administration sind es die fälschlicherweise konservativ genannten Neokonservativen, die naiven Demokratisierungsträumen frönen. Lorenz Jäger hat daher zutreffend von den Vertretern eines „bewaffneten Liberalismus“ gesprochen, die ohne Sinn und Verstand ihre „globale Demokratie-Mission“ verfolgen.

26) Rüdiger Altmann, Abschied von den Kirchen (1970), in: Ders., Abschied vom Staat. Politische Essays, Frankfurt a. M./New York 1998, S. 237-244, S. 243.

Ansgar Lange, M. A., arbeitet als Politikwissenschaftler und Publizist in Bonn.

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