Jahrgang 56
Nr. 2/2002 April
DIE NEUE ORDNUNG

Andreas Püttmann

Der Mensch im Zerrspiegel der Medien



„Die Epoche der Weltanschauungsdebatten ist vorbei. Es hat die Epoche der Men-schenanschauungsdebatten begonnen“, konstatiert Joachim Kardinal Meisner im Juni 2001 im kritischen Blick auf die „Folgen einer Entwicklung, die den Menschen nicht als Geschöpf Gottes, sondern von seiner Entstehung an bis zu seinem Tod als herstellbares und verfügbares Objekt menschlicher Technik begreift“.1 Bei diesem Epochenwechsel handelt es sich aber wohl nur um eine Akzentverschiebung inner-halb eines unauflösbaren Ideen- und Wirkungszusammenhangs. Von jeher beruhen Konzeptionen von Gesellschaft und Staat, ihre Wirkungsmacht, Persistenz oder ihr Scheitern auf Menschenbildern. Deren Pluralität erwächst aus der Schwierigkeit, „durch alle geschichtlichen Ablagerungen und wechselnden Interpretamente hin-durch auf so etwas wie ein stets gleichbleibendes Wesen zu kommen“.2 Die Frage nach der Natur des Menschen „stößt bekanntlich auf den Zirkel, daß derjenige, der die Frage stellt, auch der ist, nach dem gefragt wird“; diese Selbstreferenz „provo-ziert entweder die Suche nach einem gültigen Wesen des Humanen innerhalb des Zirkels oder die Frage nach denjenigen Instanzen, die außerhalb seiner der Reprä-sentation des Menschen dienen“.3 Zu diesen gehören heute zuvörderst die Massenmedien, in denen wir dem Menschen gleich in drei Positionen begegnen: als dem, den die Medien zeigen; als dem, der die Medien nutzt, und als dem, der den Blick der Medien steuert. Welche Rolle spielen also die Massenkommunikationsmittel für unser anthropologisches Wissen und Meinen? Welches Menschenbild vermitteln sie?

Das Thema kann hier nur fragmentarisch behandelt werden. Denn einer Reihe von inhaltsanalytischen Studien über die mediale Darstellung von soziodemographi-schen Gruppen – Männer und Frauen, Alte und Jugendliche, Ausländer oder einzel-ne Völker – steht eine tabula rasa in der Grundfrage gegenüber, welches Bild des Menschen Inhalte, Nutzung und Macher von Medien heute insgesamt vermitteln. Gibt es das Menschenbild der Medien nicht oder ist es mangels empirischer Studien schwerlich zu skizzieren, so liegt es nahe, die Frage auf die Prämisse jener (noch) weithin akzeptierten Grundaussagen über den Menschen zu fokussieren, die uns als „christliches Menschenbild“ überliefert sind und auch unsere Verfassungsordnung prägen: Das Bundesverfassungsgericht betont in religiös gefärbter Diktion, „daß der Mensch in der Schöpfungsordnung einen eigenständigen Wert besitzt und Freiheit und Gleichheit dauernde Grundwerte der staatlichen Einheit sind“.4 In der Genese der Menschenbildformel5 des Gerichts ist „eine eindeutige Verbindungslinie zur katholischen Soziallehre“ nachweisbar: Sein damaliger Präsident Josef Wintrich „übernimmt aus ihr wesentliche Elemente für sein Menschenbild“, ohne dieses „ausdrücklich auf die christliche Auffassung von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen zu gründen“.6

Wurde unsere Kultur und Rechtsordnung nachhaltig vom Christentum und seinem Menschenbild inspiriert, dann ergeben sich aus der Fragestellung auch Perspektiven auf die Zukunft unseres Gemeinwesens. Ein „richtiges“, realistisches Bild des Men-schen gehört zu jenen vielbeschworenen Voraussetzungen, von denen der demokra-tische Verfassungsstaat lebt, ohne sie garantieren zu können. Seine geistige Pflege und „Übersetzung“ in die jeweilige zivilisatorische Situation hinein kann insofern als „Verfassungserwartung“7 an jene gesellschaftlichen Potenzen begriffen werden, welche die geistige und sittliche Orientierung im Lande beeinflußen. Dazu gehören schon rein quantitativ die Massenmedien, wenn man bedenkt, daß der Deutsche durchschnittlich sechs Stunden täglich mit Medienkonsum verbringt8 und daß ein 14jähriger Schüler in seinem Leben mehr Zeit vor dem Fernseher als im Klassen-zimmer oder im Gespräch mit seinen Eltern verbracht hat. Josef Isensee bezeichnet die Medien daher in Übereinstimmung mit neueren Befunden der Medienwirkungs-forschung als „die großen Erzieher der heutigen Gesellschaft“9. Kann aber ein er-heblicher Einfluß von Massenmedien für unsere Wirklichkeitswahrnehmung, Mei-nungsbildung und Verhaltensbereitschaft angenommen werden, so ist dies Grund, dem/den in den Medien vermittelten Menschenbild/ern unter der Perspektive einer Affirmation oder Destruktion der christlichen Auffassung vom Menschen nachzu-forschen.

I. Die religiöse Dimension: ignoriert, reduziert, karikiert

Die Idee der Geschöpflichkeit und Gottesebenbildlichkeit des Menschen als Fun-dament des christlichen Menschenbildes wird man als theologische Denk- und Sprachfigur schwerlich explizit in den Medien finden; sie könnte aber durch den Stellenwert religiöser Bezüge des Menschen im Programmangebot sowie durch eine angemessene Art der Darstellung von Glaube und Kirche dort vermittelt werden. „Das christliche Menschenbild ist die direkte Konsequenz des christlichen Gottes-bildes. Wem das nicht klar ist, dem ist auch das christliche Menschenbild nicht klar“10, hat Joachim Kardinal Meisner gegen Tendenzen betont, im öffentlichen Leben eine Art christliche Anthropologie ohne Gott zur Geltung bringen zu wollen. Kommt der „Gottesbezug“ des Menschen also – wie in der Verfassung – auch in der Medienwirklichkeit vor?

Ausgehend von einer Umfrage, bei der die ersten drei der Zehn Gebote als die un-wichtigsten eingestuft wurden, kommentierte kürzlich der Leiter der katholischen Journalistenschule: „Wir kennen und lehren vom Glauben fast nur noch die Ausfüh-rungsbestimmungen, und bei den Verboten sind wir uns am sichersten. Vom Gott, der Himmel und Erde und alles Getier und Gemensch erschuf, schweigen wir, und langweilen die Menschen mit unserem ewigen Moralisieren, dessen Basis, den lebendigen Gott nämlich, wir weitgehend aus dem Blick verloren haben“.11 Ein Reflex des Blicks in Zeitung und Fernsehen? Jedenfalls ergab eine Inhaltsanalyse der Printmedien Der Spiegel, Focus, Die Woche, Süddeutsche Zeitung, Tageszei-tung, Berliner Zeitung und Stuttgarter Zeitung im Erscheinungszeitraum von April 2000 bis April 2001, „daß sich bei allen Blättern nur rund ein Prozent der Beiträge mit religiösen Themen befaßt. Ihre Schlagzeilen stürzen sich mit Vorliebe – bei den Tageszeitungen zu 70 bis 80 Prozent – auf die Amtsträger in der Kirche (...). Inhalt-liche Renner sind noch ,Ehe, Scheidung, Ehebruch, wiederverheiratete Geschiede-ne‘ und ,Schwangerschaft, Abtreibung, Konfliktberatung‘ (...). Die veröffentlichte Meinung ist demnach auch nicht so ganz dicht dran am Geheimnis des Glaubens“.12 Gleiches ergaben Inhaltsanalysen von TV-Nachrichtenmagazinen.13

Die Kirche, immerhin Organisation von Zweidritteln der Menschen und zweitgröß-ter Arbeitgeber in Deutschland mit globaler Präsenz, lokaler Verankerung und 7 Millionen Gottesdienstbesuchern wöchentlich, genügt in ihren zentralen Botschaf-ten offenbar nicht den Aufmerksamkeitsregeln der Medienmacher. So berichtet der frühere Kulturchef und stellvertretende Fernsehdirektor des Bayerischen Rund-funks: „Als vor einer Reihe von Jahren in einer anderen Redaktion ein Film über die Wallfahrt zum bayerischen Marienwallfahrtsort Altötting gemacht werden sollte, wollte es mir nicht in den Sinn, daß wir dieses Thema nicht schon mehrmals behan-delt haben sollten. Aber es stimmte: Wir hatten die vielen Hunderttausende von Pilgern, auch von jungen Menschen, die jedes Jahr auf stundenlangen Märschen zur Muttergottes in Altötting pilgern, überhaupt nicht wahrgenommen. Aber zur glei-chen Zeit haben wir jeden Protestmarsch von zwanzig oder fünfzig Leuten durch die Münchner Innenstadt selbstverständlich aufgenommen und noch am gleichen Abend gesendet. (...) Kommt die eine Wirklichkeit deshalb eher in den Blick, weil sie der Lebenswirklichkeit der Redakteure eher entspricht?“14 Die Antwort geben Journalistenumfragen: Tatsächlich ist diese Berufsgruppe weit überdurchschnittlich konfessionslos und kirchendistanziert, bis hin zum vollständigen religiösen Anal-phabetismus.15 Die prekären Konsequenzen für die Hüter und Verkünder der christ-lichen Botschaft hat Josef Isensee auf die plastische Formel gebracht: „Deutsche Bischöfe fürchten nicht den Bundeskanzler, sondern den Fernsehjournalisten“.16

Die eindimensionale Abflachung des christlichen Profils im Fremdverständnis säku-larer Medien zeigt sich in der Nachrichtenselektion. Wenn in Predigten der hohen Feste – die (etwa Weihnachten oder Pfingsten) das christliche Menschenbild beson-ders gut verdeutlichen können – nicht eine politisch verwertbare Aussage vor-kommt, sinkt der Nachrichtenwert erheblich. Bischöfe wundern sich, „daß eine Nachricht am Rande einer Bischofskonferenz zur einzigen Hauptsache wird und die Relationen und Proportionen der einzelnen Themen einer Veranstaltung verzerrt. Nicht selten kommt einem als Teilnehmer einer solchen Veranstaltung (z. B. auch Katholikentage, Kirchentage) der Eindruck, man sei bei der so in der Berichterstat-tung gespiegelten Veranstaltung gar nicht gewesen“.17 Allerdings hat man auch bei mancher christlichen Verkündigungssendung bis hin zum „Wort zum Sonntag“ eher den Eindruck, in einer brandenburgischen LER-Stunde zu sitzen als einer kirchlich verantworteten Veranstaltung beizuwohnen. Und zu mancher durchaus seriösen Sendung der Medien treten eingeladene Kirchenführer erst gar nicht an. Als Sabine Christiansen im Juni 2001 eine höchst Menschenbild-relevante Talkrunde zum Thema Prostitution zusammenstellte, fand sich kein deutscher Bischof bereit, dort die christliche Auffassung von der Würde des Menschen vor einem Millionenpubli-kum zu erläutern.

Auch im Unterhaltungsprogramm scheinen sich Marginalisierung und Deformation christlicher Religiosität zu mehren. Zwar fanden Pfarrer- und Nonnenserien in öf-fentlich-rechtlichen wie privaten Programmen auch in den achtziger und neunziger Jahren ein beachtliches Publikum und vermochten es, „das Bild von weltoffenen, erdverbundenen Pfarrern und Gemeinden (...) und christliche Grundhaltungen auf unterhaltsame Weise zu vermitteln“18, doch blieb der Transzendenzbezug von Pater Browns und Don Camillos Nachfolgern vage bis unkenntlich.19 Und viel interessan-ter als der Mensch als Wesen der Transzendenz erscheint zeitgenössischen Filme-machern offenbar der Kleriker als sexuelles Wesen („Der Priester“, „Der Kardi-nal“).

Das krasseste Signal der Mißachtung christlicher, keineswegs aber jüdischer oder moslemischer „Ehrfurcht vor Gott“ sind die sich häufenden Fälle von Blasphemie und Kirchenschmähung in den Medien. Dabei geht für konservative wie für liberale Kirchenführer nicht nur die „zunehmende Hetze“ (Karl Kardinal Lehmann) gegen die Kirche inzwischen „über alles erträgliche Maß hinaus“ (Joachim Kardinal Meisner). Bei der Jagd nach Quoten und Aufmerksamkeit werde selbst das Heiligs-te zum Gegenstand von Spott und Hohn, beklagt Peter Hahne, ZDF-Hauptstadtkorrespondent und EKD-Ratsmitglied; es sei „schizophren“, daß nach fremden-feindlichen Übergriffen stets die Bedeutung des Religionsunterrichts für die Wert-orientierung betont werde, zugleich aber Glaubensüberzeugungen und religiöse Symbole in den Medien immer wieder zum Gegenstand dümmsten Spotts erhoben würden, ohne daß dies Folgen habe.20 In den „publizistischen Grundsätzen (Presse-codex)“ des Deutschen Presserates heißt es zwar: „Veröffentlichungen in Wort und Bild, die das sittliche oder religiöse Empfinden einer Personengruppe nach Form und Inhalt wesentlich verletzen können, sind mit der Verantwortung der Presse nicht zu vereinbaren“ (Ziff. 10), doch dies hinderte Journalisten zum Beispiel nicht daran, nach dem Bundesverfassungsgerichtsbeschluß zum Schulkreuz 1995 das Kruzifix als Klorollenhalter („Spielt Jesus noch eine Rolle?“) zu präsentieren oder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu spotten: „2000 Jahre Rumhängen sind ja auch kein Vorbild für die Jugend“.21

II. Medienpranger und Menschenzoo: Die verletzte Würde

Wie zur Bestätigung der These vom unauflöslichen Zusammenhang zwischen Got-tesbild und Menschenbild treten mit der zunehmenden Verletzung des religiösen Empfindens in den Medien auch vermehrt gegen die Würde der Person gerichtete Tabubrüche auf. Hierbei mag man zunächst an die „Preisgabe des Ehrenschutzes und der Menschenwürde an eine exzessiv verstandene Meinungs- und Kunstfreiheit (,Alle Soldaten sind Mörder‘)“22 denken oder an die Skrupellosigkeit, mit der in-kriminierte Personen öffentlich vorverurteilt werden. Nachdem der sachsen-anhaltinische Ministerpräsident Werner Münch, als vermeintlicher „Raffke“ samt dreier Minister in der sogenannten Gehälter-Affäre 1993 mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt, schließlich von Verwaltungs- und Strafgerichtsbarkeit für un-schuldig befunden worden war, kam dies, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung titelte, nur noch einem „Freispruch nach der Hinrichtung“ gleich. Wie Poesie liest sich da Ziffer 13 des Pressekodex: „Die Berichterstattung über schwebende Ermitt-lungs- und Gerichtsverfahren muß frei von Vorurteilen erfolgen. Die Presse ver-meidet deshalb vor Beginn und während der Dauer eines solchen Verfahrens in Darstellung und Überschrift jede einseitige oder präjudizierende Stellungnahme. Ein Verdächtiger darf vor einem gerichtlichen Urteil nicht als Schuldiger hingestellt werden“. In einem Kommentar hat der Rechtsanwalt und Professor Rüdiger Zuck nach einer eindrücklichen Schilderung seiner – bis zu Handgreiflichkeiten reichen-den – Erfahrungen in der CDU-Spendenaffäre23 kürzlich das bittere Fazit gezogen: „Freiwild ist man eben für die Medien, und sonst nichts. Nun geht es mir aber gar nicht in erster Linie um die Manieren, sondern darum, mit welcher Selbstverständ-lichkeit und Gleichgültigkeit gegenüber der Person man für Medienzwecke in An-spruch genommen, instrumentalisiert und zum Objekt gemacht wird. Die Medien gehen offenbar dabei davon aus, wir hätten alle dieselbe Mentalität: Sieht das Publi-kum eine Kamera, winkt es. Offenbar wird angenommen, es habe sich zu den be-kannten Trieben ein weiterer hinzuentwickelt, die Mediengeilheit, die jeden von den Medien Befragten in einen adrenalingesteuerten Taumel versetzt“.24

Damit ist der Blick auf jene mediale Herausforderung des christlichen Menschen-bildes gelenkt, bei welcher die Würde der Person nicht mehr als Schutznorm gegen Angriffe Dritter, sondern als Schranke der freien Selbstbestimmung geltend zu machen wäre. Angesichts der Tendenz der Rechtsprechung, einen Schutz des auto-nom-freiwillig Handelnden gegen sich selbst nach dem Grundgesetz abzulehnen25, ist es aber illusionär, im Grundgesetz „ein Bollwerk zu sehen, das der Unterbietung des Menschen durch den Menschen wirksam wehrt. Vielmehr erweist sich der Rechtsstaat ziemlich hilflos in der Pflege seiner eigenen sittlichen Voraussetzungen, wo „die Verlockung, auf dem Bildschirm zu erscheinen, häufig größer ist, als die Selbstachtung, als die Scham, sich auch noch bei intimsten Gedanken und Handlun-gen zu zeigen“.26 Beispiel „Big Brother“: Am 1. März 2000 zogen fünf Männer und fünf Frauen für 100 Tage in einen von der Außenwelt isolierten Wohncontainer ein, in dem 28 Kameras und 47 Mikrophone täglich 24 Stunden lang alle Aktionen der Bewohner im gesamten Haus optisch und akustisch aufzeichneten. Eine unbeobach-tete Stunde täglich, die man den Teilnehmern unter dem Druck von Öffentlichkeit und Zensurbehörden zugestand, wollten diese gar nicht haben. Aus dem Filmmate-rial stellte die Redaktion täglich eine ca. 50minütige Sendung (mit zwei Werbeun-terbrechungen) zusammen, die einen Tag später im Privatsender RTL 2 ausgestrahlt wurde. Nominiert von der Wohngruppe und abgewählt von den Zuschauern, wurde alle zwei Wochen ein Bewohner des Hauses verwiesen; der Gewinner des Spiels verließ nach 100 Tagen mit einer Prämie von 250.000 DM den Container. Das zynische Motto der Reality-soap, die inzwischen mehrere Folgestaffeln und ähnli-che Sendungen („Girlscamp“, „House of Love“ u. a.) nach sich gezogen hat: „Du bist nicht allein“. Die Tages- und Wochenaufgaben, wie etwa eine Kletterwand oder circensische Vorführungen im Garten, erinnerten an eine Beschäftigungstherapie für gefangene Tiere im Zoo; wie dort bildeten in den Sendungsausschnitten die Berei-che Nahrungsaufnahme, Paarungsverhalten und wechselseitige Spiele die zentralen Attraktionsfaktoren der Beobachtung.27 Der Ausscheidungskampf der „Aufmerksamkeitsgladiatoren“28 erfolgte unter Einsatz eines ansonsten in der Gesellschaft geächteten Sozialverhaltens („mobbing“) und war unverkennbar von einem „öko-nomischen Imperativ“ überlagert29: „Es war auffällig, daß vor allem diejenigen Kandidaten aus der Sendung genommen wurden, die sich zu diesem Zeitpunkt besonders gut vermarkten ließen. Zlatko brachte außerhalb des Containers mehr Einnahmen für die Produktionsfirma Endemol, die mit 50% an seinen Einnahmen beteiligt ist, als durch sein weiteres Bleiben.“30 „Das Endergebnis der medialen Selbstinszenierung sind menschliche Markenartikel, die unter dem ,Big Brother‘-Label verkauft werden.“31 „Zlatko ist das Produkt eines medialen Labors, in dem die Marktgängigkeit von Versuchspersonen erprobt und gleichzeitig hergestellt wird. Es ist ein Warentest (...).“32 Schon diese wenigen Formulierungen aus der einschlägigen Sekundärliteratur machen deutlich, wie würdelos das hier millionen-fach verbreitete Menschenbild ist – von der Gefahr psychischer (und physischer) Schädigung der Probanden dieser und ähnlicher „sozialanthropologischer Kulina-rien“33 ganz zu schweigen.

III. Trieb- und Affektstereotypen

Der „Big Brother“-Sieger „verkörpert das derzeitige gesellschaftliche Ideal des ,Ego-Taktikers‘ (Klaus Hurrelmann), der kommunikativ ist, sich schnell verändern-den Anforderungen anpaßt und sie zur Optimierung der eigenen Situation zu nutzen weiß“34. Bildung ist bei diesem Erfolgsrezept nicht gefragt, eher sogar hinderlich: „Wer auf irgendeine Weise den Eindruck erweckt, er habe eine differenziertere Meinung (...), ist bei den eingefleischten Show-Fans nicht länger wohlgelitten. Entsprechend schnell avancierte gerade der BB-Protagonist Zlatko zu einem Me-dienstar“; er besticht durch seine „Eindimensionalität: Ihm ist Shakespeare unbe-kannt, was ihn nicht weiter bekümmert, sondern ihm (Zitat:) ,scheißegal‘ ist. Er protzt, stöhnt demonstrativ bei seinen Fitneßübungen, lästert, schimpft, gibt peinli-che Weisheiten zum besten (...) und hat zu jedem Thema eine feststehende, unum-stößliche Meinung (Zitat: ,Schwule sind Scheiße‘)“.35 Inzwischen gibt es selbstver-ständlich ein „Best of Zlatko Sprüche Buch“, und – trotz völliger Sangesuntauglich-keit – gelangte Zlatko in die nationale Vorauswahl für den Europäischen Schlager-wettbewerb. Jürgen Bräunlein hat in seinem Buch: „Schön blöd“ eine Fülle von Beispielen für den „unheimlichen Medienerfolg der Untalentierten“ zusammenge-tragen und systematisiert. Sein Fazit: „Heute noch nach einem verbindlichen kultu-rellen Bildungskanon zu suchen ist vergeblich. Schon das Wort Kanon ist ein Fre-vel. (...) Bildung und Stilsicherheit sind sehr schön, aber ,bad taste‘ ist lebensfroher und lustiger. (...) Vermutlich haben Gebildete schon immer in diesen Gefilden des Verbotenen gewildert, aber sie haben es bisher nicht zugeben können, haben sich dafür geschämt. Doch jetzt ist das unsichtbare Gängelband der Hochkultur schlaff geworden: Lese statt Adorno lieber Porno!“36

Das Verblassen des Menschen als geistiges Wesen in der audiovisuellen Medien-wirklichkeit findet seine Entsprechung im Körperkult.37 „Zu Zeiten von Marilyn Monroe war Pin-up zu sein vielleicht der Start zu einer Karriere, niemals aber deren Fortsetzung. Heute ist es umgekehrt. (...) Was früher den Ruf ruinierte, festigt ihn jetzt. (...) Bevor Anna Nowak, Freunden der ,Lindenstraße‘ als Urzula bekannt, für den ,Playboy‘ alle Hüllen fallen ließ, philosophierte sie über den ,Geist der Nackt-heit‘: ,Es ist eine große Herausforderung, meine Haut als Kostüm zu benutzen.‘ Eine Herausforderung, die alle spüren und die meisten bewältigen“.38 Nach einem EU-Bericht über das Bild der Frau in den Medien liegt zwar bei Werbesendungen der Schwerpunkt „deutlicher auf dem Körper der Frau“39; doch deuteten die weni-gen Studien zur Darstellung von Männern darauf hin, „daß sich ihr Bild im Wandel befindet, da sie nunmehr häufiger als Väter oder sensible Menschen oder als begeh-renswerte Körper dargestellt werden“; in Mittel- und Osteuropa hätten sich die Medieninhalte „westlichen Normen angepaßt, so daß nach Auffassung der Forscherinnen in einigen dieser Staaten das Frauenbild nun stärker stereotypisiert ist als vor dem Umbruch, vor allem im Hinblick auf die Sexualisierung und Ausbeutung des weiblichen Körpers“.40 Im Westen erfolgte die „Erotisierung“ der Medieninhal-te in drei Etappen: Zunächst wurde der weibliche Körper vermehrt in Zeitschriften „oben ohne“ oder nackt dargestellt – etwa auf 43 Prozent der Titelseiten des STERN (1960-88) –, dann kam es zu Beginn der achtziger Jahre mit der Verbreitung von Videorecordern zu einem erheblichen Anwachsen von pornographischen Produkti-onen (bis zu 25 Prozent Marktanteil in den Videotheken); nach der Einführung privater Fernsehprogramme wurde Sex in Filmen, Spielshows und Magazinen di-rekt auf den Bildschirm gebracht – als „Türöffner“ für „bislang obstinate Zuschau-ergruppen“ sowie als begehrtes Umfeld für Werbekunden.41 Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zogen mit eigenen Erotikangeboten, „oftmals jedoch kulturell oder künstlerisch verbrämt“, nach.42

Solche Camouflage brauchte RTL für seine bahnbrechende Spielshow nicht: „Der Eindruck, daß wir es bei den Eurogirls und Früchtchen eher mit Objekten der Be-gierde und mit Konsumartikeln denn mit Frauen zu tun haben, wird auch dadurch noch verstärkt, daß – vergleichbar einem Warensortiment im Supermarkt – immer mehr von ihnen bereitstehen als letztendlich ausgewählt werden. (...) Tutti Frutti und Konsorten präsentieren uns eine funktionslose Aneinanderreihung dieses End-produktes ,Frau‘ en masse. Jugendlich, makellos, fast schon geistesabwesend teilen die Frauen in solchen Sendungen miteinander ihre eigene Objektivierung. Ihre Be-wegungen wirken mechanisch, gleichförmig, keine ,tanzt‘ aus der Reihe. Sie sind beliebig und austauschbar“.43 Ein Indiz für die Wirkung solcher Medienbotschaften auf die Lebenswirklichkeit mag man schon darin sehen, daß die Nachfrage nach halterlosen Strümpfen nach jeder Tutti Frutti-Sendung rapide stieg, wobei die Käu-fer überwiegend männlichen Geschlechts waren.44 Daß die zunehmende Sexualisie-rung in den Medien nicht einfach gesellschaftliche Wirklichkeit widerspiegelt, läßt schon eine Inhaltsanalyse deutscher Fernsehprogramme im Jahr 1990 erahnen: Von den in Sendungen mit Spielhandlung vorkommenden sexuellen Beziehungen fallen 37 Prozent in die Kategorie „dauerhaft“; ein insgesamt größerer Anteil verteilt sich auf „eine Nacht“ (20%), „feste und zusätzliche“ (12%), „mehrere gleichzeitig“ (4%), „mehrere nacheinander“ (3%) und sonstiges (4%); bei einem Viertel war die Dauer nicht erkennbar.45 In Umfragen über das tatsächliche Sexualverhalten der Deutschen gaben jedoch 89 Prozent der Frauen und 77 Prozent der Männer an, in den letzten 12 Monaten nur einen oder keinen Geschlechtspartner gehabt zu haben. Selbst bei Annahme einer „Dunkelziffer“ von Falschantworten läßt sich die Lebens-realität schlechterdings nicht mit dem Medienbild zur Deckung bringen.

Die Reduktion des Menschen auf seine Triebe und Affekte ist weiterhin besonders augenfällig bei Sendungen, in denen pure Gewalt bar jeden Kontextes und die „nur fiktionale“ Vernichtung von Menschen gezeigt wird, sowie bei „Beschimpfungs-, Spott-, Demaskierungs-, Erniedrigungs-, Bloßstellungs-, Brüll- sowie Dreinhau-Shows“46, wie sie vorwiegend von privaten TV-Veranstaltern angeboten werden. Das Ausreizen der Trieb-Stereotypen, die offenkundig das Menschenbild der Me-dienmacher prägen, droht bei den Rezipienten eine innere Leere, ein Sinn-Vakuum zu hinterlassen, das seinerseits nach immer intensiverem Medienkonsum mit immer extremeren Emotionen verlangt, um überdeckt zu werden. Die „Katharsis“-These einer Entlastung vom Trieb- oder Spannungsstau hat die Wirkungsforschung längst aufgegeben zugunsten der „Risiko-These“ (oder „Doppelte-Dosis-Theorie“), wo-nach mediale Gewaltdarstellungen zwar nicht regelmäßig, jedoch in Verbindung mit familiären und milieuspezifischen Belastungen sowie entwicklungspsychologi-schen Krisen gewaltauslösend sein können. Der Zusammenhang von Gewalt-Computerspielen und der Abstumpfung des Mitleidsempfindens ist erwiesen.47 Wenn gewalttätige Actionhelden zu Idolen der Kinder avancieren und in deutschen Fernsehprogrammen wöchentlich 4000 Leichen – darunter schon ein Großteil im Vorabendprogramm –„produziert“ werden48, verwundern spektakuläre Nachah-mungstaten sowie ein starker Anstieg der Kinder- und Gewaltkriminalität jedenfalls nicht. Schließlich spiegeln sich Medieneinflüsse auch in der größeren Angst von „Vielfernsehern“ wider, Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden: Fiktion und Realität verschwimmen.49

Die Sorge um den Schutz der Würde der Person betrifft auch das Medienbild älterer Menschen. Wenn diese im Durchschnitt aller Sendungen etwa 10 Prozent der auf-tretenden Personen darstellen, ist dies nicht einmal die Hälfte des realen Bevölke-rungsanteils der über 60jährigen.50 Neben dieser Unterrepräsentanz fällt insbesonde-re in der Werbung eine Stereotypisierung auf: Als häufigster Typ (mit etwa 30 Pro-zent) „tritt uns hier der Clown entgegen. Der Clowntypus, der sowohl weibliche, überwiegend aber männliche Protagonisten kennt, soll lustig wirken, hat aber oft einen lächerlichen Touch. Morphologisch wird dieses Bild bestimmt von Auffällig-keiten wie Fettleibigkeit, großer und/oder schiefer Nase, Doppelkinn, abstehenden Ohren, fehlenden Zähnen. Dieses Bild wird verstärkt durch die Verwendung von Accessoires wie unangemessene Kleidung, Handschuhe, Hüte und Schmuck in grellen Farben. Motorisch und non-verbal wird das Auftreten dieses Typus noch weiter unterstrichen durch übertriebene Gestik und Mimik“.51

In Nachrichten und Magazinsendungen erscheint „der alte Mensch – neben dem verhungernden Kind mit den großen traurigen Augen – als Symbol für Siechtum und Elend. Das Sickness-Modell dominiert“; und in Gesprächen werden die Ant-worten älterer Menschen – insbesondere bei Widerspruch – „erheblich kürzer gehal-ten als diejenigen von jüngeren“, während affirmative Äußerungen auffällig oft vom Interviewer wiederholt werden – „ein Ansatz zu einer Entmündigung“52. Man muß sich die Feststellung eines „ageism“53, eines Altersrassismus, angesichts durchaus divergierender Forschungsbefunde54 in ihrer Drastik nicht zu eigen machen; doch ist vor dem Hintergrund des grassierenden Jugend- und Körperkultes, der Ablösung ethischer durch ästhetische Leitbilder, der zunehmenden Finanzierungsprobleme von Kranken- und Rentenversicherung sowie der Tendenzen zur aktiven Sterbehilfe besondere Wachsamkeit beim Schutz der Würde alter Menschen auch in den Me-dien angebracht.

IV. Deformation des Menschen als sittliches und soziales Wesen

Zum christlichen Menschenbild gehört auch die Realität des Bösen. Die Würde des Menschen in seiner Freiheit und Befähigung zur sittlichen Selbstverantwortung schließt sowohl die Möglichkeit ein, schuldig zu werden als auch mit dieser Schuld angemessen umzugehen. Heute scheint eher Andy Warhols Diktum zu gelten: „Es gibt kein Böses; gut ist alles, was in die Presse kommt“55. So werden in diversen Talkshows schon nachmittags „Menschen vorgeführt, die mit ihren Verfehlungen, ihrem menschlichen Versagen, ihren sittlichen Defiziten auch noch angeben und sich wichtig tun. (...) Inzwischen sind immer weniger Beteiligte und Zuschauer dieses Spiels entsetzt, wenn einstige Grenzen überschritten werden, wenn Mitspieler Niedertracht und Bosheit wichtigtuerisch, manchmal auch naiv preisgeben, wenn sie das, was Menschen einst peinlich war, zum Vergnügen anderer ausbreiten“.56 Im medialen Voyeurismus werden Schuld, Reue und Scham „nicht mehr als existen-tiell, sondern als akzidentiell erlebt“.57 Inzwischen verfolgen medienkritische Publi-kationen das Schicksal von Talkshow-Gästen, die sich vom veranstaltenden Sender vorgeführt, aufgehetzt, enttäuscht oder fallen gelassen fühlen, und verhelfen ihnen zu einer neuen Identität als Opfer, obwohl sie sich doch selbst exhibitionistisch als Figuren dem Spiel der Medien angeboten haben.58 Der Kontrast zu jenen Helden und Heiligen, an denen sich früher (nicht nur) Heranwachsende die „Überbietung des Menschen durch den Menschen“ veranschaulichten, ist kraß und kann auf Dau-er nicht ohne Folgen bleiben.

Bevorzugtes Thema von Talkshows und Daily Soaps, in denen Jugendliche nach empirischen Studien „Lehrweisheiten für das Leben“ und „soziale Spielregeln“ für ein angemessenes Rollenverhalten suchen59, sind Familienkonflikte, Freundschafts-krisen und (wechselnde) intime Beziehungen. Empathisch zuhörende oder ungedul-dig penetrierende Moderatoren laden einfache, oft nur begrenzt artikulationsfähige Menschen zur öffentlichen Vorstellung ihrer zwischenmenschlichen Probleme und gescheiterten Lebensprojekte ein, öffnen mehr oder weniger behutsam die Scham-grenzen und provozieren zum Teil erbitterte Angriffe auf ehemalige Liebespartner, verhaßte Eltern oder ungeliebte Geschwister („Ich halte es nicht mehr aus: Mein Vater schlägt meine Mutter!“; „Meine beste Freundin hat mich betrogen!“ u. ä.), begleitet von johlender, hämischer, mitleidiger oder empörter Anteilnahme des Publikums.60 Die soziale Beziehungswirklichkeit, die hier gezeichnet wird, ist überwie-gend trostlos und ermutigt nicht gerade zu einem Zusammenleben in Vertrauen und Treue. Auch in Fernsehfilmen und -spielen wird die Familie „selten als positive, dem Einzelnen Rückhalt bietende Intimsphäre dargestellt, sondern vorrangig als Schauplatz von Ehe- und Familienkrisen. (...) Erotik und Sex treten vorwiegend in nichtehelichen Zusammenhängen auf“.61 Insgesamt dominiert durch die einseitige Konfliktorientierung „ein durch Fatalismus bestimmtes Menschenbild“.62 Durch den Aufmerksamkeit heischenden Zwang zur Dramatik entstehen geradezu un-glaubliche Biographien: In einem Fernsehjahr hatte eine Figur aus dem „Marien-hof“ eine Fehlgeburt, eine Krebsoperation, einen Mordanschlag und eine Scheidung hinter sich zu bringen. „Das Frappierende an den Soaps ist, daß die massiven Schicksalsschläge, die die Figuren ereilen, schon nach wenigen Folgen abgehakt sind. (...) Schicksal als etwas, das dem Menschen bleibend nachgeht und an dem der einzelne zerbrechen kann, kommt in den Soaps nicht vor. Die Sinnfrage wird nicht gestellt. Religiöse Dimensionen von Schicksal und Schuld spielen im Soap-Umfeld keine Rolle“.63 Auch suggeriert die dominierende Kurzfristigkeit, daß Freundschaf-ten und intime Beziehungen sich schnell entwickeln und zwischenmenschliche Probleme sich „im Spielfilmlängen-Zeittakt“ lösen lassen, unrealistische Erwartun-gen hinsichtlich des beharrlichen Einsatzes, der Anstrengung und Geduld, die es erfordert, tragfähige menschliche Beziehungen aufzubauen und zu erhalten.64

Das dominante Jugendbild der „Ichbewußten“, das fast alle Medien durchdringt, „ist das eines jungen Menschen, der sich intensiv mit sich selbst beschäftigt. Alles was er wahrnimmt, auch seine Umwelt, sieht er durch seine höchst individuelle Brille. Er ist sich dieser mehr emotionalen als rationalen Sichtweise durchaus bewußt (...). Es geht primär darum zu leben, ,Fun‘ zu haben. (...) Der eigene Lebensentwurf wird als ,feeling‘ artikuliert, dem ,feeling‘ der anderen gegenübergestellt. Die ichbewuß-ten Jugendlichen betonen selbstsicher ihr Anderssein und verlangen dessen Ach-tung“.65 Ein vom Aufmerksamkeitsbonus für die jeweils rabiateren Protestformen und Tabubrüche genährter „medialer Narzißmus“ verstärkt die Tendenz zu Abwei-chungen von der Normalität und von sozialverträglichem Verhalten: Rechtsradikale Jugendliche, die ein Asylantenheim „abfackeln“ oder Hooligans, die einen Polizis-ten verprügeln, verschaffen sich „so etwas wie Anerkennung, selbst wenn die Rückmeldung negativ ist; denn auch negative Anerkennung bedeutet Identität. (...) Die narzißtische Dimension liegt im Bewußtsein des Gesehen- und Beachtetwer-dens, das häufig ein unbewußtes ist“.66

Daß charakteristische Züge des Narziß besonders in den Kommunikationsweisen des Internet wiederzufinden sind, hat Wolfgang Bergmann in seinem Buch „Ab-schied vom Gewissen. Die Seele in der digitalen Welt“67 dargelegt: Hier herrsche ein Versorgtwerden und Ich-Passivität vor, Bindungslosigkeit bis an die Grenze der Leugnung des Anderen – Ist der Andere im Netz wirklich der, als der er sich beim ,chat‘ ausgibt?68 –, eine ruhelose Suche nach etwas, das ,hinter dem Möglichen‘ liegt, ,hinter dem Horizont‘. Im Netz kann ich unbehelligt von Ansprüchen innerer oder äußerer Instanzen meine im realen Leben festgezimmerte Identität umstoßen, spielerisch aufheben, ergänzen, austauschen und der sein, der ich sein will. Die schmale Pforte der Wirklichkeit, deren Zugang für die infantilen Bedürfnisse durch Zensur und Verbote geregelt ist, die Maß und Aufschub verordnen, sie wird im Netz magisch aufgerissen. Hier gibt es keine einzige kritische Instanz und kein konkretes Gegenüber, das mich dazu zwingen könnte, jene Anteile von mir, die mir oder mei-ner Umgebung inakzeptabel erscheinen, wahrzunehmen und anzuerkennen. Das Du ist eine reine Funktion, auf die Beiläufigkeit reduziert, mit der ich es im Netz antref-fe. Ein Mausklick, eine Bewegung der Fingerspitzen genügt, und es verschwindet, ohne die geringste Spur zu hinterlassen. Keine Erinnerung an Gesichtsausdruck, körperliche Begegnung, Rituale von Begrüßung und Abschied. Mein digitales Du ist nur ein möglicher Kontakt in einer Reihe vieler möglicher Kontakte, die ich alle beliebig und in schneller Folge aufrufen kann. Ich brauche den anderen nicht.

Entfällt die prinzipielle Unversöhnbarkeit von narzißtischem Anspruch und Erleb-nisrealität, dann kann die Folge nur eine Schwächung der Gewissensinstanz sein. Das Gewissen mit seiner Mahnung ans Soziale, an Mitgefühl und Rücksicht, mit seinen Gehorsamsforderungen, mit seinen strengen Vorschriften, die es dem Ich aufbürden will, wird leiser. Was bedeutet Verantwortung, wenn, wie in den Chats, gar kein stabiles und erkennbares Gegenüber da ist? Im Fall der Tamagotchis war es mit der Mode des Umsorgens und des Mitgefühls urplötzlich vorbei; „Chicken rösten“ lautete auf einmal die Variante des weltweiten Spiels, mit einer Reihe von Tötungsarten für das zuvor so umsorgte Küken. Schon durch den bloßen Zeitauf-wand für das Surfen im Cyberspace werden gemeinschaftliche Situationen, kon-zentrierte gemeinsame Aktivitäten, soziale Spiele seltener, Normen nicht mehr auf eine tiefgreifende, verhaltensprägende Weise vermittelt. Moralisches Verhalten kann zwar in Erwägung gezogen, aber schon bei geringfügigen Konflikten wieder aufgegeben werden. Was gesagt und gefühlt wird, schwindet wie die Gestalten und Landschaften in einem Computerspiel. Fazit: „Das neuzeitlich-abendländische Ich (...) steht, was seine Fähigkeit angeht, in einer sozialen Gemeinsamkeit zu überle-ben, vor einer Bewährungsprobe mit ungewissem Ausgang“.69

Der anglikanische Erzbischof von York, David Hope, geißelte das Internet als „He-xerei“, da es einer seelenlosen Gesellschaft Vorschub leiste; die Nutzer sässen zu Hause fest und verlören ihre sozialen Kontakte.70 Man muß diesem düsteren Szena-rio nicht uneingeschränkt folgen, doch erscheint es im Blick auf ein gestörtes Lern- und Sozialverhalten einer wachsenden Zahl von „minderjährigen Soziopathen“71 gerade in den informationstechnisch fortgeschrittensten Ländern durchaus nicht abwegig. Ist Kommunikation die Schnittstelle zwischen Individualität und Sozialität des Menschen und entscheidendes Mittel seiner Entfaltung in Gemeinschaft, dann hat die Verbreitung eines neuen Kommunikationsmittels selbstverständlich auch soziale Implikationen. Beispielsweise hat sich nach einer Untersuchung des Allens-bacher Instituts für Demoskopie die Verbreitung des Fernsehens negativ auf das Gesprächsverhalten von Eheleuten ausgewirkt.72 Noch nie aber hat sich ein neues Medium so rasch ausgebreitet wie das Internet. Es wird wachsam zu beobachten sein, welche Einflüsse auf den Menschen als sittliches und soziales Wesen die neu-en Kommunikationstechniken ausüben und wie unerwünschte „Risiken und Ne-benwirkungen“ vermieden oder behandelt werden können.

V. Gegenkräfte: Nutzerethik, Medienkritik, Politik, Erziehung

„Neben all dem Guten, das sie tun und zu dem sie imstande sind, vermögen die Massenmedien, die so wirksame Werkzeuge für Einheit und Verständigung sein können, zuweilen auch zu Werkzeugen einer entstellten Sicht des Lebens, der Fami-lie, Religion und Moral zu werden – eine Sicht, die die wahre Würde und Bestim-mung der menschlichen Person nicht achtet“, warnte 1992 die Pastoralinstruktion „Aetatis Novae“ des Päpstlichen Rats für die Sozialen Kommunikationsmittel. Quod erat demonstrandum! Angesichts dieses Resümees in Resignation zu verfal-len, würde dem christlichen Menschenbild allerdings ebenso wenig gerecht wie dessen hier aufgezeigte Verzerrungen durch destruktive Medieneinflüsse. Mensch-liche Kreativität, Anstrengung, Tapferkeit und Beharrlichkeit sind gefragt, um die Voraussetzungen menschenwürdigen Lebens in der privaten wie in der öffentlichen Sphäre zu schützen.

Dazu gehört zunächst, die vielen Möglichkeiten von Kritik und Kontrolle zu nutzen. Im Kontext unseres Themas könnte man zugespitzt formulieren: Wer sich nicht wehrt, wird entehrt. Das Handlungsrepertoire mündiger Medienkonsumenten reicht von den in ihrer Wirkung oft unterschätzten Leserbriefen über Beschwerden bei Herausgebern und Chefredaktionen, Rundfunkräten, Landesmedienanstalten und Deutschem Presserat bis hin zur Unterstützung medienkritischer Initiativen und Publikationen. Wo sich (un-)verantwortliche Medienmacher uneinsichtig zeigen, muß „das Bewußtsein, um nicht zu sagen, das Gewissen der Öffentlichkeit geweckt und eine kritische Stimmung von der Nachfrage her entwickelt werden“.73 Eine kleine Kirchengemeinde im Landkreis Darmstadt-Dieburg machte es vor: Über 650 Gemeindemitglieder und Fernsehzuschauer beteiligten sich eine Woche lang an einem freiwilligen Fernsehboykott einschlägiger Privatsender, aus Protest gegen die menschenverachtenden „Reality-Soaps“ – und machten damit auch Schlagzeilen.74 Die kritische Bewußtseinsbildung in der Öffentlichkeit mag ihren Anteil an der Trendwende gehabt haben, die „Der Spiegel“ schließlich konstatierte: „Die Fern-sehmacher haben sich mit ihrer Reality-Offensive verkalkuliert. Die Zuschauer reagieren verschreckt: Auf einmal gibt es alles zu häufig, zu schnell, zu schamlos“. Das Erfolgsrezept „Hose runter, Quote rauf“ sei „natürlich Quatsch. Die Rechnung konnte nicht aufgehen. Reality-TV ist eben doch nicht die billige Gelddruckmaschi-ne, an die seit ,Big Brother‘ viele glaubten (...). Anfangs war all die vermeintliche Authentizität ein Ereignis, das ,Event-TV‘ genannt wurde. Nun ist es eine Inflation, die Trend heißt, sich aber bereits selbst kannibalisiert. Der Voyeurismus, den die Sender noch bieten, ist ein Mißverständnis. Der Exhibitionismus, zu dem die Kan-didaten bereit sind, ebenso. Mißverstanden fühlt sich vor allem der Zuschauer, der seit ,Girlscamp‘ nicht mal mehr ab-, sondern gar nicht erst einschaltet. Vielleicht entdeckt er das eigene Leben wieder. Kommt übrigens echt gut – garantiert Realti-me und in 3-D-Qualität“.75

Die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag, Maria Böhmer, die auch Mitglied des ZDF-Fernsehrates ist, rief 1994 eine Kampagne „Rote Karte für TV“ ins Leben: Mit roten Postkarten sollten Zuschauer gegen Sen-dungen mit Gewalt und Pornographie bei den Anstalten protestieren. Ihre Fraktion brachte kürzlich im Bundestag einen Gesetzentwurf zur Änderung des („Gottes-lästerungs“-)Paragraphen 166 des Strafgesetzbuchs ein, wonach die Beschimpfung des Bekenntnisses, der Einrichtungen und der Gebräuche der Religionsgemein-schaften generell und nicht mehr nur dann bestraft werden soll, wenn „sie geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören“. Schon allein die Initiative dürfte dazu bei-tragen, das öffentliche Problembewußtsein zu schärfen. Aufgabe der Politik müßte es weiterhin sein, eine strengere Normierung von Sendungen mit Gewalt-, Sex- oder Vulgärgehalt im Sinne der Jugendschutzes durchzusetzen, zumindest aber, die An-bieter zur Kennzeichnung solcher Angebote und alle Hersteller von Fernsehgeräten zu deren Ausstattung mit „technischen Vorrichtungen zur Filterung von Program-men“76 zu veranlassen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muß erhalten, dann aber auch in seinen Inhalten von einer Anpassung an die verflachten, informationsarmen privaten Sender abgehalten werden. Schließlich kann die Politik dafür Sorge tragen, daß im Bildungssektor – vom Kindergarten bis zur Universität – ein verantwortlich-kritischer Umgang mit den Medien gelernt wird. „Medienerziehung“ – Schulfach in Sachsen – sollte in allen Bundesländern zumindest als fächerübergreifendes Prinzip in die Curricula eingearbeitet werden. Damit sind die Eltern allerdings nicht aus ihrer vorrangigen erzieherischen Verantwortung entlassen. Diese erschöpft sich keineswegs in der Einübung bzw. Durchsetzung einer „information diet“ (Neil Postman) oder „geistigen Müllabfuhr“ (Heinz-Joachim Fischer), sondern besteht viel grundlegender in einer von Zuwendung, Prägewillen und Vorbild getragenen Erzie-hung zur gefestigten Persönlichkeit, die äußeren Einflüssen jeder Art und Güte etwas entgegenzusetzen hat.

„Was für Journalisten ein Volk hervorbringt, das ist heute ein wesentliches Moment seines Schicksals“ (Karl Jaspers). Daher ist die kritische Reflexion der eigenen Wirkungsmacht und berufsethischer Standards für Journalisten und andere Me-dienmacher dringlich. Die Entwicklung entsprechender Aus- und Fortbildungsangebote steht jedermann frei. Besonders die Befunde der empirischen Medien(wirkungs)forschung müßten den Praktikern transparenter gemacht werden, schärfen sie doch vielleicht mehr als der moralische Zeigefinger das Bewußtsein für die eigene Verantwortung. Soll der „Vermittler geistiger Güter“ (Otto Groth)77 im Journalis-mus nicht weiter hinter jenen Typus Redakteur zurücktreten, der „die Spreu vom Weizen trennt und die Spreu sendet“ (Didi Hallervorden), so ist beim Berufszugang die akademische Bildung als Kombination von „Wissen und Haltung“ (Hermann Lübbe) stärker zu gewichten – beispielsweise durch das Angebot journalistischer Ausbildungszweige im studienbegleitenden Seminarprogramm von Begabtenförde-rungswerken, in denen mit öffentlichen Geldern besonders intelligente, leistungswillige, gemeinwohlorientierte und persönlich integere Studierende auf gesellschaft-liche Führungsaufgaben vorbereitet werden sollen. Daß eigentlich die in diesem Sinne „Besten“ für den Journalismus gewonnen werden müßten, folgt schon aus Max Webers Einschätzung, „daß eine wirklich gute journalistische Leistung mindestens soviel ,Geist‘ beansprucht wie irgendeine Gelehrtenleistung – vor allem infol-ge der Notwendigkeit, sofort, auf Kommando hervorgebracht zu werden und: sofort wirken zu wollen, bei freilich ganz anderen Bedingungen der Schöpfung“.78

Sollte sich das doppelsinnige Wort „Kanal“ weiterhin in Richtung einer Verähnli-chung seiner beiden Bedeutungen entwickeln, ist durchaus über einen intensiveren Einsatz und eine erweiterte Wirkungsmacht von „Kanal- und Schleusenwächtern“ zur „Klärung“ der angeschwemmten Medieninhalte nachzudenken. „Es ist ein ei-genartiger Weise nur selten bedachter und öffentlich diskutierter Umstand, daß sich demokratische Gesellschaften einen mit erheblichen Vollmachten ausgestatteten Zentralbankrat leisten, der so gut wie völlig unabhängig von Wahlen, öffentlichen Stimmungen, ja selbst von demokratischer Kontrolle ist. Seine Sitzungen, auf denen Entscheidungen von großer volkswirtschaftlicher Tragweite getroffen werden, fin-den wie ein Papstkonklave unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Kein gewählter Politiker (...) kann diesem Rat dazwischenreden. All das zu einem einzigen Zweck, zu verhindern, daß sich Greshams Gesetz bewährt, um also dafür zu sorgen, daß gutes Geld nicht von schlechtem Geld verdrängt wird. Nun gilt dieses Gesetz offen-sichtlich auch für die Massenmedien: Schlechte Sendungen verdrängen weitgehend gute Sendungen. Kein dem Zentralbankrat an Kompetenzen auch nur entfernt ver-gleichbarer Medien-Aufsichtsrat sorgt für eine anti-inflationäre Medienpolitik“.79

Gerade angesichts der Erosion christlicher Wertorientierung und der nicht unerheb-lichen Rolle, welche die überdurchschnittlich kirchenfernen Medienmacher dabei spielen, kommt es für die Verteidiger des christlichen Menschenbildes darauf an, „in vielen, möglichst allen Medien durch überzeugte katholische Publizisten, die je an ihrem beruflichen Ort ihr selbständiges Zeugnis geben, gegenwärtig zu sein“.80 Kirchliche Pastoral und Sozialethik werden den Journalisten und ihrer Schlüssel-funktion in Zukunft wohl größere Aufmerksamkeit widmen müssen.81 So haben die Kirchen allen Grund, über die Einrichtung eines eigenen TV-Kanals nachzudenken. Unabhängig davon müssen sie ihre journalistische Nachwuchsförderung mit sorg-fältiger Personalauswahl, großzügigem Mitteleinsatz und ethischem Profil betrei-ben.

Anmerkungen

1) Joachim Kardinal Meisner: Es geht nicht um eine katholische Sonderethik, sondern um den rechten Gebrauch der Vernunft, in: Die Tagespost vom 23.6.2001, 6.

2) Karl Lehmann: Das christliche Menschenbild – Orientierung in einer pluralistischen Ge-sellschaft, in: Communicatio Socialis 2/1994 (27. Jg.), 118-133, 119f.

3) Annette Keck/Nicolas Pethes: Das Bild des Menschen in den Medien. Einleitende Bemerkungen zu einer Medienanthropologie, in: Dies. (Hg.): Mediale Anatomien: Menschenbilder als Medienprojektionen, Bielefeld 2001, S. 12.

4) BVerfGE 2,1 (12) (SRP-Urteil).

5) „Das Menschenbild des Grundgesetzes ist nicht das eines isolierten souveränen Individuums; das Grundgesetz hat vielmehr die Spannung Individuum-Gemeinschaft im Sinne der Gemeinschaftsbezogenheit und Gemeinschaftsgebundenheit der Person entschieden, ohne dabei deren Eigenwert anzutasten“; BVerfGE 4,7 (15f) (Investitionshilfe-Entscheidung).

6) Ulrich Becker: Das ,Menschenbild des Grundgesetzes‘ in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (Schriften zum Öffentlichen Recht 708), Berlin 1996, 68 bzw. 66.

7) Zu dem von Herbert Krüger geprägten Begriff siehe Isensee: Grundrechtsvoraussetzungen und Verfassungserwartungen, in: Handbuch des Staatsrechts, Bd. V, §115 (436ff).

8) Im einzelnen sind dies 206 Minuten Radio, 185 Fernsehen, 30 Zeitung, 18 Bücher und 13 Internet – insgesamt 62 Prozent mehr Zeit als vor 20 Jahren; siehe Christa-Maria Ridder/Bernhard Engel: Massenkommunikation 2000: Images und Funktionen der Massenmedien im Vergleich, in: Media Perspektiven 3/2001, 102-125, 105.

9) Interview in: Rheinischer Merkur vom 20.11.1992, 24.

10) Joachim Kardinal Meisner: Mit dem Herzen sehen. Chance und Auftrag der Kirche zu Beginn des dritten Jahrtausends. Ein Gespräch mit Stefan Rehder, Aachen 2000, 100. „Daß das Menschenbild des Verfassungsstaates traditionell mit einem Gottesbild korreliert“, betont auch Peter Häberle: Das Menschenbild im Verfassungsstaat (Schriften zum Öffentlichen Recht 540), Berlin 1988, 12.

11) Roger Gerhardy: Notizblock, in: transparent 2/2001, 3.

12) Ebd.; gestützt auf eine Recherche Simone Ehmigs vom Mainzer Institut für Publizistik mittels der Datenbank Reuters Business Briefing.

13) Nämlich Programmanteile zwischen 1% (ZDF) und 0,3% (RTL-Aktuell); idea-spektrum vom 21.2.1996, 16f.

14) Walter Flemmer: Das Unheil nicht erfindungsreich vermehren. Die Wirklichkeit, die wir ihnen auf dem Bildschirm zeigen, in: Hermann Boventer (Hg.): Medien und Moral. Unge-schriebene Regeln des Journalismus (Journalismus. Schriftenreihe der Stiftervereinigung der Presse, 27), Konstanz 1988, 55-70, 60f.

15) Zusammenfassung und Diskussion empirischer Befunde sowie Beispiele entsprechender journalistischer Fehlleistungen bei Andreas Püttmann: Auf Vermittler angewiesen. Wie ent-steht öffentliche Meinung über die Kirche (Kirche und Gesellschaft hrsg. von der Katholi-schen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle Mönchengladbach, 229), Köln 1996, 6ff; Ders.: Kirche im Zerrspiegel der Medien. Zur Verantwortung der Katholiken für die öffentliche Meinung über ihren Glauben, in: Katholische Presse oder: Die Scheidung der Geister. Fest-schrift zum 50jährigen Bestehen der Deutschen Tagespost, Würzburg 1998, 153-185.

16) Isensee: Verfassungsstaatliche Erwartungen, 115.

17) Karl Lehmann: Kirchliche Konflikte in der Öffentlichkeit, in: Ders.: Glauben bezeugen, Gesellschaft gestalten. Reflexionen und Positionen, Freiburg/Basel/Wien 1993, 475-480, 476.

18) Martin Thull: Sakralisierung des Profanen. Wie Religion und Kirchen im Fernsehen vorkommen, in: Herder-Korrespondenz 6/1994 (48. Jg.), 300-304, 302.

19) Vgl. Andreas Püttmann: Don Camillos Enkeln fehlt der Draht nach oben. Seelenhirten avancieren zu Serienhelden – für Christen ein Grund zur Freude?, in: Rheinischer Merkur vom 7.9.1990, 30.

20) Zit.n.: Informationen VII-VIII/2001, hg. von der Gesellschaft Katholischer Publizisten, 9.

21) Titelbild der Satirezeitschrift „Titanic“ (10/1995) und Friedrich Küppersbusch in „ZAK“ (ARD).

22) Josef Isensee: Am Ende der Demokratie – oder am Anfang? (Wirtschaftspolitische Kol-loquien der Adolf-Weber-Stiftung 20), Berlin 1995, 47; vgl. Ders.: Grundrecht auf Ehre, in: Festschrift für Martin Kriele, hg. von Burkhardt Ziemske u. a., München 1977, 5-48.

23) Zu diesem Beispiel auch Wolfgang Bergsdorf: Die Medien: Aufdecker der Regelverletzung und Betreiber des Skandals, in: Jahres- und Tagungsbericht der Görres-Gesellschaft 2000, 47-58.

24) Rüdiger Zuck: Glanz und Elend der deutschen Justizberichterstattung, in: Neue Juristische Wochenschrift 1/2001 (54. Jg.), 40-42, 40.

25) Siehe Wolfgang Schulz: „Menschenwürde“ im Konzept der Regulierung medialer Gewaltdarstellungen. Symbolischer Gebrauch, Fehlgebrauch und Mißbrauch eines Rechtsbegriffs, in: Medien & Kommunikationswissenschaft 3/2000 (48. Jg.), 354-370, 365; vgl. Chris-tian Hillgruber: Der Schutz des Menschen vor sich selbst, Berlin 1992.

26) Flemmer: Das Unheil, 68.

27) Joan Kristin Bleicher: Zwischen Menschenzoo, Panoptikum und Dauertheater. Inszenierungsstrategien im „Big Brother“-Container und ihre gesellschaftlichen Funktionen, in: Medien & Kommunikationswissenschaft 4/2000 (48. Jg.), 518-536, 532.

28) Ebd., 534.

29) Thomas Bohrmann: Big Brother. Medienethische Überlegungen zu den Grenzen von Unterhaltung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 41-42/2000 (50. Jg.), 3-10, 9.

30) Bleicher: Menschenzoo, 523.

31) Ebd., 534.

32) Martin Altmeyer: Das neue Subjekt entsteht im Auge der Kamera. „Big Brother“ und andere Inszenierungen von postmoderner Identität, in: Kommune 6/2000 (18. Jg.), 44-49, 45.

33) Ebd., 47.

34) Bleicher: Menschenzoo, 533.

35) Klaus Neumann-Braun/Axel Schmidt: Nichts ist authentischer als die Suche nach Au-thentizität. Real-People-Formate in Fernsehen und Internet, in: psychosozial IV/2000 (23. Jg., Nr. 82), 65-80, 71f.

36) Jürgen Bräunlein: Schön blöd. Vom unheimlichen Erfolg der Untalentierten, Berlin 1999, 31f.

37) Zur Paradoxie von gleichzeitiger Körperaufwertung und -auflösung im digitalen Zeitalter: Gabriele Klein: Die Würde des Körpers in Mediengesellschaften, in: Deutscher Evangelischer Kirchentag Frankfurt 2001. Dokumente. Hrsg. von Christoph Quarch, Gütersloh 2001, S. 601-607.

38) Bräunlein: Schön blöd, 128.

39) Dazu Ephraim Kishon: „Wir leben in einer Epoche der Sexualität, die bis zum Absurden aufgeblasen worden ist. Sie sehen im Fernsehen eine fast nackte, junge Frau mit den Hüften wackeln, tatsächlich aber will man eine hydraulische Presse verkaufen. Eine schamlose Aus-nutzung der männlichen Schwäche. Es ist auch Terror, aber legal“; zit. n. idea-spektrum 26/2001, 7.

40) Europäische Gemeinschaften: Das Bild der Frau in den Medien. Ein Bericht über bestehende Untersuchungen in der Europäischen Union, Luxemburg 1999, 27.

41) Kirsten Küsters/Stefani Mälzer: Tutti Frutti und Konsorten. Zur Erotisierung unserer Medieninhalte und was wir Frauen davon haben, in: Romy Fröhlich (Hg.): Der andere Blick. Aktuelles zur Massenkommunikation aus weiblicher Sicht (Frauen und Massenmedien 1, hg. von Christina Holtz-Bacha), Bochum 1992, 159-164, 159.

42) Hans-Bernd Brosius: Sex und Pornographie in den Massenmedien. Eine Analyse ihrer Inhalte, ihrer Nutzung und ihrer Wirkung, in: Fröhlich: Der andere Blick, 139-158, 141.

43) Küsters/Mälzer: Tutti Frutti, 161,163.

44) Siehe Die Zeit vom 27.7.1990, 28.

45) Siehe Monika Weiderer: Das Frauen- und Männerbild im Deutschen Fernsehen. Eine inhaltsanalytische Untersuchung der Programme von ARD, ZDF und RTL plus (Medienforschung 4, hg. von Helmut Lukesch), Regensburg 1993, 176.

46) Heinrich Anker: Blinder Fleck. Das Menschenbild in den Medien: Freiheit zur Verantwortung, 7. In den USA gibt es sogar explizit Hass vorführende „hate-shows“.

47) Siehe GKP-Informationen II/2001, 21.

48) Laut einer Untersuchung von Jo Groebel (1991), zit. n. Dieter Stammler: Verzerrte Bilder. Gegen die Gewalt in den Medien, in: Evangelische Kommentare 3/1994 (27. Jg.), 136-139, 137.

49) Siehe Die Welt vom 20.2.1998, 11: „UNESCO-Studie zu Mediengewalt und Alltag“.

50) Hans W. Jürgens: Zum Bild älterer Menschen in den elektronischen Medien, in: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hg.): Das Alter in den Medien. Muß es ein Zerrbild sein? Dokumentation einer Fachtagung für Journalisten vom 20. bis 22.5.1996 in der Evangelischen Akademie Tutzing, Bonn 1997, 57-61, 57.

51) Ebd., 58.

52) Ebd., 60.

53) Ebd., 61.

54) Reinhard Dierl: Zwischen Altenpflegeheim und Seniorenstudium. Alter und Alte als Zeitungsthema (KDA-Forum, 11), Köln 1989, 12.

55) Zit. n. Bräunlein: Schön blöd, 117.

56) Rainald Merkert: Auf dem Bildschirm: Die Unterbietung des Menschen durch den Men-schen, in: Funkkorrespondenz 51-52/2000 (48. Jg.), 24.

57) Kathrin Lenzer: Triumph der Schamlosigkeit, in: Rheinische Post vom 10.2.2001.

58) Siehe Altmeyer: Das neue Subjekt, 49.

59) GKP-Informationen I/2001, 19 unter Bezug auf eine Studie des Münchener Instituts für Medienpädagogik in Forschung und Praxis (JF) im Auftrag der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM); vgl. Udo Göttlich/Friedrich Krotz/Ingrid Paul-Haase (Hg.): Daily Soaps und Daily Talks im Alltag von Jugendlichen (Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Rundfunk, 38), Opladen 2001.

60) Vgl. Altmeyer: Das neue Subjekt, 45.

61) So eine Untersuchung des Medienforschers Udo Krüger über das Bild der deutschen Familie in Fernsehspielen, zit. n. Flemmer: Das Unheil, 63.

62) Marianne Wünsch/Jan-Oliver Decker/Hans Krah: Das Wertesystem der Familienserien im Fernsehen (Themen. Thesen. Theorien, hrsg. von der Unabhängigen Landesanstalt für das Rundfunkwesen), Bd. 9, Kiel 1996, 118.

63) Elisabeth Hurth: Fehlgeburt, Krebsoperation, Scheidung. Jede Menge Schicksal – die Welt der Daily Soaps, in: zeitzeichen 3/2001 (2. Jg.), 50f.

64) Vgl. GKP-Informationen III/1999, 16, unter Bezug auf die Zeitschrift Psychologie heute 2/1999 (26. Jg.).

65) Bernd Schorb/Natasa Basic/Helga Theunert: Ab(zieh)bilder. Wie Medien Jugendliche präsentieren. Eine Analyse von Print-, Hörfunk- und Fernsehprodukten, München 1996, 137f.

66) Altmeyer: Das neue Subjekt, 48.

67) Asendorf 2000. Der Autor ist Psychologe, Kindertherapeut und Chefredakteur der Deut-schen Lehrer-Zeitung. Im folgenden Absatz wird sein Gedankengang durch redigierte Textzitate wiedergegeben.

68) Vgl. Klaus Müller: Verdoppelte Realität – virtuelle Wahrheit? Erkenntnistheoretische, sozialphilosophische und anthropologische Konsequenzen der „Neuen Medien“, in: Rüdiger Funiok/Udo Schmälzle/ Christoph Werth (Hg.): Medienethik – die Frage der Verantwortung, Bonn 1999, 75-92, 87.

69) Bergmann: Abschied vom Gewissen, 221.

70) Zit. n. idea-spektrum 18/2000, 9.

71) So der amerikanische Professor für englische Literatur und Ideengeschichte am Pitzer College (Claremont), Barry Sanders, in seinem Buch „Der Verlust der Sprachkultur“, zit. n. Gregor Dotzauer: Schwanengesänge. Macht die Multimedia-Gesellschaft dumm?, in: Wo-chenpost vom 12.10.1995, 43.

72) Das Institut konstatiert einen „krassen Verlust an Intensität“ der Gespräche seit 1953, als es noch kaum einen Haushalt mit Fernseher gegeben habe; zit. n. GKP-Informationen VI/2000, 17.

73) Emil Dovifat: Pressefreiheit und Schutz der Ehre und der Intimsphäre, in: Ders.: Die publizistische Persönlichkeit. Herausgegeben von Dorothee von Dadelsen. Mit einem Vor-wort von Otto B. Roegele, Berlin/New York 1990, 90-107, 103.

74) Siehe Bernhard Rude: Reality-TV ohne Realität, in: GKP-Informationen III/2001, 1.

75) Oliver Gehrs/Thomas Tuma: Wahn und Wirklichkeit, in: Der Spiegel 6/2001, 134f.

76) So eine Entscheidung des Europäischen Parlaments von 1996; vgl. Hans Mathias Kepplinger: Programmierte Gegenwehr. Kann eine elektronische Sperre den Bildschirm „kindgerecht“ machen?, in: Rheinischer Merkur vom 10.1.1997, 29.

77) Vgl. Heinrich Oberreuter: Übermacht der Medien. Erstickt die demokratische Kommunikation?, Zürich 1982, 80.

78) Max Weber: Politik als Beruf (1919), in: Ders.: Gesammelte Politische Schriften, hg. von Johannes Winckelmann, 5. Aufl., Tübingen 1988, 505-560, 525f.

79) Jochen Hörisch: Kultischer Kontext. Zur Leitwährung Prominenz (Vortrag bei den Main-zer Tagen der Fernseh-Kritik 2001), zit. n. epd medien Nr. 50 vom 27.6.2001, 14-19, 16f.

80) Lehmann: Das christliche Menschenbild, 128.

81) Vgl. Andreas Püttmann: Fragen des Glaubens im Gespräch mit Journalisten, in: Lebendige Katechese 1/1996 (18. Jg.), 37-40.

Dr. phil. Andreas Püttmann, Bonn, ist Politikwissenschaftler und Referent für Begabtenförderung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.

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